Rudern: Olympia-Qualifikation
RVM-Athletin Ida Kruse: „Ich bin fit, fühle mich gut und arbeite viel“

Münster -

Rudern – und dann kommt lange nichts. Für ihren Traum ordnet Ida Kruse derzeit alles unter, die Münsteranerin will unbedingt bei den Olympischen Spielen in Tokio dabei sein. Doch noch gibt es auf dem Weg nach Japan einige Unwägbarkeiten. Um genau zu sein drei Fragezeichen.

Mittwoch, 31.03.2021, 19:30 Uhr aktualisiert: 01.04.2021, 12:53 Uhr
Das Trockentraining ist Geschichte, endlich geht es auf dem Wasser wieder rund: Für Ida Kruse (3.v.l.) und den Deutschland-Achter wird Mitte April die EM in Varese eine erste Standortbestimmung auf dem Weg zu den Olympischen Spielen.
Das Trockentraining ist Geschichte, endlich geht es auf dem Wasser wieder rund: Für Ida Kruse (3.v.l.) und den Deutschland-Achter wird Mitte April die EM in Varese eine erste Standortbestimmung auf dem Weg zu den Olympischen Spielen. Foto: Yannic Schurwanz

Für das Osterfrühstück reicht die Zeit nicht, aber immerhin für einen kleinen Abstecher zur Familie nach Gievenbeck. Vom Freilufttest auf dem Fühlinger See in Köln war es nur ein kleiner Schwenk nach Münster. Kurz Seele, Beine und Arme baumeln lassen und Kraft tanken für anstrengende Monate. Mittlerweile ist Ida Kruse schon wieder zurück in der Hauptstadt. In Berlin verbringt sie Ostern, zu großen Teilen auf dem Wasser. Für die Münsteranerin spielt in diesem Jahr der Sport die Hauptrolle. Hohe Hürden türmen sich auf vor der Nationalmannschaftsruderin auf. Eine nach der anderen will sie überwinden. Worum geht’s? Erstens: Kruse muss einen Platz im Deutschland-Achter erobern. Zweitens: Der Achter muss sich Mitte Mai auf der Qualifikationsregatta auf dem Rotsee in Luzern einen der beiden letzten Startplätze für die Olympischen Spiele erarbeiten. Drittens müssen die Spiele dann auch stattfinden. Vor den aufregenden Monaten schildert die 24-Jährige ihre Pläne. So viel vorweg: Für einen Plan B bleibt aktuell keine Zeit.

Frau Kruse, Sie haben zwei jüngere Brüder. Kennen Sie Justus Jonas, Peter Shaw und Bob …

Ida Kruse: … Andrews. Klar, das sind die drei Fragezeichen. Warum?

Weil es genau drei große Fragezeichen sind, die zwischen Ihnen und Ihrer ersten Olympia-Teilnahme stehen. Hinten angefangen: Glauben Sie, dass die Spiele stattfinden können?

Kruse: Aktuell gehe ich davon aus. Es spricht im Moment vieles dafür – und ganz ehrlich: Wenn ich das nicht glauben würde, wäre es schwer, dafür zu trainieren.

Wie stehen die Chancen für den deutschen Achter, sich noch zu qualifizieren?

Kruse: Man weiß es wirklich nicht. Die Konkurrenz ist stark, aber ich bin guter Dinge. Wir haben die Zeit genutzt, haben im Lockdown sehr gut gearbeitet – und gute Fortschritte gemacht.

Und darf man davon ausgehen, dass eine Ruderin des RV Münster mit in diesem Boot sitzt?

Kruse: Ich gebe alles, das ist von meiner Seite auch alles, was ich machen kann. Der Trainer muss entscheiden – und kann das auch noch in der letzten Sekunde tun. Aber ich bin eigentlich ganz zuversichtlich.

In 14 Tagen stehen die Europameisterschaften im italienischen Varese an. Die dürften eher Nebensache und Formüberprüfung sein, oder?

Kruse: Ja, die EM hat sportlich keine Folgen, da entscheidet sich nichts. Unser Saisonziel ist ganz klar die Qualifikationsregatta im Mai – und danach dann hoffentlich die olympische Regatta in Tokio.

Aber die EM ist der erste „echte“ Vergleich mit Konkurrenz auf dem Wasser. Bei allen Anstrengungen in den vergangenen Monaten: Regatten gab es keine.

Kruse: Das stimmt, Regatten gab es nicht, direkte Vergleiche auch nicht. Wir sind jetzt in Köln gegen den Doppelvierer gerudert. Die anderen bekamen einen Vorsprung, sodass wir zumindest einen Eindruck bekommen haben, wo wir stehen. Aber den direkten Vergleich ersetzt das nicht.

Wer sind denn für Sie die größten Konkurrenten um die letzten beiden Startplätze für Tokio?

Kruse: China, Rumänien, die Niederlande. Ich weiß nicht genau, wie es um die russischen Ruderinnen steht. Aber das sind die Boote, die alle sehr schnell unterwegs sind. Das wird super-super-eng.

Eng wird es auch um die Plätze auf den Rollsitzen. Herrscht da ein großer Konkurrenzkampf?

Kruse: Natürlich schwingt das immer ein bisschen mit. Jede möchte ins Boot, aber das Teamgefühl ist trotzdem sehr gut. Im Gegenteil: Jede hat auch mal einen schlechten Tag, dann baut man sich gegenseitig auf. Jede will, dass der schnellste Achter unterwegs ist – und wenn man selber das schwächste Glied ist, merkt man das. Und die Messgeräte belegen es. Wir sind ein super-kleines Team für den Achter und den Vierer, und wir passen gut aufeinander auf.

In der vergangenen Saison hatte Bundestrainer Tom Morris lediglich ein Plätzchen im Vierer für Sie reserviert. Und der fand nicht richtig in seinen Rhythmus. Haben Sie Ihren Frieden mit dem Bundestrainer gemacht?

Kruse: Das musste ich gar nicht. Ich konnte die Entscheidung gut nachvollziehen, warum ich im Vierer saß. Ich kam aus einer langen Verletzung. Jetzt bin ich fit, fühle mich gut, arbeite viel daran, fit zu bleiben. Alles in Ordnung.

Ist die Besatzung für die EM schon bekannt?

Kruse: Ja, die steht. Und ich bin im Boot.

Sportlich also alles in Ordnung, wie sieht es sonst aus? Nach vier erfolg- und erlebnisreichen Jahren in den USA mit einer großen sportlichen Entwicklung und ganz nebenbei einem Studienabschluss sind Sie jetzt seit einem Jahr zurück in der Heimat – und das ausschließlich im Corona-Modus. Sind Sie schon wieder angekommen?

Kruse: Na ja, ein halbes Jahr hat das tatsächlich gedauert, wieder richtig anzukommen. Aber jetzt bin ich zurück und fühle mich auch hier richtig zu Hause.

Wo ist hier?

Kruse: Ich wohne in Berlin, zu Hause ist in Münster bei meiner Familie.

In Potsdam wird trainiert – und in Berlin? Sind Sie an der Uni eingeschrieben?

Kruse: Im Moment gilt meine volle Konzentration dem Rudern.

Kennen Sie eigentlich das weibliche Pendant zu den drei Fragezeichen?

Kruse: Nein. Das wäre?

Die drei Ausrufezeichen.

Kruse: Na dann …

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