Sport im Alter: Kontaktsport Fußball
Es geht noch alles, nur langsamer

Burgsteinfurt -

Es gibt Sportarten, die kann jeder bis ins höhere Alter betreiben. Über Tischtennis wurde in der vorigen Woche geredet, heute ist der Fußball an der Reihe. Zwei Vertreter des SV Burgsteinfurt, beide über 50, kicken immer noch.

Montag, 01.02.2021, 16:01 Uhr aktualisiert: 02.02.2021, 14:50 Uhr
Bei einem Benefizspiel im Burgsteinfurter Stadion war Jerry Omerovic noch am Ball, während der Schalker Klaus Fischer (l.) nur in Zivil dabei war.
Bei einem Benefizspiel im Burgsteinfurter Stadion war Jerry Omerovic noch am Ball, während der Schalker Klaus Fischer (l.) nur in Zivil dabei war.

Spätestens ab 30 beginnt der körperliche Verfall – heißt es in Kreisen der Medizin. Dass sportliche Leistungen – in einem gewissen Rahmen – dennoch möglich sind, beweisen Jahr für Jahr zahlreiche Athleten in verschiedenen Sportarten mit guten Ergebnissen bei Laufveranstaltungen, Triathlons oder im Radsport. Natürlich, zyklische Sportarten, also solche, bei denen sich der Bewegungsablauf ständig wiederholt, sind weniger verletzungsanfällig als azyklische mit ungleichmäßigem Bewegungsablauf. Beim Fußball, Handball oder Basketball muss der Körper permanent neue Bewegungen ausführen. Das belastet Muskeln, Sehnen und Bänder, die ab einem gewissen Alter nicht mehr ihre volle Leistungsfähigkeit und Elastizität besitzen. Zudem bergen Kontaktsportarten eine größere Verletzungsgefahr.

Jerry Omerovic und Christian von der Lippe haben jahrelang in Burgsteinfurt Fußball gespielt, sind mittlerweile 56 (Omerovic) und 51 (von der Lippe) Jahre alt und treten nur noch bei den Alten Herren gegen den Ball. Im Fußball kann man sich mit 32 aufs Altenteil zurückziehen, in Zehnerschritten geht es danach in die Altliga (Ü 40, Ü 50). Allerdings nicht zwangsläufig.

Omerovic, gebürtiger Bosnier, kam 1988 nach Deutschland. „In meinen ersten Visum stand Fußballprofi“, erzählt der Gastronom augenzwinkernd. Seine ersten Meisterschaftsspiele absolvierte Omerovic beim Lüner SV in der Ober- und Verbandsliga. Später spielte er beim ESV Coesfeld (Bezirksliga), bis es ihn nach Stemmert verschlug, wo er zunächst für Schwarz-Gelb und später den SVB in der Kreisliga A und B kickte. In der Saison 2006/07 sicherte sich der Bosnier mit 28 Treffern die Torjägerkrone. „In der Kreisliga B bin ich sogar mal in einer Saison auf 50 Treffer gekommen“, war Omerovic immer für Tore gut.

Christian von der Lippe war ebenfalls Stürmer, glänzte aber vor allem durch seine weiten Einwürfe, die wie Flanken vor des Gegners Tor kamen. Angefangen bei DJK Rasensport kickte er nach der Fusion auch für den SVB in der Kreisliga. „Wir spielen mit der alten Truppe immer noch, aber einige von denen sind zwölf Jahre jünger als ich“, sind die Altersunterschiede recht groß. Generell hat von der Lippe in den Spielen der älteren Herren für sich festgestellt: „Man weiß, was der Gegner vorhat, aber man kommt nicht mehr hin.“ Soll heißen: Antizipation und taktisches Verständnis funktionieren noch, aber die Beine sind nicht mehr so flott. „Man rennt nicht mehr wie eine Elfe aus der Kabine auf den Platz – aber das war bei mir ja früher auch nicht so“, grinst der 51-Jährige.

Von schlimmeren Verletzungen blieben Omerovic und von der Lippe im Verlaufe ihre Karriere verschont. Weder Achillessehne noch Kreuzband oder Meniskus haben bei ihnen Schaden genommen. „Das Übliche halt“, sagt Omerovic, der damit Dehnungen, Zerrungen oder mal einen Bänderriss im Sprunggelenk meint.

Wenn jetzt am Samstag ein Spiel mit den Alten Herren ansteht, dann sind sie meist dabei – und am nächsten Tag sind die Knochen ein wenig schwerer als sonst. Doch das nehmen beide für ein Spiel und den Spaß der dritten Halbzeit in Kauf. Bei den Spielen der ersten Mannschaft sind sie auch immer dabei – als Zuschauer und Schiedsrichterkritisierer.

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