Aktion „Münster zum Mond“
Melanie Bayer erfüllt Lebensträume und sammelt Kilometer

Mit einer elektronisch betriebenen Rikscha chauffiert Melanie Bayer Menschen durch die Stadt, die nicht gut zu Fuß sind. Sie erfüllt so kleine Träume – und gleichzeitig sammelt sie fleißig Kilometer für die Aktion „Münster zum Mond“

Mittwoch, 28.04.2021, 16:04 Uhr aktualisiert: 28.04.2021, 18:35 Uhr
Mit der E-Rikscha durch Münster:
Mit der E-Rikscha durch Münster: Foto: Privat

Im Klarastift in Mauritz sind die Bewohner seit Wochen in heller Aufregung – und Vorfreude. Ergotherapeutin Melanie Bayer ist „schuld“. Sie sitzt am Lenker der elektrisch betriebenen Rikscha mit Ladeplattform für Rollstühle, erfüllt Herzensangelegenheiten.

Einmal in die City Eis essen oder am Aasee die Enten beobachten, einmal in den botanischen Garten der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU). Alles drin. Die Liste mit Wünschen wird mit jedem Tag länger. Vorbei die Zeiten, in denen im Altenzentrum nur der Innenhof zum Verweilen lud oder der Blick auf den Kanal die Gedanken schweifen ließ. Jetzt geht’s täglich raus.

„Es macht riesigen Spaß“, erzählt Bayer. Das mit einem Motor betriebene Gefährt kommt an. Bis zu 40 Kilometer die Woche mit viel Luft nach oben, die sind aktuell bei diesem Frühlingswetter locker drin bei der Reise durchs Universum. Denn die 35-Jährige macht aktiv mit bei der gemeinsamen Sport-Aktion „Münster zum Mond“ der WWU. „Für die älteren Menschen ist es nicht immer leicht, den Bus zu nehmen. Und auch die Tour mit dem Bulli ist aufgrund der Parkplatzsituation nicht selten unproblematisch. Mit der Rikscha können wir einfach drauflosfahren“, sagt Bayer. Mit einem Spanngurt wird der „Rolli“ befestigt – und schon geht es los.

Fast ausschließlich mit Muskelkraft

Viele Menschen im Wohnheim sind als Ur-Münsteraner mit dem Fahrrad groß geworden. Haben es lieben und schätzen gelernt. Genießen das Erlebnis durch die Natur. „Einer Frau fuhr der Wind die Tage wie einst Marilyn Monroe unter den Mantel. Sie hat so gelacht und sich gefreut. Es ist schön, das zu spüren“, verrät Bayer. Sie versucht fast ausschließlich mit der eigenen Muskelkraft das Gefährt zu bewegen – nur an Bergen kommt das Triebwerk noch ins Spiel. „Ich bin ein sehr sportlicher und ehrgeiziger Typ, möchte – wann immer es geht – den Motor schlagen.“ Funktioniert.

Etliche Kilometer hat sie bislang gesammelt. Auch privat in Laufschuhen oder per Inliner. Viele sollen folgen. „Ich habe übrigens meinen Klienten davon erzählt, dass wir zum Mond fliegen. Sie freuen sich, wollen jetzt auch in dieses Internet“, berichtet die Therapeutin mit einem Lächen auf den Lippen. Vor Anfragen kann sie sich kaum retten. Beinahe jeden Tag geht sie auf Tour. Vielleicht ist es bald sogar möglich, wieder ein Café anzusteuern. Das steht und fällt mit den Infektionszahlen. „Ich kann nur allen empfehlen, hilfsbedürftigen Menschen ihre Wünsche zu erfüllen.“  André Fischer

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