Di., 26.12.2017

WN-Sportlerwahl: Meike Gerlach Gruß aus der Achterbahn

Hinter Meike Gerlach liegt ein Wahnsinns-Jahr. Die junge Sprinterin trumpfte auch bei den Europameisterschaften groß auf.

Hinter Meike Gerlach liegt ein Wahnsinns-Jahr. Die junge Sprinterin trumpfte auch bei den Europameisterschaften groß auf. Foto: Iris Hensel

Saerbeck - 

Ein ganz starkes Jahr erlebte Leichtathletin Meike Gerlach. Landet sie auch bei der Wahl zur Sportlerin des Jahres ganz vorne?

Von Stefan Bamberg

Ergebnisse. Erinnerungen. Emotionen. Im Portugal-Urlaub hat Meike Gerlach alles aufgeschrieben. Ein „Erfolgstagebuch“, Trainer Peter Seiffert hat ihr das empfohlen: „Es war wichtig, so ein Jahr mal bewusst zu verarbeiten“, sagt Gerlach. Saerbeck, Italien, Greven, Studium, EM, 100 Meter, 200, 400, Deutsche Meisterschaft, Nationaltrikot – schönen Gruß aus der Achterbahn!

Am besten fängt man chronologisch an – in der Halle: Februar, Deutsche U20-Meisterschaften in Sindelfingen, 4x200-Meter Finale. Gerlach läuft mit der Staffel des TV Gladbeck unerwartet zu Gold. Ein Titel, der fast untergeht bei allem, was danach noch passiert – aber dafür gibt es ja einen Coach: Peter Seiffert sieht auch das, was leicht unter die Räder kommt. Dass Gerlach zwischendurch noch Deutsche Hochschulmeisterin für die Uni Münster wird. Dass sie bei einem Meeting im Mai über 100 Meter die Zwölf-Sekunden-Schallmauer durchbricht: „11,84!“, strahlt Seiffert. „Das war der Moment, an dem ich für nix mehr garantieren konnte.“ Ein Moment, in dem Meike Gerlach „einfach durchgeballert“ hat, wie sie das nennt.

Auf den kurzen Strecken gibt‘s keine Taktik: Bei den Deutschen Meisterschaften im rappelvollen Erfurter Steigerwaldstadion bringt diese Erkenntnis Platz elf über 200 Meter und Rang fünf in der 4x100-Staffel, als Jugendliche gegen die – deutlich erfahrenere – nationale Crème de la crème. Für die Sportstudentin freilich nur die Vorband fürs ganz große Rockkonzert – anderes Land, andere Distanz: Bei der U20-EM in Grosetto/Italien rennt die 18-Jährige die 400 Meter. Die Bahn glüht in der toskanischen Hitze, Gerlach ist die zweite Läuferin für die deutsche Staffel, dreht die Stadionrunde in 52,7 (!) Sekunden – und ist zwei Minuten später Vize-Europameisterin. „Ein internationaler Wettkampf war komplettes Neuland“, erinnert sie sich. Ein Wahnsinns-Erlebnis, ein Irrsinns-Ergebnis. Freunde und Familie empfangen sie am FMO: „Es war schön zu sehen, dass das so viele Leute freut“, lacht Gerlach.

Dabei hat sie einfach alles gemacht wie immer: „Gut frühstücken, Musik hören, die Abläufe noch mal durchgehen“, erklärt sie, „wenn man vor solchen Rennen was Neues ausprobiert, geht das eh in die Hose.“ Peter Seiffert nickt. Er war auch in Italien, obschon vor Ort natürlich der Bundestrainer die Verantwortung hatte. Seiffert ist eigentlich immer da, seit Gerlach als 13-Jährige mit dem Sprint anfing. Sechsmal die Woche beim Training. Nicht zuletzt aber auch: als Ansprechpartner, über den Sport hinaus. „In Sachen Ehrgeiz ist Meike voll-crazy“, meint er. „Aber dieser Leistungssprung hat sogar mich überrascht.“ Mit dem letzten Tropfen Sprit holt sich Gerlach auch noch ein 4x100-Staffelgold bei der U20-Freiluft-DM in Ulm. Was für ein Abschluss.

Jedoch zugleich auch sicherlich ein Startschuss: Ab kommender Saison werden Gerlachs Gegner – in der Erwachsenklasse – wohl regelmäßig Gina Lückenkemper, Rebekka Haase oder Ruth Spelmeyer heißen. Ein Schnupper-Jahr, ein Eingrooven für die U23-EM 2019 in Schweden – und womöglich ein Anlass fürs nächste „Erfolgstagebuch“ der Meike Gerlach.



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