Fußball: Weltmeister von 1966 war 1967 zu Gast in Rheine
Drei Mal Adick in einem Team

Rheine/Borghorst -

Es ist schon einige Jahre her, dass Schallo Adick Trainer in Borghorst war. Noch länger ist es her, dass der zweitjüngste der vier Adick-Brüder mit zwei weiteren in einer Mannschaft gegen einige Weltmeister aus England spielte.

Montag, 01.03.2021, 15:33 Uhr aktualisiert: 02.03.2021, 14:40 Uhr
In den hellen Trikots die Spieler der Rheiner Mannschaft, dunkel gekleidet West Ham. Bobby Moore und Ludger Adick in der Mitte oben.
In den hellen Trikots die Spieler der Rheiner Mannschaft, dunkel gekleidet West Ham. Bobby Moore und Ludger Adick in der Mitte oben. Foto: dd

Gegen 17.25 Uhr gaben sich die beiden Kapitäne Bobby Moore und Ludger Adick am 5. August 1967 die Hände zum Wimpeltausch. Der englische WM-Kapitän von 1966 gastierte mit West Ham United in Rheine, wo sich dem englischen Erstligisten eine Auswahl aus Borussia und Raspo Rheine entgegenstellte, unter anderem mit Schallo Adick, der zweimal bei Preußen Borghorst das Traineramt bekleidete. Moore war der berühmteste Spieler von West Ham und genoss damals wie heute auf der Insel höchstes Ansehen

Geradezu abenteuerlich ist die Geschichte, wie der Europacupsieger von 1965 überhaupt nach Rheine kam: Eine Woche zuvor weilte Bobby Moore als Gast im Aktuellen Sportstudio und ließ verlauten, dass sein Team im Zuge der Saisonvorbereitung neben Borussia Dortmund und Alemannia Aachen einen dritten Gegner suchen würde. Halb im Spaß forderte Moderator Rainer Günzler die Vereine der Republik auf, sich zur bei entsprechender Eignung zur Verfügung zustellen. In der Sportschule Hennef, wo die Engländer für ihr Trainingslager Quartier bezogen hatten, liefen die Telefone heiß. Unter den Anrufern war auch Josef Heßling, damals der Vorsitzende von Borussia Rheine, der für seinen Verein die Werbetrommel rührte.

Und in Bürgermeister Albert Biermann offensichtlich einen fußballbegeisterten Unterstützer hatte, der mit seinem Stellvertreter Willi Schötteldreier die geforderte Bürgschaft von 10 000 D-Mark unterschrieb. Für die schnelle Zusicherung erhielt Rheine den Zuschlag.

Eine Woche später traf der Bus mit den englischen Profis ein.

Im Jahnstadion drängten sich auf den Rängen der alten Holztribüne mehr als 6000 Zuschauer. Als Sparringspartner hatte sich eine Kombinations-Elf aus Borussia und Rasensport Rheine zusammengetan, zu der neben Ludger Adick auch dessen Brüder Karl („Schallo“), Norbert („Noppi“) sowie der junge Erich Rutemöller (Borussia), Helmut Salzig (Borussia) Rolf Ortwein (Raspo), Peter Butz (Borussia), „Pinno“ Malon (Borussia), „Sense“ Mersch (Raspo), Werner Westhoff (Borussia), Gerd Heidschuster (Borussia), Erwin Strukamp (Raspo), Lothar Göbel (Borussia), Werner Kieselbach (Borussia) und Helmut Heimann (Raspo) gehörten.

Der 8:2-Sieg für West Ham war nur eine Randnotiz. In Erinnerung blieb allen das gelebte englische Fairplay von West Ham, das dem Außenseiter mit großer Einsatzfreude und Ernsthaftigkeit begegnete. Neben Moore spielten mit Geoffrey Hurst und Martin Peters zwei weitere Weltmeister von 1966 auf, die zudem für alle vier Tore des WM-Endspiels gegen Deutschland verantwortlich waren. Hurst, dreifacher Torschütze gegen Deutschland, war der Schütze des legendären Wembley-Tores zum 3:2.

„Mein Bruder Ludger war ganz stolz, dass er Bobby Moore die Hand schütteln durfte“, erinnert sich „Schallo“ Adick noch gut an den Samstag. Der heute 73-Jährige entsprang der Jugend von Fortuna Wadelheim und war erst im Winter zuvor zum SC Rasensport gewechselt. Im Jahr 1968 fusionierten beide Vereine zur SG Eintracht Rheine, wo Adick über Jahre als kopfballstarker Mittelstürmer mit Gardemaß die gegnerischen Abwehrreihen in Schrecken versetzte.

Auch Erich Rutemöller, aktuell im Sportkompetenzteam des 1. FC Köln, kann sich das Spiel gegen den prominenten Gegner noch vor Augen führen. „Mein Vater hat damals ein schönes Bild von mir mit Bobby Moore gemacht“, steht ein Andenken von dieser Partie in seiner Wohnung. Der frühere Bundesligatrainer des 1. FC Köln und Hansa Rostock weiß noch, wie er Geoff Hurst und andere Engländer abends in einem beliebten Tanzlokal an der Ems traf und sich über Autogramme von Ron Greenwood und Hurst „auf meiner Brieftasche“ freute.

„Schallo“ Adick gehörte neben Werner Kieselbach zu den Torschützen für die heimische Auswahl. Der vielzitierte Handschlag seines Bruders Ludger mit Bobby Moore sollte beiden Kapitänen kein Glück bringen: Während Bobby Moore im Frühjahr 1993 als 53-Jähriger dem Krebs erlag, verstarb auch der Rheinenser nach schwerer Krankheit im Sommer 2012.

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