Wasserball: EM in Budapest
Borghorsterin Fabienne Heerdt: Schwimmbecken statt Uni-Bibliothek

Borghorst -

20 Fernsehkameras pro Partie, Akkreditierungskarten für die Teilnehmer und Sicherheitspersonal an allen Ecken: Der Unterschied zwischen einer Fußball-WM und den am Sonntag in Budapest beginnenden Wasserball-Europameisterschaften ist gar nicht einmal so groß. Mittendrin wird auch die Borghorsterin Fabienne Heerdt sein, die nach ihren acht bisherigen Länderspieleinsätzen nun auch den Sprung in das 13-köpfige EM-Aufgebot des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV) geschafft hat.

Freitag, 10.01.2020, 10:30 Uhr aktualisiert: 10.01.2020, 13:16 Uhr
Die Borghorsterin Fabienne Heerdt steht im Aufgebot der Nationalmannschaft, die am Sonntag im Rahmen der Europameisterschaft im ersten Gruppenspiel auf Italien trifft.
Die Borghorsterin Fabienne Heerdt steht im Aufgebot der Nationalmannschaft, die am Sonntag im Rahmen der Europameisterschaft im ersten Gruppenspiel auf Italien trifft. Foto: Matthias Beckonert

„Das ist eine Erfahrung fürs Leben“, scheint sich Vater Wolfgang, früherer Trainer der Wasserballer des heimischen SV Olympia Borghorst (SVO), der anstehenden Erlebnisse mehr bewusst zu sein als die 22-Jährige selbst. Noch im Frühjahr hatte allerdings auch so gut nichts darauf hingedeutet, dass „Fabi“ den Sprung in die DSV-Auswahl oder gar zu den Europameisterschaften schaffen würde.

Erst zu Jahresbeginn hatte sich die Studentin der Ruhr-Universität Bochum nach einer Spielpause dem Bundesliga-Dritten SV Nikar Heidelberg angeschlossen. Pendeln ist daher regelmäßig angesagt, und bei Besuchen in der Heimat muss SVO-Schwimmtrainerin Nicole Saerbeck für die nötige Form sorgen.

Doch im Zuge der Neuausrichtung des deutschen Frauenwasserballs für die Olympischen Spiele 2024 und 2028 gerieten auch bisher nicht beachtete Gesichter in den Blickwinkel der DSV-Verantwortlichen: Heerdt erhielt nicht nur eine Einladung und überstand alle bisherigen Maßnahmen. Am vergangenen Wochenende gab es für die in den SVO-Teams groß gewordene Angreiferin in der finalen Vorbereitung vier Länderspieleinsätze und drei Tore bei einem Vier-Nationen-Turnier im serbischen Zrenjanin, die den Weg nach Budapest ebneten. „Nächste Woche war eigentlich Examen angesagt“, darf die Lehramtsstudentin nun massiv umplanen.

Losglück hatten Deutschlands Frauen für das Zwölf-Nationen-Turnier an der Donau allerdings nicht: Dass die DSV-Auswahl in der Vorrundengruppe B mit Titelverteidiger Niederlande, Vizeweltmeister Spanien und dem Olympiazweiten Italien auf drei der sechs Topnationen treffen würde, war bereits im Vorfeld klar gewesen. Allerdings geht es beim Kampf um Platz vier und den Viertelfinaleinzug mit der 2018 siebtplatzierten Vertretung Frankreichs und Israel auch gegen jene beiden Teams, denen im Vorfeld direkt dahinter die größten Chancen auf Platz sieben eingeräumt werden.

Immerhin: Die ersten beiden Partien gegen Italien (Sonntag, 16 Uhr) und Niederlande (Montag, 11.30 Uhr) bieten die Chance, das Lampenfieber abzulegen und sich an das Ambiente zu gewöhnen.

Im Land des Rekordolympiasiegers Ungarn gilt Wasserball als Nationalsport. Die beiden EM-Turniere der Männer und Frauen kommen im täglichen Wechsel in der 5300 Zuschauer fassenden Duna Aréna zur Austragung, die bei der Schwimmsport-Weltmeisterschaften 2017 die Beckenwettbewerbe der Schwimmer beherbergt hat. Für Deutschland sind Fernsehbilder dagegen nicht vorgesehen, allerdings bietet der Europäische Schwimmverband LEN unter www.len.eu einen Live­stream aller Begegnungen an.

Nächste Woche war eigentlich Examen angesagt.

Fabienne Heerdt
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