Jugendfußball: Stützpunkttraining wird mit kreativen Ideen fortgesetzt
Talentförderung im Homeoffice

Coesfeld/Laer/Horstmar/Altenberge -

Was tun, wenn kein Training, kein Spiel und kein Turnier stattfinden kann? Die Trainer des Fußballstützpunktes Coesfeld haben sich was einfallen lassen und lassen ihre Jungs mit Stühlen trainieren.

Donnerstag, 04.02.2021, 15:22 Uhr aktualisiert: 04.02.2021, 15:25 Uhr
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Als Gegenspieler muss ein Stuhl dienen. Der bekommt eine Trainingsjacke über die Lehne gezogen und sieht prompt ein bisschen mehr nach Spielpartner aus – im sportlichen Lockdown ist Kreativität gefragt. Eine schnelle Körpertäuschung, Richtungswechsel, und schon ist der „Konkurrent“ ausgetanzt: So geht Talentförderung 2021. „Das Stützpunkttraining darf seit Ende Oktober nicht mehr stattfinden“, bedauert Patrick Steinberg. Seitdem bilden sich die Nachwuchsfußballer dank Online-Unterstützung im Homeoffice weiter.

Immer montags versammeln sich normalerweise die besten Nachwuchstalente aus der Region zum Stützpunkttraining in Hochmoor und Osterwick. Guido Wähning ist in Osterwick für die U 13 (Jahrgang 2008) zuständig, Patrick Steinberg für die U 12 (Jahrgang 2009). aber auch sie hängen aktuell in der Warteschleife. „Nach dem ersten Lockdown durften wir in Kleingruppen wieder loslegen“, erklärt Steinberg. Das sei problemlos möglich gewesen, indem die Jahrgänge in zwei Gruppenaufgeteilt wurden, die nacheinander trainierten – etwas kürzer, dafür intensiver.

Seit drei Monaten und dem zweiten Lockdown läuft wieder nichts. Zumindest nicht auf dem Platz. Tatsächlich aber bleiben die Nachwuchskicker dank der Unterstützung des DFB nicht untätig: „MOVEmber“ hieß das Programm, das die Nachwuchsfußballer in Bewegung brachte und nach wie vor bringt. „Immer montags, wenn ohnehin das Stützpunkttraining stattfinden würde, gibt es ein neues Video“, sagt Steinberg. Mit einer kurzen Erklärung zum Thema der Woche, mit Hinweisen zu den benötigten Materialien. In der vergangenen Woche reichten ein Ball, vier Markierungen wie Klebestreifen und ein Stuhl, alles auf einer Fläche von 2,5 mal 2 Metern – und schon startet die Talentförderung im Homeoffice unter dem Motto „eins gegen eins“. Eine gute Stunde lang gibt es Übungen und Erklärungen. Das Video steht ebenso wie die aus den Vorwochen anschließend auf tv.dfb.de zur Verfügung.

Eine sehr gute Sache, auch wenn es das Gemeinschaftsgefühl auf dem Sportplatz nicht ersetzen kann. „Fußball ist eben ein Mannschaftssport“, sagt der Stützpunkttrainer. „Natürlich wären wir alle froh, wenn wir wieder loslegen könnten.“ Aber angesichts von Corona sei das Verständnis groß und das Online-Training oft eine willkommene Abwechslung. „Es ist ein freiwilliges Angebot, zumal viele Spieler ja auch noch Trainingspläne aus ihren eigenen Vereinen haben“, erklärt Steinberg. „Aber wir bekommen sehr häufig positive Rückmeldungen.“

Welche Auswirkungen das nahezu verlorene Jahr 2020/21 auf die Talentförderung haben wird? Abwarten. Fakt ist: Die Großveranstaltungen, bei denen sich die besten Nachwuchskicker aus den einzelnen Stützpunkten auf dem Feld messen, sind bereits ausgefallen. Wähnings U 13 hätte an der Westfalenmeisterschaft teilgenommen – abgesagt. Und Steinbergs U 12 wollte Anfang Januar beim traditionellen ARAG-Cup in der Halle die Konkurrenz aufmischen. „Das ist für die Kinder immer ein absoluter Höhepunkt“, weiß der 34-Jährige aus Erfahrung.

Zum ersten Mal im SportCentrum Kaiserau, drei Tage lang dreht sich alles nur um den Fußball – „da siehst du nur leuchtende Augen.“ Diesmal nicht. Auch für den April und Mai hat der FLV Westfalen schon alle Veranstaltungen der Stützpunkt-Teams abgesagt, erklärt Steinberg: „Wenn es wieder losgeht, sollen zunächst die Vereine an der Basis Vorrang haben.“

Denn die treibt die Sorge um, ob die Kicker nach der langen Zwangspause tatsächlich komplett zurückkehren. „Bei den Kleinen mache ich mir da keine Sorgen, denn die wollen sich unbedingt bewegen“, schätzt Steinberg die Lage ein. „In den höheren Altersklassen könnte das schon schwieriger werden.“ Umso wichtiger, dass der DFB den Nachwuchs mit seinem Online-Angebot auf Trab hält.

Die Videos sind auf https://tv.dfb.de zu finden und ausdrücklich auch für alle interessierten Kinder und Jugendlichen abzurufen, die nicht den DFB-Stützpunkten angehören.

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