Fußball: 3. Liga / Angemerkt
Wo bleibt der Respekt?

Münster -

Dieses Mal fühle ich mich sogar persönlich angesprochen. „F**** euch alle“ wurde als Transparent hochgehalten. Angesprochen durften sich mindestens die 9411 Zuschauer im Stadion fühlen, auch die Plakatträger selbst, laut Duden sind in einem solchen Kontext stets alle Anwesenden gemeint. Menschen, Frauen, Kinder, Männer, Spieler, Trainer, Schiedsrichter, Polizisten, Ordner, Vereinsvertreter, Journalisten, Preußen-Anhänger, Rostock-Fans, Junge, Alte, Dicke, Dünne und selbst die Wachhunde.

Samstag, 17.10.2015, 16:24 Uhr aktualisiert: 18.10.2015, 17:23 Uhr
Fußball: 3. Liga / Angemerkt : Wo bleibt der Respekt?
Das Transparent mit dem Spruch „F**** euch alle“ im Block der Ultras. Foto: Jürgen Peperhowe

Es war kein Aufschrei, keine Beleidigung, wie man diese vielleicht mal im Streit, in einer ersten Erregung von sich gibt, wenn man gestört wird bei der Arbeit oder Knatsch in der Beziehung hat oder einem Freund zu verstehen gibt, dass das der letzte Mist ist, der gerade passiert ist. Diese Denke im Sinne des „Götz von Berlichingen“ im dritten Akt von 1773 („Leck mich am A***“) war das mal gar nicht, also ein kurzer Aufschrei der Empörung, eher schon als eine Art der Majestätsbeleidigung gedacht. Diese drei Wörter wurden im Preußenstadion vielmehr bewusst gewählt, es ist ein Statement, gleichermaßen Abgrenzung von dem Rest und ein Fanal für den Stand der Dinge. Das war Kalkül, ob es wohl überlegt war sei dahingestellt, überlegt war es auf jeden Fall. Der mehrfache und ungewohnt intensive Einsatz von Pyrotechnik, von Rauchtöpfen und Böllern gehörte zu dieser Inszenierung. Dieser Teil von Preußen-Fans wusste: Das war eine Abschiedsvorstellung unter Flutlicht für die nächste Zeit mit Pauken und Trompeten, mit Schall und Rauch, mit Schimpf und Schande. Die Blocksperre kommt, vermutlich für mehrere Spiele.

Ja, ja, man müsse auch diese Seite beleuchten, die Aussperrung der Preußen-Fans beim Derby in Osnabrück, die restriktiven Massnahmen der Polizei im Vorfeld, die vielen Meldeauflagen für 40 bis 50 SCP-Unterstützter vor der Partie, das Alkoholverbot, das hätte sich alles angestaut, und, und, und. Blablabla. Mumpitz. Die Bemühungen der Vereinsspitze, und mit Club-Chef Georg Krimphove und Präsidiumsmitglied Siggi Höing haben sich zwei Top-Vertreter intensiv in vielen Gesprächen und Absprachen um ein gemeinsames Miteinander bemüht, wurden geschluckt und wieder ausgespuckt. Respekt wird eingefordert, aber keiner gezollt. Der Freitag war eine plakative Verzichtserklärung der Fiffi-Gerritzen-Kurve, eine Brandrodung des sowieso schon zerrütteten Verhältnisses. Ein Schlussstrich.

Der SCP wird zahlen müssen, und zwar doppelt: An den DFB, und natürlich werden Zuschauereinnahmen flöten gehen. Und der SCP wird in Zukunft zudem bei jeder Risiko-Partie, wenn zum Beispiel Dresden oder Osnabrück kommen, noch mehr in die Sicherheit investieren müssen, das gilt auch für die Massnahmen der Polizei. Diese weitere Zuspitzung war gewollt von den selbst ernannten Verfechtern der wahren Lehre des Fußballs, den Gralshütern auf den Rängen, denen der SC Preußen doch soooooooooo wichtig ist. Münster steht mit der Radikalisierung nicht allein, anderen Profivereinen geht es ähnlich, das Ende der Spirale ist nicht in Sicht. Zumal zuletzt Fan-Gruppierungen den Dialog mit dem Deutschen Fußball-Bund auf Eis legten. Demnächst Eiszeit in Block M und N in Münster passt da ins Bild.

Also: „F**** euch alle“. Meine Antwort: Ich denke nicht im geringsten daran.

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