So., 01.07.2018

36. Saerbecker Triathlon Willkommen im kleinen Hawaii!

Die längste Dusche des Münsterlandes, nennen die Sportler den Saerbecker Triathlon. Weil die Dorfbewohner dafür bekannt sind, ihre Rasensprenger gen Laufstrecke auszurichten – eine wichtige Abkühlung bei 26 Grad im Schatten.

Die längste Dusche des Münsterlandes, nennen die Sportler den Saerbecker Triathlon. Weil die Dorfbewohner dafür bekannt sind, ihre Rasensprenger gen Laufstrecke auszurichten – eine wichtige Abkühlung bei 26 Grad im Schatten. Foto: Stefan Bamberg

Saerbeck - 

Der Klassiker ist endlich wieder da: Nach einem Jahr Eichenprozessionsspinner-Zwangspause feierte der Saerbecker Triathlon – einer der ältesten Deutschlands – sein Comeback. Und versetzte die Klimakommune wieder in den emotionalen Ausnahmezustand.

Von Stefan Bamberg

Die längste Dusche des Münsterlandes, so nennen die Athleten die pfiffige Konstruktion. Und heute – bei 26 Grad im Schatten – brauchen sie die Saerbecker und ihre kreative Wertarbeit natürlich besonders dringend: die örtlichen Hobby-Gärtner, die ihre Rasensprenger gen Laufstrecke ausrichten. Und damit ja irgendwie auch immer Komparsen des Events werden, zu den stillen Edelhelfern der sportlichen Hauptdarsteller. „Das Tolle hier in Saerbeck ist der Lokalkolorit“, meint auch Ralf Pander von „Wasser+Freizeit Münster“. Der SPD-Ortsverein schnibbelt Obst, die Gesamtschule hilft bei der Streckenverpflegung, ein lokaler Motorradclub sichert die Radstrecke. Und der Rest schaut zu, in den Vorgärten, am Straßenrand. Und schreit: -„Los, Papa!“ Oder: „Auf geht‘s, Jürgen, auf geht‘s!“ Willkommen im kleinen Hawaii, in der Prima-Klima-Kommune, die ihren Triathlon zurück hat! Endlich zurück hat.

Fotostrecke: Saerbecker Triathlon

Denn im letzten Jahr präsentierte sich bekanntlich Kollege Eichenprozessionsspinner als schlechter Sportskamerad – die kurzfristige Absage 2017 hat wehgetan, finanziell, Aber nicht zuletzt emotional. „Es ist eben unsere Traditionsveranstaltung“, sagt Orga-Chef Pander. Und – gemeinsam mit zwei anderen – der älteste Triathlon Deutschlands. Klar, dass da auch die Stadtverwaltung den Kampf mit den giftigen Raupen aufgenommen hat – grünes Licht am Sonntagmorgen!

Als Bürgermeister Wilfried Roos den „Saerbeck Classic“ anschießt: 350 Teilnehmer, ausgebucht, vom kleinen Prozessionsspinner-Restrisiko lässt sich bei 600 Metern im Wasser, 20 000 auf dem Rad und abschließenden 5 000 auf dem glühenden Asphalt fast keiner abschrecken. Die Volksdistanz – sie ist die Strecke, auf der die wahren Helden geboren werden: Klar, es gibt die Sprinter. Einen wie Sascha Ludwig (TV Lengerich), der mit 59:11 Minuten unter der magischen Stundengrenze bleibt – und damit Abo-Champion Martin König abfängt. Drahtige Ladies à la Petra Stöppler, auf Rang neun die schnellste Frau.

Aber es gibt eben auch die bunten Vögel: die statt 12 000-Euro-Carbon-Rad lieber die alte Trekking-Möhre nehmen – am besten noch eine geliehene. Die ein bisschen aussehen, als kämen sie direkt vom Grillfest. Die mit den „Überhol-doch-Du-Angeber“-Shirts. Die Brustschwimmer und Baumwollhemd-Poser. Aber das Wichtigste: Sie alle sind mit dabei, sie alle kommen an, sie alle sind Teil der Party.

„Die Stimmung unter den Aktiven ist einfach genial“, findet einer, den hier vielleicht nicht jeder erwartet hätte: Nils Babin, Ex-Zweitliga-Torwart der Emsdettener Handballer, hat die Sportart gewechselt. Und wird übrigens starker 23. über die Volksdistanz. Eine heitere Randnotiz.

Nun aber Schluss mit derlei Späßchen – und alle Augen auf die zweite, die rein sportlich vielleicht noch wichtigere Entscheidung des Tages: Olympische Distanz, auch hier macht Bürgermeister Roos den Pistolero. Zuerst 1,4 Kilometer durch den See – auf zur Disziplin, die einer Steuererklärung ähnelt: Es gibt wenig bis nix zu gewinnen – aber hier zu pennen, rächt sich sofort. Frank Mertins (VfL Michelstadt) und Sascha Thiel wechseln mit größerem Vorsprung aufs Rad – wo Thiel in 38 Kilometern kassiert wird. Mertins gewinnt, beim Zehner auf der Laufstrecke hat sich auch noch Patrick Teller dazugeschlichen – er wird Zweiter, Daniel Ensink Dritter. Und der Saerbecker Stefan Günnigmann rennt in die Top-Sechs. Da ist er wieder, dieser Lokalkolorit.



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