Fußball: Regionalliga West
Wiedenbrück – Schauplatz eines großen Preußen-Blackouts

Münster -

Die zwei Meisterschaftsspiele zuvor waren schon in die Hose gegangen und kosteten letztlich den Aufstieg. Der gefühlte Tiefpunkt dieser frühen Mai-Wochen 2013 ist dennoch vielen haften geblieben. Durch das 1:2 beim SC Wiedenbrück, bei dem der Club am Samstag erneut zu Gast ist, schied Preußen Münster aus dem Westfalenpokal aus. Der Frust saß tief.

Donnerstag, 18.03.2021, 16:05 Uhr aktualisiert: 19.03.2021, 12:02 Uhr
Frust nach dem Pokal-Aus von im Mai 2013: SCP-Kapitän Stefan Kühne (sitzend) und Teammanager Stephan Küsters.
Frust nach dem Pokal-Aus von im Mai 2013: SCP-Kapitän Stefan Kühne (sitzend) und Teammanager Stephan Küsters. Foto: Jürgen Peperhowe

Eigentlich sind die Spiele des SC Preußen Münster gegen den SC Wiedenbrück immer eine Reise wert. Oder machen Spaß, wenn der SCP daheim antritt. Nur selten verlor Münster gegen den SCW. In Testspielen, ja, da gibt es schon mal einen mit von den Ostwestfalen. Aber wenn es um Punkte oder den Pokal geht, dann geht da immer was für die Preußen.

Nur einmal nicht.

Im Mai 2013 nahm sich der SC Preußen, damals hoch ambitionierter Fußball-Drittligist, eine kapitale Auszeit. Damals war die Mannschaft von Trainer Pavel Dotchev so dicht vor dem Sprung in die 2. Bundesliga wie selten zuvor. Doch dann hagelte es drei Niederlagen hintereinander. Erst ein völlig überraschendes 0:1 im eigenen Stadion gegen die Stuttgarter Kickers. Dann ein 0:3 bei der Spielvereinigung Unterhaching. Und schließlich und endlich eine 1:2-Blamage im Westfalenpokal. Die Qualifikation für den lukrativen DFB-Pokal rückte in weite Ferne.

Keine Schadensbegrenzung

Was war nur passiert im Mai 2013, was lief schief?

In Wiedenbrück sollte der SCP Schadensbegrenzung betreiben. Seit 2008 hatte es sich der Verein zur Pflicht erklärt, die erste Hauptrunde im nationalen Pokalwettbewerb zu erreichen. Das gelang zunächst bestens unter Trainer Roger Schmidt. Doch schon unter Meistertrainer Marc Fascher stotterte die Pokal-Maschinerie der Adlerträger. Gegen Wiedenbrück lieferte das Dotchev-Team, es ging um alles oder nichts, rein gar nichts ab.

Dabei schien der Sieg in Wiedenbrück, beim Tabellenneunten der Regionalliga, nicht mehr als eine Pflichtaufgabe. Zumal Dennis Grote früh zur Führung traf. Christ Kasela Mbona egalisierte bereits nach 13 Minuten. Und dann unterstrich der SCP, dass er in diesen Tagen alles andere als eine homogene Mannschaft war. Gerade ein Konter in der Schlussphase, als Dimitrj Nazarov und Mehmet Kara praktisch allein auf das SCW-Tor zuliefen, aber sich gegenseitig ­ignorierten, statt gemeinsam das 2:1 zu schießen, stand sinnbildlich für den zu diesem Zeitpunkt angeknacksten Teamgeist. Volkan Okumak erzielte den Wiedenbrücker Siegtreffer, er querte die Verteidigung, sprintete nach links, dann nach rechts, bremste ab, zog wieder an, spielte mehr oder weniger sechs Preußen aus und traf in der vierten Minuten der Nachspielzeit zum 2:1.

Weitere Enttäuschung

Der SCP war raus aus dem Westfalenpokal und um eine weitere Enttäuschung reicher. Am letzten Spieltag schlüpfte der SCP dann doch noch durch den 4:1-Heimerfolg über Babelsberg auf Rang vier der Drittliga-Tabelle und konnte durch die DFB-Pokal-Qualifikation die Schmach von Wiedenbrück verdrängen. Aber der Gegner stand zur Unzeit für eine fatale sportliche Krise.

Auch das letzte Aufeinandertreffen mit Wiedenbrück hatte im Herbst 2020 eine besondere Note, schließlich vermeldete der SCP mit 1997 Zuschauern letztmals eine Kulisse bei einem Heimspiel. Die Partie gewann Münster mühsam mit 2:1. In Wiedenbrück wird es nun ein Geisterspiel geben. Die Preußen treffen mit SCW-Manager Alfons Beckstedde einen alten Bekannten. Der 59 Jahre alte frühere Mittelfeldakteur spielte in der Zweitliga-Aufstiegsrunde 1989 für den SCP, er fehlte in den acht Partien keine Minute und schoss gegen Havelse (1:1) und die Reinickendorfer Füchse (2:1) jeweils wichtige Tore. Immerhin 52 Partien absolvierte er für den SCP, davon 17 in der 2. Liga. Er steht auch für die Preußen von einst.

Beckhoff vom Markt

Mit Phil Beckhoff hat Wiedenbrück nun einen 20 Jahre alten Flügelstürmer in den eigenen Reihen, der als Junior bei Arminia Bielefeld, beim FC Schalke 04 und beim SC Paderborn geschult wurde. Nun liefert er beeindruckend mit neun Toren in 22 Einsätzen – alle Spitzenteams der Regionalliga hatten ein Auge auf ihn geworfen. Doch mit Steffen Meuer (Fortuna Düsseldorf II) schließt er sich im Sommer Borussia Mönchengladbach II an. An Meuer hatte Preußen-Coach Sascha Hildmann vor der Saison auch Interesse gehabt. Die Konkurrenz des SCP in der Regionalliga rüstet also bereits jetzt auf. Ob Münster in Sachen Beckhoff etwas verpasst hat, wird sich vielleicht am Samstag zeigen...

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