Gastronomen demonstrieren für mehr Planungssicherheit
Druck wächst von Woche zu Woche

Saerbeck -

In Saerbeck haben am Freitag Gastronomen demonstriert. Hinter der St.-Georg-Kirche stellten sie Tische und Stühle auf. Sie stehen sinnbildlich für für leere Restaurants, Hotelbetten und Cafés. Die Gastronomen verspüren einen zunehmenden wirtschaftlichen Druck. Seit Wochen sind ihre Lokale wegen der Coronakrise geschlossen.

Samstag, 25.04.2020, 06:14 Uhr aktualisiert: 28.04.2020, 14:58 Uhr
Ein längerer Stillstand ohne Aussicht auf ein Ende, das sei nicht verkraftbar, sind sich die Saerbecker Gastronomen einig.
Ein längerer Stillstand ohne Aussicht auf ein Ende, das sei nicht verkraftbar, sind sich die Saerbecker Gastronomen einig. Foto: Sven Thiele

Die einzige, die an diesem Freitagnachmittag ein breites Lächeln aufgesetzt hat, ist die Sonne. Ihre wärmenden Strahlen zeugen von einem Frühling, den die meisten sicherlich gerne unter freiem Himmel verbringen würden. Noch dazu laden Tische und Stühle zum Verweilen ein. Doch der Schein trügt. Die Stühle, die sechs Saerbecker Gastronomen im Schatten der Saerbecker Kirche aufgestellt haben, bleiben leer. Zumindest nehmen auf ihnen keine Gäste Platz.

Die wären auch nicht erwünscht, was durch die Anwesenheit von Polizei und Ordnungsamt, deren Vertreter ein wachsames Auge auf die Szenerie werfen, unterstrichen wird. Und zum Lachen ist abgesehen von der Sonne hier sowieso niemandem zu Mute. Ganz im Gegenteil: Landauf landab macht sich in der Gastronomie Verzweiflung breit. Und deshalb machen die Wirte mobil.

Indem sie mit leeren Stühlen, die sinnbildlich für leere Restaurants, Hotelbetten und Cafés stehen, auf ihre dramatische wirtschaftliche Situation aufmerksam machen. An diesem Freitag fast überall im Land. Auch in Saerbeck.

Sie hat Anfang dieser Woche ihre Kollegen zusammengetrommelt. Kerstin Kerssen betreibt mit ihrer Familie den Gasthof Waldesruh in Westladbergen. Ihr Betrieb ist nahezu zum Erliegen gekommen. Alle Angestellten harren der Dinge zuhause. Wie in der gesamten Branche wurde ihnen Kurzarbeit verordnet. Doch der wirtschaftliche Druck nimmt von Woche zu Woche zu. Die Soforthilfen des Bundes gehen zur Neige.

Kerstin Kerssen hat ebenso Tische und Stühle aufgestellt wie ihren Kollegen vom Dahm`s Hoff, dem Hotel Stegemann, Markt 23, dem Landhaus Bruckmann und Getränke Hövel. Sie alle beschreiben ein düsteres Bild. „Bis Ende August keine Veranstaltung, das hält keiner aus“, betont Udo Stegemann. Sein 80-Betten-Betrieb in Westladbergen beherbergt im Moment gerade einmal ein Handvoll Geschäftsreisende. Stegemann spart, wo immer es geht. Auch den hoteleigenen Pool hat er vorerst stillgelegt.

Er und seine Kollegen drängen auf schnelle Hilfen. Die in dieser Woche zugesagte Mehrwertsteuer-Senkung für Speisen werten sie zwar als ein erstes Signal.

Doch mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein sei das nicht. Ohne weitere Finanzhilfen gingen bald in vielen Betrieben die Lichter aus, oder vielmehr gar nicht wieder an, fürchten sie.

Ein Niedergang, der ungeahnte Folgen hätte. Immerhin ist die Gastronomie mit 2,4 Millionen der größte Arbeitgeber des Landes. Auch deshalb drängen Kerstin Kerssen und ihre Kollegen in der kommenden Woche auf ein Signal. „Wir benötigen eine Perspektive.“ Vor allem warten sie sehnlichst auf einen Termin zur Wiedereröffnung. Die dafür notwendigen Abstandsregelungen und hygienische Voraussetzungen seien machbar, betonen sie unisono. Nur eines sei nicht weiter verkraftbar: Ein längerer Stillstand ohne Aussicht auf ein Ende.

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