Radsport: Paris-Brest-Paris
1234 Kilometer in 77 Stunden

Horstmar -

Von Paris nach Brest und wieder zurück: Mit dem Auto flößt einem diese Strecke von 1250 Kilometern keinen Respekt ein, mit dem Rad schon. Dirk Ernst hat die Herausforderung dieses Langstreckenrennens auf sich genommen.

Dienstag, 27.08.2019, 15:31 Uhr aktualisiert: 29.08.2019, 12:22 Uhr
Dirk Ernst war stets motiviert, das Rennen innerhalb der vorgegebenen Zeit zu meistern.
Dirk Ernst war stets motiviert, das Rennen innerhalb der vorgegebenen Zeit zu meistern. Foto: privat

Beruflich hat er viel mit Steinen zu tun, in seiner Freizeit fährt er mit dem Fahrrad quer durch alle möglichen Länder: Dirk Ernst war einer von 6300 Teilnehmern beim diesjährigen Paris-Brest-Paris. Der 52-jährige Maurer aus Horstmar stellte sich der Herausforderung des weltweit größten und traditionsreichsten Langstreckenrennens, welches 1891 erstmals ausgetragen wurde. Die Strecke verläuft vom Startpunkt in Rambouillet (Paris), wo er am Sonntagabend um 19:15 losfuhr, bis nach Brest in Nordwestfrankreich und wieder zurück in die Hauptstadt. Die circa 1234 Kilometer mit ganz normalem Straßenverkehr radelte Ernst in 76 Stunden und 42 Minuten. Pflicht ist es hierbei, die insgesamt zehn Kontrollstellen abzufahren, bei denen man auch Verpflegung erhält und sich ausruhen kann.

Paris-Brest-Paris, dessen 19. Auflage vom 18. bis 22. August stattfand, wird von vielen der Teilnehmer nicht als reiner Wettkampf angesehen. „Hauptsächlich geht es ums Ankommen“, bestätigt auch der Horstmarer. Das müssen die Teilnehmer nämlich in weniger als 90 Stunden schaffen. Genug geübt sollten die Radsportler sein, denn alleine für die Qualifikation müssen sie im selben Jahr Langstreckenrennen über 200, 300, 400 und 600 Kilometer fahren.

Unterstützt wurde Ernst von seinem Bruder, der die Strecke parallel mit dem Auto zurücklegte. „Eigentlich wollte ich mir gar nicht helfen lassen“, gibt der Pedaleur zu, „auch mein Gepäck habe ich selber getragen“, doch aufgrund von Achillessehnenproblemen ließ er sich beispielsweise Schmerztabletten von seinem Bruder geben.

Von den fast 77 Stunden schlief der Radsportler nicht mehr als zweieinhalb. „Schlafen geht von der Fahrtzeit ab“, betont der 52-jährige. Natürlich setzte früher oder später die Erschöpfung ein. „Jedoch ist es auch schwer, seinen Adrenalinspiegel innerhalb kürzester Zeit herunterzufahren“. Somit hatte er immer noch kein Auge zugedrückt, als er nach knapp 32 Stunden am Dienstagmorgen um kurz vor drei den Wendepunkt, die Stadt Brest, erreicht hatte. Auf dem Rückweg nach Paris schlief der Horstmarer neben kurzen „Powernaps“ in Gräben oder Maisfeldern lediglich zwei Stunden auf einer Liege im Schlafsaal.

Mit Essens- und Trinkpausen saß er nur knapp fünf Stunden nicht auf seinem Fahrradsattel. Das wirkt sich selbstverständlich auch auf den körperlichen Zustand aus: „Neben den Achillessehnenproblemen hatte ich später vor allem Schmerzen am Hintern, meinem Nacken und meinen Fußsohlen“, so Ernst. „Es war echt anstrengend, aber als ich das Schild sah, dass ich 1000 Kilometer hinter mir hatte, war die Müdigkeit auf einmal weg und ich dachte mir, die 200 Kilometer kriege ich jetzt auch noch hin.“

Nach über drei Tagen überquerte Dirk Ernst Donnerstagnacht um kurz nach 24 Uhr die Ziellinie: „Ich war froh, es hinter mir zu haben und wollte einfach nur noch ins Bett“.

Auf die Frage nach dem Ausmaß des Muskelkaters reagierte der Horstmarer unbeeindruckt: „Abgesehen von kleinen Schmerzen, die man immer nach Langstreckenrennen hat, ging es mir körperlich ganz gut. Nur meine Achillessehne tut bis heute noch ein bisschen weh.“

Beim nächsten Paris-Brest-Paris in vier Jahren wird Ernst wahrscheinlich nicht antreten. Stattdessen will er vergleichbare Herausforderungen meistern, beispielsweise das „Trans Germany“, ein Selbstversorgerrennen quer durch Deutschland. Gestartet wird in Basel, das Ziel wird nach knapp 1652 Kilometern auf dem Kap Arkona auf Rügen erreicht.

Ich war froh, es hinter mir zu haben und wollte einfach nur noch ins Bett.

Dirk Ernst
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