Interview mit SCP-Coach Ralf Loose
"Das macht Spaß"

Im September 2013 übernahm Trainer Ralf Loose das Amt von Pavel Dotchev, der Fußball-Drittligist war auf Platz 17 in Abstiegsgefahr. Zum Start nach der Winterpause grüsst das Loose-Team von Aufstiegsplatz zwei und träumt berechtigerweise von der Rückkehr in das Bundesliga-Unterhaus nach 24 Jahren Abstinenz.

Freitag, 23.01.2015, 12:44 Uhr aktualisiert: 23.01.2015, 14:14 Uhr
Der Preußen Trainer Ralf Loose im Trainingscamp in Estepona.
Der Preußen Trainer Ralf Loose im Trainingscamp in Estepona. Foto: Jürgen Peperhowe

Estepona. 16 plus 4 lautet die Formel für Ralf Loose für die kommenden vier Monate. Der Coach des SC Preußen Münster kann in 20 Pflichtspielen mit seiner Elf den Aufstieg in die 2. Bundesliga perfekt machen und tanzt im Westfalenpokal mit maximal vier Partien auf einer zweiten Hochzeit Richtung DFB-Pokal. Mit dem 51-Jährigen sprach unser Redaktionsmitglied Alexander Heflik zum Abschluss der Trainingsmaßnahme in Spanien.

Das Trainingslager der Preußen ist Geschichte. Wer konnte sich empfehlen, wer sind die Gewinner?

Ralf Loose: Die Vorbereitung bis zum Spiel gegen Dynamo Dresden ist eigentlich sehr kurz. Körperlich sind alle Spieler in einer guten Verfasung. Es gibt keinen Grund, alles auf den Kopf zu stellen. Wichtig war, dass möglichst viele Spieler die volle Belastung fahren konnten. Jetzt müssen wir Spieler wie Fabian Hergesell und Kevin Schöneberg, die gesetzt waren, ersetzen. Dafür gibt es mit Aaron Berzel oder Julian Riedel Ersatz, oder vielleicht noch eine Lösung, die wir erst noch kurzfristug entdecken.

Viel Zeit bleibt nicht für Entdeckungen?

Ralf Loose: Wir werden noch in Münster gegen Wuppertal spielen. Unser Plan ist jetzt, dass wir uns auf die Bedingungen in Münster einstellen. Einerseits sind wir entspannt, andererseits geht die Zeit unheimlich schnell vorbei. Die sieben Tage im Trainingslager waren kurzweilig. Wir haben ein anderes Programm gefahren, mehr Wert auf das Spielerische gelegt, an der Schnelligkeit gearbeitet. Im Vergleich zum Vorjahr sind alle frischer. Schließlich startet die Saison bereits wieder in knapp zehn Tagen.

Ist die Verpflichtung eines Stürmer Priorität Nummer eins oder haben Sie einen anderen Wunschspieler auf dem Zettel?

Ralf Loose: Im Vorjahr hatten wir mit Matthew Taylor und Rogier Krohne zwei Stürmer für die Rückrunde. Wir hatten nichts mehr zum nachlagen, keine Alternativen, dann haben wir Soufian Benyamina geholt. Jetzt haben wir Rogier Krohne und Marcel Reichwein, aber Alternativen gehören dazu, uns fehlt da etwas mehr Konkurrenz in der Offensive. Wir stehen in Kontakt zu einem Spieler. Könnte ich mir zudem etwas wünschen, wäre das noch ein Offensiv-Allrounder.

Aber mit Abdenour Amachaibou haben sie doch einen dritten Stürmer?

Ralf Loose: Ich sehe ihn mehr hinter der Sturmspitze, obwohl er die Veranlagung für ganze vorne hat. Was wir aber auch benötigen ist ein guter Kopfballspieler zusätzlich.

Auf welche Achse setzen sie in der zweiten Saisonhälfte?

Ralf Loose: Die Besetzung der Zentrale in Abwehr und Mittelfeld ist wichtig. Für mich sind aber die Außenspieler genau so wichtig. In der Abwehr haben sich Dominik Schmidt und Marc Heitmeier deutlich gesteigert, auch Erik Zenga und Amauy Bischoff harmonieren im Mittelfeld sehr gut. Auch im Angriff ist die Rolle klar verteilt, Marcel Reichwein hat Vorteile, aber er selbst kann mit dem Gesamtpaket der ersten Serie auch nicht ganz zufrieden sein.

Jens Truckenbrod ist der Kapitän der Mannschaft, war aber in den letzten Spielen nur Reservist. Wie gehen Sie mit ihm um?

Ralf Loose: Er ist ein wichtiger Bestandteil dieses Team. Und wenn er auf dem Feld steht, wird er auch weiter Kapitän bleiben. Er hatte in den Testspielen mehr Einsatzzeiten, es könnte durchaus sein, dass er gegen seinen Ex-Verein Dresden in der Startelf steht. Er geht mit seiner Situation jedenfalls gut um.

Sie haben mit Aaron Berzel einen Neuzugang für die rechte Abwehrseite. Was erwarten Sie von ihm?

Ralf Loose: Berzel haben wir als Schöneberg-Ersatz geholt, weil zudem mit Patrick Kirsch auch der zweite Spieler für die Position rechts in der Abwehr verletzt ausgefälltt. Aaron muss sich noch einspielen, gegen Freiburg in seinem ersten Spiel hatte er Schwierigkeiten. Deshalb sollte er auch gegen Braunschweig im letzten Test über 90 Minuten weiter Praxis sammeln, leider musste ich ihn vorsichtshalber zur Pause rausnehmen.

Für das Heimspiel gegen Dresden ist Ihre Viererkette gesprengt. Was nun?

Ralf Loose: Berzel ist jung und ehrgeizig, er hat in Darmstadt bewiesen, dass er dem Druck standhalten kann. Simon Scherder und Marco Pischorn sind die Kandidaten, die neben Marc Heitmeier spielen können. Julian Riedel ist die Option auf der linken Seite. Wir haben schon häufiger bewiesen, dass wir mit größeren Umstellung in der Abwehr sofort erfolgreich sein können.

Dahinter ist die Torwartfrage, anders als in den Vorjahren, nicht geklärt. Wer macht das Rennen?

Ralf Loose: Nein, da warte ich das letzte Testspiel gegen Wuppertal ab und werde mich mit Torwarttrainer Alexander Ogrinc beraten. Es ist gut, die Antwort bis zuletzt offen zu lassen.

Erstmals meldet Max Schulze Niehues richtige Ansprüche auf die Nummer eins an, die bislang Daniel Masuch inne hatte.

Ralf Loose: Als ich zum SCP kam, waren die Torhüter am Boden. Masuch war angeschlagen, ich habe ihm das Vertrauen ausgesprochen, er hat zurückgezahlt mit Leistung. Als Daniel sich zuletzt im Herbst verletzt hat, hat Schulze Niehues seine Sache gut gemacht, er war souverän. Zu Beginn der Vorbereitung hatte Max einen deutlichen Vorteil, aber die Entscheidung ist noch nicht gefallen. Außerdem ist es eine außergewöhnliche Situation, das gab es in Münster wohl noch nie, dass der SCP zwei gute und gleichstarke Torhüter hat.

War die Entwicklung von Erik Zenga eine Überraschung für Sie?

Ralf Loose: Ich wusste, dass er ein guter Balleroberer ist, er liest die Ballwege, er klaut die Bälle. Seine spielerische Entwicklung habe ich so nicht erwartet. Als wir ihn beobachtet hatben, machte er häufiger Fehler im Aufbau. Ihm kommt aber unser Training entgegen, er konnte so im spielerischen Bereich einiges dazulernen. Das hat er getan. Außerdem kommt er mit seiner Art in der Mannschaft gut an. Erik Zenga und Amaury Bischoff, das passt aktuell.

Was ist ab jetzt, also in den letzten 16 Punktpartien wichtig?

Ralf Loose: Für uns ist die Situation anders als in der Hinrunde. Wir wissen jetzt als Team, was wir auf dem Platz können. Wir verfügen über einen Super-Teamgeist. Jeder einzelene wie auch die Mannschaft sind ambitioniert. Erreichen wir unsere Leistung, erfüllen wir unsere Taktik, zeigen wir Leidenschaft und Teamgeist, dann sind wir schwer zu schlagen in der 3. Liga. Aber nur dann. Zu Beginn der Saison ist uns das ja nicht so gut gelungen. Jetzt kommen nur noch sehr schwere und spannende Spieler. Laufen wir da nicht in Bestbesetzung auf, wird jedes Spiel schwer. Keiner sollte glauben, dass wir die Liga so einfach eroberen.

Im ersten Spiel geht es gehen Dresden, dort sind Sie seir 2011 eine Art Aufstiegeheld. Was nehmen nehmen Sie aus dieser Zeit für die Preußen mit?

Ralf Loose: Die Situation ist nicht zu vergleichen. Damals lagen wir mit Dynamo aussichtslos im Rückstand mit sechs Punkten hinter Rang drei. Ich kam nur, um schon die neue Saison zu planen. Wir haben fünf Siege und ein Unentschieden erreicht, anschließend die Relegation dramatisch gegen Osnabrück gewonnen. Unser Plus war da die mentale Stärke. Und auch jetzt gilt, in 16 Spielen jedes Mal eine Schlacht zu schlagen.

Wie schätzen Sie die Ausgangslage in der 3. Liga nun ein?

Ralf Loose: Arminia Bielefeld könnte sich zum Auftakt mit einem Sieg im Spiel gegen Osnabrück gleich etwas absetzen, für sie könnte es jetzt schon eine Vorentscheidung sein. Aber alles kann sehr eng werden und auch so bleiben, es gibt so viele Mannschaften mit berechtigten Ambitionen. Vor der Saison waren alle Clubs vorsichtig, keiner traute sich an eine Aufstiegsansage. Jetzt gibt es zehn Mannschaften, die sich zurecht den großen Sprung zutrauen. Das Rennen ist völlig offen. Bei meiner Mannschaft rechne ist auch noch mit Höhen und Tiefen, gerade in schwierigen Phasen müssen wir aber alle kühlen Kopf bewahren. Für uns wird es auch wichtig sein, am 32 Spieltag eine vergleichbare Situation wie jetzt zu haben, also ganz nah dran zu sein am Aufstieg. Auf der Zielgerade werden wir es dann schaffen.

Was würde ein Aufstieg für Sie als Trainer bedeuten?

Ralf Loose: Jedem Trainer bedeutet das natürlich enorm viel. Als ich kam, lagen wir auf Platz 17, beendeten die Saison dann als Sechster, nun sind wir Zweiter. Das macht Spaß. Ich persönlich verfolge auf Dauer nur einen Weg, den nach oben. Wie viele Jahre war Münster nicht in der 2. Bundesliga? 25 Jahre? Ich spüre, wie die Region danach lechzt. Das Gerüst steht, der Verein arbeitet wirtschaftlich vernünftig. Der Aufstieg wäre nun ein Quantensprung, und auch dann hätten wir noch Luft nach oben in vielen Bereichen. Preußen Münster ist einer der Traditionsvereine mit großer Perspektive.

Vor knapp zwei Jahren ist dem SCP auf der Zielgeraden des Aufstiegskampfes die Luft ausgegangen. Spielt das noch eine Rolle für die Mannschaft?

Ralf Loose: Ich weiß nicht, was damals passiert ist. Solche Entwicklungen sind nicht immer vorhersehbar. Es kann so viel passieren. Wie gesagt, sind wir am 32. Spieltag ganz eng dabei im Aufstiegsrennen, dann werden wir in der Lage sein, den großen Sprung zu schaffenl. Diese Mannschaft wird dann ein anderes Gesicht zeigen. 

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