Fotoserie: „Die gute, alte Zeit“
Käthe macht das entscheidende Tor

borghorst -

Es gibt Spiele, die vergisst man einfach nicht. Der letzte Aufstieg in die Regionalliga ist den Fußballerinnen von Preußen Borghorst (heute Borghorster FC) noch gut in Erinnerung – vor allem wegen seiner Dramatik.

Freitag, 18.12.2020, 15:47 Uhr aktualisiert: 20.12.2020, 15:40 Uhr
Mit Gesang und Jubel wurde der Aufstieg 1999 gefeiert. Marianne Finke-Holtz (r.), damals nicht mehr als Spielerin im Kader, hielt offenbar die Laudatio.
Mit Gesang und Jubel wurde der Aufstieg 1999 gefeiert. Marianne Finke-Holtz (r.), damals nicht mehr als Spielerin im Kader, hielt offenbar die Laudatio. Foto: SCP

Es begab sich zu einer Zeit, da Rudi Völler, in Spielerkreisen Käthe genannt, den bundesdeutschen Elitekickern als Trainer Beine machte und nach einem 0:0 gegen die „Brasilianer des Nordatlantik“ (Island, Zitat Gerd Delling im ZDF) sich im Fernsehen ungezügelt echauffierte und mit Wut und Weizengerüchten gegen Waldi Hartmann zeterte.

Zur selben Zeit, im September 2003, spielte eine andere Käthe bei den Frauen von Preußen Borghorst und hatte trotz zahlreicher Treffer, die sie im Verbund mit einer Ramona erzielte, nicht dafür Sorge tragen können, dass ihre Mannschaft in der Regionalliga verweilen durfte. Karin „Käthe“ Bültbrune und Ramona Große-Festert waren im Angriff über Jahre die Garanten für Torgefahr und Treffer bei den Preußenfrauen und hatten mit ihrem Näschen in der Spielzeit 98/99 für den dritten Aufstieg (nach 1995 und 97) in die Regionalliga gesorgt – damals, noch vor den unzähligen Ligenreformen, die zweithöchste Liga im Frauenfußball. Bis 2003 blieben die Borghorsterinnen auch „drin“, ausgerechnet im 25. Jubiläumsjahr folgte der Abstieg in die Westfalenliga.

Das Ligafinale zum dritten Aufstieg allerdings hatte es in sich – und Käthe spielte eine Hauptrolle. Borghorst hatte vor dem letzten Spieltag in der Tabelle einen Punkt Vorsprung vor Verfolger BSV Roxel. Der Spielplan wollte es, dass die Preußen am letzten in Roxel antreten mussten. Bis zur 90. führte Roxel mit 1:0 – dann schlug Käthe zu und machte in der Nachspielzeit das 1:1.

BFC-Obfrau Marianne Finke-Holtz erinnert sich: „Der Gegner hatte schon die Sektflaschen geöffnet, Siegerlieder angestimmt und auf der Bank die Meister-T-Shirts übergestreift.“ Einige Jahre später wurde der damalige Roxel-Coach Jürgen Röös Trainer der Regionalliga-Mannschaft der Preußen, aber die Ehre des Wiederaufstiegs als Coach gebührte Thomas Wiesner.

Anekdote am Rande: „In der Hektik der Vorbereitung hatten wir die Trikots in Borghorst vergessen. Die gute Seele der Mannschaft, Thorsten Koziolek, hat sich ins Auto gesetzt und die fehlende Tasche noch geholt. Zwischenzeitlich haben sich die Borghorsterinnen in der Ersatzgarnitur des Gegners warm gemacht. Zum Anpfiff lief man dann im traditionellen Schwarz-Weiß auf“, erzählt Finke-Holtz.

Wer nun glaubt, dass die Spielerinnen aufgrund des Aufstiegs finanziell ausgesorgt hätten oder wenigstens besser gestellt waren, der irrt gewaltig. Weder Kaffeeservice noch Aufstiegsprämie gehörten damals zu den Gaben, die es für eine Meisterschaft im Frauenbereich gab. „Vielleicht mal ein Tankgutschein, weil einige unserer Spielerinnen ja von außerhalb kamen. Das war aber auch das Höchste der Gefühle“, sagt Finke-Holtz.

Zum Kader gehörten damals: (in Klammern die heutigen Namen) Betreuer Thorsten Koziolek, Mareike Lackhütter (Ahlers), Janine Große-Festert (Beckschulte), Rabea de Boer, Antje Woggon (Schnabel), Ramona Große-Festert (Kempe), Judith Pohl (Finke), Karin Bültbrune, Barbara Kuhn, Silke Ballering (Bühn), Thomas Wiesner, Susanne Doliner, Sandra Berg-Pauls, Anna Janssen (Siecaup), Jutta Laukötter (Lehmkuhl), Anke Mikolajetz, Andrea Nitsche, Marianne Finke (Finke-Holtz), Ulla Schippmann, Esra Gökyildiz (Yüksekdag), Tanja Wulle, Steffi Weiser und TW-Trainer Dietmar Kaiser. Ebenfalls mitverantwortlich für den Höhenflug der SCP-Frauen waren Rainer Hollenbrock und Thomas Wiesner.

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