Handball: Borghorsts Rückraumspieler Jürgen Finke
Als die Halle noch rappelvoll war

borghorst -

Als die Sporthalle in Borghorst vor Zuschauern noch aus den Nähten platzte, da stand auch Jürgen Finke auf dem Parkett – sowohl in Borghorst als auch für zwei Jahre in Ochtrup. Alters- und berufsbedingt, aktuell dazu noch wegen Corona, ist seine Hallenzeit knapper geworden.

Donnerstag, 21.01.2021, 16:05 Uhr
Jürgen Finke (mit Ball), hier in einem Spiel aus dem Jahr 2015 gegen Arminia Ochtrup, wo der bald 50-Jährige zwei Jahre lang unter Trainer Hans Bühring spielte. Ansonsten gehörte er immer zum TV Borghorst.
Jürgen Finke (mit Ball), hier in einem Spiel aus dem Jahr 2015 gegen Arminia Ochtrup, wo der bald 50-Jährige zwei Jahre lang unter Trainer Hans Bühring spielte. Ansonsten gehörte er immer zum TV Borghorst. Foto: Thomas Strack

Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommst Du ohne ihr. Hat der Opa immer gesagt. Jürgen Finke hat den Spruch von seinen Großeltern vielleicht auch schon gehört, denn sein erstes Ansinnen auf die Anfrage, ob er Interesse habe, an der WN-Serie „Was macht eigentlich . . .? mitzuwirken, war Zurückhaltung. „Da gibt es nicht viel zu berichten“, stellte der ehemalige „Handballgott“ des TV Borghorst bescheiden fest – und ließ sich dann doch breitschlagen, Rede und Antwort zu stehen.

Berufsbedingt ging es nur an einem Samstag, denn als Ingenieur im Fassadenbau bei Feldhaus in Emsdetten ist der (noch) 49-Jährige arg eingespannt. Aber auch an einem Samstag war das Gespräch nicht völlig störungsfrei, denn: „Samstag morgens habe ich Betreuungszeit für meine Kinder“, unterbricht Finke und muss sich kurz um seine zwei und fünf Jahre alten Kleinen kümmern.

Für den Handball beim TV Borghorst reicht seine knappe Zeit aber immer noch. „Solange ich noch darf, spiele ich in der zweiten Mannschaft in der 1. Kreisklasse“, erklärt er, dass seine Karriere beim TVB noch nicht vorbei ist. 1977 fing es mit dem Kinderturnen bei Ilse Runge an, 1980 war schließlich Handball für den 1,96 Meter großen Spieler interessanter. „In der A-Jugend hat uns damals Oswald Matthes trainiert. Im Anzug, die Lackschuhe hat er extra dafür ausgezogen“, grinst Finke, dessen Weg bei den Senioren bei Holger Wilke als Trainer in der Zweiten in der Kreisliga begann. Allerdings nicht lange, dann stieg TVB II auf und gehörte zur Bezirksliga.

Sein Mitspieler im Rückraum seinerzeit war der im vorigen Jahr verstorbene Michael Mierzowski. „Der wollte mir bei einem Spiel in Ahlen mal die Nase richten, als mir der gegnerische Kreisläufer seinen Ellbogen dagegen gerammt hatte. Ich lag am Boden, und Mieze sagte zu einem anderen Spieler: Hol mal zwei Kulis. Ich richte ihm die Nase eben“, denkt Jürgen Finke noch mit Grausen an diese Notbehandlung zurück, die sein Mitspieler allerdings nur im Scherz angedacht hatte. Im Krankenhaus wurde er dann richtig „behandelt“.

Verbandsligaluft unter Trainer Alpár Jegenyés konnte Finke nur aushilfsweise schnuppern. Als der TV Borghorst schließlich in die Landesliga abgestiegen war, gehörte er jedoch fest zum Kader. Thomas Gödel und Faxe Ludwigs hießen seine Trainer in dieser Zeit, die noch geprägt war von einer gut gefüllten Buchenberghalle. „Das war gigantisch mit den vielen Zuschauern auf den Rängen, meine schönste Zeit“, erinnert sich der Borghorster.

Den Spruch „Jürgen Finke, Handballgott“, der damals ab und zu von der Tribüne kam, fand er nicht so toll, viel gelernt hingegen hat er von Michael Mierzowski: „Ich habe im Rückraum direkt neben ihm gespielt. Das war eine gute Lehrzeit. Aber auch Wilke, Ludwigs und Jegenyés waren gute Trainer, bei denen man einen Menge lernen konnte.“

Anschließend, 2002 bis 2004, ging es für Finke nach Ochtrup zur Arminia, wo er noch zwei Jahre unter Trainer Hans Bühring spielte. „Die hatten angefragt, ob ich nicht bei ihnen spielen wollte. Das war eine echte Bereicherung für mich. Da wurde nach einem Spiel auch mal der Grill rausgeholt“, muss die Kameradschaft wohl gut gewesen sein. Von Verletzungen, dem ständigen Begleiter eines Sportlers, blieb er – relativ – verschont: „Nix Wildes, kein Kreuzband- oder Achillessehnenriss oder ähnliches. Zerrungen, klar, Platzwunden auch, einmal hatte ich sogar die Mittelhand gebrochen“, hielt sich das Verletzungspech für den zweifachen Familienvater im Rahmen, dessen Kinder sich später mal selbst aussuchen sollen, ob Fußball oder Handball „ihr‘s“ ist.

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