Do., 02.08.2018

Platzpflege im Wilmsberger Waldstadion: Sieben Rentner achten aufs Grün Die Meister der Harke

Die Meister der Harke oder die Mannschaft hinter der Mannschaft: Das Platzpflege-Team mit (v.l.) Heinz Siestrup, Alfons Brune, Josef Pliet, Heinrich Feldhaus, Hermann Laumann und Ulrich Iker (es fehlt Willi Sundermann) kümmert sich montags um den Rasen.

Die Meister der Harke oder die Mannschaft hinter der Mannschaft: Das Platzpflege-Team mit (v.l.) Heinz Siestrup, Alfons Brune, Josef Pliet, Heinrich Feldhaus, Hermann Laumann und Ulrich Iker (es fehlt Willi Sundermann) kümmert sich montags um den Rasen. Foto: Günter Saborowski

Borghorst - 

Beim Fußball auf Naturrasen kann einiges kaputt gehen: Bänder, Gelenke, Muskeln – oder der Rasen. Damit der am nächsten Spieltag wieder gut aussieht, kümmert sich beim SV Wilmsberg ein Team von Rentner um das Geläuf.

Von Günter Saborowski

Fußball ist ein Kontaktsport – in vielerlei Hinsicht. Wer schon mal gepöhlt hat – und das nicht nur so zum Vergnügen, sondern in einer Liga –, der weiß, wozu Schienbeinschoner erfunden worden sind. Doch nicht nur die Knochen der Protagonisten leiden beim Kicken, oft genug bekommt auch der Untergrund was ab: Löcher im Rasen, vorzugsweise in Strafraumnähe, ganze Grassoden, die meterweit von ihrem Ursprungsort entfernt landen oder festgetrampelte Stollenspuren über eine Länge von 15 bis 20 Metern – um nur ein paar Problemzonen zu nennen.

Im Waldstadion des SV Wilmsberg, dem Hauptspielort der ersten Mannschaft, hat man dafür eine Mannschaft gefunden, die nicht nur hinter der Mannschaft steht, sondern hinter ihr sogar aufräumt. Sie kümmert sich um die Platzpflege, womit nicht das Mähen oder Wässern des Rasens im Sommer gemeint ist.

Vereinsmeier sind die sechs Piggen allemal: Der 83-jährige Hermann Laumann ist seit 72 Jahren im Verein, Josef Pliet seit 64, 60 Jahre sind es bei Heinz Siestrup, 62 bei Willi Sundermann und 51 bei Heinrich Feldhaus. Alfons Brune, der ehemalige Vorsitzende des SVW, ist mit 30 Jahren Vereinsmitgliedschaft der „Benjamin“ der Truppe, denn sogar Ulli Iker gehört seit 35 Jahren dazu.

Ihre Aufgabe am Montag ist es, das Grün wieder auf Vordermann zu bringen, Greenkeeper sozusagen. „Wenn‘s geregnet hat und es wurde gespielt, ist es besonders schlimm. Dann ist schon eine große Anzahl an Löchern zu sehen“, beschreibt Alfons Brune den Platz, der montags manchmal aussieht wie ein Schlachtfeld. Auf dem 104 mal 70 Meter messenden Geläuf, wenn 22 Spieler plus ein Schiedsrichter mit 16 Millimeter langen Stollen 90 bis 100 Minuten rennen, grätschen – der Schiri natürlich nicht –, stoppen oder abrupt die Richtung wechseln, dann muss der Untergrund zwangsläufig in die Knie gehen.

Sonntags, bei den Heimspielen, sind die Sechs in der Regel immer am Platz. Da kann es schon mal vorkommen, dass einer eine Krise bekommt, „weil wieder jemand mit offener Sohle in die Grasnarbe grätscht.“ Vor allem im Strafraum, wo sich bei Ecken oder Freistößen das Gros der Akteure versammelt, um dem Ziel des Spiels ein Stück weit nahe zu kommen, muss montags viel getan werden. „Grassamen kommt bei uns auch zum Einsatz“, bestätigt Hermann Laumann, dass ständig nachgebessert werden muss, damit das Grün seinen Namen auch zurecht trägt.

„Ich rufe beim Spiel auch schon mal rein: Christof, mach das Loch wieder zu!“, erzählt Brune, dass ihm das Herz blutet, wenn ein Spieler den halben Rasen weggegrätscht hat. Unlängst passiert bei der Partie gegen den TuS Laer. „Unsere, die schonen den Platz, deshalb gewinnen die ja auch nicht immer“, grinst Brune und hat dabei vielleicht die ein oder andere Partie aus der Endphase der jüngsten Meisterschaft im Hinterkopf.

Eine richtige Qualifikation haben und brauchen die sechs Rentner nicht. „Wir haben alle zu Hause einen großen Garten“, sagt Josef Pliet mit einem Ausdruck des „Das-kann-doch-jeder“ im Gesicht. „Der Platz hatte in den letzten Jahren immer sehr viele Löcher nach den Sonntagsspielen“, kann sich Ulli Iker erinnern, dass dieses Problem bei der Generalversammlung 2017 angesprochen worden war. Es sollen auch Stimmen aus der Mannschaft gekommen sein, dass der Platz mehr gepflegt werden müsste. „Da haben wir uns der Sache dann eben angenommen“, sagt Ex-Präsi Alfons Brune. „Die Sechs sind ja schon seit Jahren für den Verein ehrenamtlich tätig“, ergänzt Klaus Brüning vom Vorstand der Piggen. Neben vereinzelten Reparaturen „hier und da“, dem Einzäunen des Geländes an der Mühle und vielen anderen Dingen hätten sich die Sechs, die es zusammen auf 374 Jahren Vereinsmitgliedschaft bringen, über die Jahre hinweg immer wieder als gute Helfer erwiesen. „Deswegen werden sie am Freitag beim Stadionfest auch gebührend geehrt“, sagt Brüning.

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Ich rufe beim Spiel auch schon mal rein: Christof, mach das Loch wieder zu!

Alfons Brune

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