Fehlende Anreize für Nachwuchs sorgt für bedenklichen Mitgliederschwund
Kegler und Bowler vor Aussterben?

Auf Kegel- und Bowling-Bahnen ist es ruhig geworden. Was aktuell natürlich eine Konsequenz der Pandemie ist. Gleichwohl haben beide Sportarten auch beim Blick in die Zukunft Sorgen. Die Zahl der organisierten Kegler und Bowler nimmt jedenfalls rapide ab.

Donnerstag, 15.04.2021, 14:44 Uhr aktualisiert: 16.04.2021, 17:48 Uhr
Schon seit einem halben Jahr ruht auf Kegel- und Bowling-Bahnen der Spielbetrieb. Zukunftssorgen werden den Verband auch nach der Pandemie beschäftigen.
Schon seit einem halben Jahr ruht auf Kegel- und Bowling-Bahnen der Spielbetrieb. Zukunftssorgen werden den Verband auch nach der Pandemie beschäftigen. Foto: Imago/MIS

MünsterStill ruhen die Bahnen. Und mit ihnen Kegel und Pins. Keglern und Bowlern geht es in Zeiten der Pandemie nicht besser als anderen Sportlern. Aber angesichts mitunter schwierig zu belüftender Anlagen vielleicht länger schlechter. „Wahrscheinlich werden wir zunächst mit Maske spielen müssen, wenn wir wieder auf die Bahnen dürfen“, sagt Hans Selent, Vorsitzender des BC Monasteria. Was vor anderthalb Jahren noch unvorstellbar schien, wird plötzlich als Chance begriffen: Sport mit Mund- und Nasenschutz. „Machbar“, glaubt Selent. Er spricht für die Bowler.

Seit einem halben Jahr haben der Monasteria-Chef und seine Mitstreiter keine Kugel mehr in den Händen gehabt. Den Strikers Amelsbüren geht es nicht anders. Nach der Pause im ersten Lockdown im Frühjahr 2020 ist es das zweite, deutlich längere „Break“. Der Verband annullierte jüngst die aktuelle und früh unterbrochene Saison. Die vor gut einem Jahr unmittelbar vor dem letzten Spieltag abgebrochene Serie wurde noch gewertet – Monasteria rutschte von der Oberliga in die Verbandsliga ab, weil ein paar lumpige Pins fehlten. Auch das noch.

Der 1979 gegründete Club hat zurzeit 42 Mitglieder. Die Männer sind (deutlich) in der Überzahl. „Uns fehlen Damen“, konstatiert Selent. Aber noch mehr fehlt der Nachwuchs. „Übrigens nicht nur bei uns“, weiß der Vorsitzende. Die Ursache für die sehr überschaubare Zahl nachrückender Talente macht er am Geld fest. „Wir sind auf öffentliche Anlagen angewiesen und das kostet. Unser Sport ist für junge Menschen zu teuer“, verdeutlicht Selent.

Da haben es die Sportkegler des ESV Münster schon ein bisschen besser. Sie spielen mit insgesamt fünf Mannschaften nicht auf einer kommerziellen, sondern der eigenen Anlage an der Siemensstraße. Besser: Sie spielten – selbstverständlich halten auch die Kegler seit fast sechs Monaten die Füße still. „Auf Strecke fällt das schon schwer, aber wir haben ja keine Wahl“, sagt der Abteilungsvorsitzende Thomas Brochtrup. Längst haben die Eisenbahner über den vorsichtigen Neustart nach der Pandemie nachgedacht. „Es ist unser Glück, dass wir vier Bahnen haben. Wenn wir nur zwei bespielen, sollte der Abstand groß genug sein“, so Brochtrup.

Sowohl der BC Monasteria als auch der ESV organisieren ihren Spielbetrieb unter dem Dach des Westdeutschen Kegel- und Bowling-Verbandes. Es eint sie die Sorge um den Nachwuchs, auch beim ESV gibt es mit Ausnahme von Brochtrup-Filius Felix ein großes Vakuum. Schwarzseher im Verband sagen Bowlern und Keglern „ein Aussterben“ voraus. Zahlen verdeutlichen das Dilemma in den bei Jugendlichen unpopulären Randsportarten: 2002 hatte der Deutsche Kegel-und Bowling-Verband noch über 250 000 Mitglieder, bis 2020 sank die Zahl bedenklich auf weniger als 69 000.

Still ruhen die Bahnen. Vielleicht irgendwann einmal sogar für immer.

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