Fußball: Art- und Hollermann trotzen der Verjüngungskur des SV Burgsteinfurt
Beide haben noch Bock auf Fußball

Burgsteinfurt -

Die erste Mannschaft des SV Burgsteinfurt ist überaltert und will sich verjüngen. Nico Schmerling, einer der älteren Spieler, geht zurück in seine alte Heimat. Thomas Artmann will noch bleiben, Alex Hollermann befindet sich noch im Prozess des Überlegens.

Donnerstag, 25.02.2021, 16:54 Uhr aktualisiert: 01.03.2021, 15:34 Uhr
Ganz vorne im Angriff, da fühlt sich Alex Hollermann wohl, dort ist er zu Hause.
Ganz vorne im Angriff, da fühlt sich Alex Hollermann wohl, dort ist er zu Hause. Foto: Alex Piccin

Thomas Artmann und Alexander Hollermann sind zwei Kandidaten im Team des SV Burgsteinfurt, die beim Projekt „Verjüngung des Kaders“ in der ersten Reihe stehen müssten – um abzutreten. Artmann, 31 Jahre alt, ehemals Kapitän und mit Pro­blemen an der Achillessehne, Hollermann, 33 Jahre bereits und zuletzt mit einem Meniskus- und Knorpelschaden geschlagen, reißen den Altersschnitt der Mannschaft von Trainer Christoph Klein-Reesink deutlich herunter. Verzichten möchte der Stemmerter Übungsleiter auf beide jedoch nicht. Kein Wunder, der eine, Hollermann, ist für die Dinge zuständig, die im Meisterschaftsbetrieb die Punkte bringen, der andere, Artmann, ist ein Führungsspieler und kann die jungen anleiten.

Bei Hollermann steht noch nicht fest, ob er weiter Fußball spielen wird: „Wir haben von neun Monaten Nachwuchs bekommen, eine Tochter. Ich habe zwar noch Bock auf Fußball, aber Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen, ist nicht immer leicht.“ Hinzu kommen die Probleme in den Knien, die beidseitig vorhanden sind. Dabei hat der 33-Jährige seit November keinen Ball mehr am Fuß gehabt und vermisst die Kickerei sehr. „Die kurzen schnellen Bewegungen und Sprints bereiten mir Schmerzen“, sagt er. Zudem fehlen dem Physiotherapeuten auch die sozialen Kontakte dem Mannschaftskameraden. „Nur durch den Wald joggen ist es einfach nicht. Das Zusammensein mit den anderen nach dem Training oder den Spielen, auf der Bank sitzen und dummes Zeug reden, das fehlt einem auch.“

Wobei Hollermann in der Lage sein dürfte, hierzu eine Menge an interessantem (oder nutzlosem) Wissen beizutragen. Laut SVB-Trainer Christoph Klein-Reesink soll der Torjäger ein wandelndes Lexikon in Sachen Fußball sein. „So extrem ist es nicht. Aber stimmt schon, ich interessiere mich für Fußball und bereite mich intensiv auf die Spiele vor. Da weiß ich auch, wer der Linienrichter ist und wo der vorige Woche an der Linie war“, widerspricht Hollermann seinem Trainer ein wenig ein. Mittlerweile verfeinert der SVB-Stürmer sein Fußballwissen auch am Fernseher: „Ich habe mich jahrelang gegen Sky gewehrt. Aber durch die Pandemie habe ich mir ein Abo angeschafft. Das andere Programm im Fernsehen ist ja nicht so dolle.“

Die genaue Anzahl seiner Treffer in 13 Jahren Fußball in Mesum, Hauenhorst, FCE II, Altenrheine und Burgsteinfurt weiß er allerdings nicht mehr. Geschätzt bei 15 Toren im Schnitt müssten es über 200 gewesen sein, „wahrscheinlich sogar ein paar mehr“, sagt er, der unter Norbert Tillar und Maik ter Beeck in Mesum kurzzeitig sogar auf die Außenbahn versetzt worden war: „Mesum hatte ein Überangebot für vorne, hat aber schnell gemerkt, dass es das für mich nicht war.“

Thomas Artmann hingegen will weiter beim SVB spielen, mindestens für ein Jahr und würde mit dieser Anzahl in seine zehnte SVB-Saison gehen. „Nein“, sagt er „bequatschen musste uns Reese diesmal nicht. Er hat uns auch nicht irgendwie unter Druck setzen müssen. Er hat sein Konzept mit der Verjüngung vorgelegt“, erklärt Thomas Artmann – und hat zugesagt, weil er gerne Fußball spielt.

Die coronabedingte Pause hat den Knochen der „älteren Herren“ gut getan, denn zwei Jahre lang hatte Artmann „immer mal wieder“ mit seinen Achillessehnen Probleme. „Es fing erst links an, und ich habe mit falschen Ehrgeiz weitergespielt. Dann hatte ich die Schmerzen rechts“, beschreibt der 31-Jährige sein Leiden. Auf der Bank sitzen und zuschauen, wie die anderen spielen, das tue schon weh. Da ist es besser, so wie jetzt, wenn gar nicht gepsielt wird.

Sein Zwillingsbruder Hendrik, der in Wettringen als spielender Co-Trainer aktiv ist, hatte einen Kreuzbandriss und steuert so langsam auf eine Trainerkarriere zu. Thomas, der in Münster bei den Hengst Filterwerken als Qualitätsingenieur arbeitet, hat zusammen mit seiner Freundin in Borghorst ein Haus gekauft und wird wohl noch ein wenig länger kicken – wenn es die Sehne zulässt.

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