Fußball: 3. Liga
Schwarzer Abend für Preußen Münster in Würzburg

Münster -

Diese Reise hat sich nicht gelohnt. Mit 0:3 verlor der SC Preußen Münster sein Nachholspiel bei den Würzburger Kickers und zeigte dabei eine erschreckend schwache Vorstellung. Es war die zweite Niederlage binnen fünf Tagen. Quo vadis, Preußen?

Mittwoch, 17.02.2016, 21:56 Uhr aktualisiert: 18.02.2016, 08:45 Uhr
Immer wieder aufstehen: Marco Pischorn (Mitte) lässt sich von Mehmet Kara (r.) wieder aufrichten – das Preußen-Kollektiv wird nach dem gestrigen Abend einiges aufzuarbeiten haben.
Immer wieder aufstehen: Marco Pischorn (Mitte) lässt sich von Mehmet Kara (r.) wieder aufrichten – das Preußen-Kollektiv wird nach dem gestrigen Abend einiges aufzuarbeiten haben. Foto: Jürgen Peperhowe

Verschwörungstheoretiker würden sagen, dass man den Spielern des SC Preußen Münster vor dem Anpfiff etwas in den Tee getan habe. Denn anders konnte man die verschlafene, uninspirierte Leistung des Fußball-Drittligisten im Nachholspiel bei den Würzburger Kickers nicht erklären. Der Aufsteiger gewann vor 3896 Zuschauern mit 3:0 (2:0) gegen die Adlerträger, Elia Soriano (3. und 10.) sowie Royal-Dominique Fennell (90.) trafen, es hätte noch höher ausfallen können, wenn SCP-Torwart Niklas Lomb nicht noch drei, vier schwierige Bälle abgewehrt hätte. „Eine Chance pro Halbzeit reicht nicht. Wir hatten wenig Struktur, wenig Klarheit. Nach diesem Spiel sind wir in der Realität angekommen“, sagte Münsters Trainer Horst Steffen.

Das stand alles unter keinem guten Stern: Amaury Bischoff meldete sich beim Frühtraining mit Oberschenkelbeschwerden ab, Rogier Krohne war erst gar nicht mitgereist. Dann rutschte Marcel Reichwein, der zuletzt drei Treffer in drei Partien markiert hatte, aus der Startelf. Adriano Grimaldi war drin.

Würzburger Kickers - Preußen Münster

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  • Ein enttäuschter Felix Müller

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Immer wieder aufstehen: Marco Pischorn (M.) lässt sich von Mehmet Kara (r.) wieder aufrichten.

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  • Schwer enttäuscht: Amaury Bischoff (vorne) und Björn Kopplin.

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  • ... nach Abpfiff jedoch schwer enttäuscht.

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  • SCP-Trainer Horst Steffen: Hier voller Elan...

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  • Freistoß von Würzburgs Dominik Nothnagel.

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  • Ohne Orientierung im Zweikampf: Münsters Chris Philipps (l.) im Luftduell gegen Joannis Karsanidis.

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  • Der Kampf um den Ball: Chris Philipps (r.) und Mehmet Kara (l.) gegen Würzburgs Elia Soriano (am Boden liegend).

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  • Zweikampf zwischen Abdenour Amachaibou (r.) und Niklas Weissenberger.

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  • SCP-Coach Horst Steffen konnte mit der Anfangsviertelstunde seines Teams nicht zufrieden sein.

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  • Der neue SCP-Stürmer Adriano Grimaldi (2.v.r.) im Kopfballduell gegen Lukas Billick

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  • Geheimnisvolle Botschaften: Die Anzeigetafel in der Flyeralarm-Arena drehte ob der ungewohnten Torflut der Hausherren durch und begann zu improvisieren. 

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  • SCP-Coach Horst Steffen (M.) mit Björn Kopplin (l.) und Cihan Özkara.

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  • Horst Steffen (l.) und Cihan Özkara

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  • Konnte nicht mitwirken: SCP-Kapitän Amaury Bischoff...

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  • ... und ärgerte sich über das schlechte Ergebnis in Würzburg.

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  • Das Nachsehen hat hier Abdenour Amachaibou (l.) im Kampf um den Ball mit Würzburgs Joannis Karsanidis.

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  • Ein gebrauchter Tag für Abdenour Amachaibou und seine Mitspieler...

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Die erste Halbzeit dürfte dann als abschreckendes Beispiel für Anti-Fußball in den Videoanalysen von Steffen einen Platz finden. Was Münster vor der Pause ablieferte war nicht Drittliga-würdig. Die Tore fielen, weil der SCP leichtfertig und unentschlossen agierte. Beim 0:1 fabrizierten Grimaldi und Felix Müller einen komplett missratenen Doppelpass vor dem eigenen Strafraum. Nach Flanke von Lukas Billick war Soriano zur Stelle.

Noch ungeschickter stellten sich die Preußen beim 0:2 an, als erst Müller den Ball kerzengerade nach oben pöhlte. Anschließend konnten die Innenverteidiger Lion Schweers und Marco Pischorn mehrfach nicht per Kopf und Fuß klären. Das ging solange schief, bis erneut Soriano wie ein Erstklässler bei der Einschulung seine Schultüte erhält – in diesem Fall kickte er die Kugel völlig unbedrängt ins Tor. „Der Ball wurde mir hingelegt, ich musste ihn nur einschieben“, so Soriano. Steffen sarkastisch: „Er hat viel bei mir gelernt.“

Re-Live

Ausgerechnet Soriano mit einem Doppelpack. Bei den Stuttgarter Kickers blühte er einst unter Steffen auf, nun, in seiner neuen Heimat Würzburg, zeigte er seinem Lehrmeister, wie das mit dem Toreschießen geht. Die Preußen stolperten von einer in die nächste Verlegenheit. Nichts, wirklich nichts ging. Bei der Spieleröffnung kamen die Gäste kaum einmal bis zur Mittellinie, geschweige denn darüber hinaus. Ab und an versuchte Abdenour Amachaibou was, dann bemühte sich Müller, doch insgesamt wirkten die Preußen-Angriffe halbherzig, transusig, das war in der ersten halben Stunde wirklich fürchterlich. Und es wurde auch nicht wirklich besser.

Würzburger Kickers - Preußen Münster: SCP-Spieler in der Einzelkritik

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  • Torhüter Niklas Lomb: Note 3 - entschärfte drei gefährliche Bälle, war bei den Gegentoren machtlos.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Rechtsverteidiger Björn Kopplin: Note 4 - hatte mit dem Ex-Preußen Nejmeddin Daghfous einen brandgefährlichen Gegenspieler zu verwalten. Steigerte sich zumindest nach schwachem Beginn, blockte einen Soriano-Schuss und verhinderte da das 3:0.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Innenverteidiger Lion Schweers: Note 4,5 - stößt aktuell an seine Grenzen, beim 0:2 nicht auf der Höhe, passte sich der schwachen gesamten Defensivleistung an.

    Foto: René Penno
  • Innenverteidiger Marco Pischorn: Note 5,5 - erwischte einen rabenschwarzen Tag. Nichts gelang, konnte der Abwehr nicht wie gewohnt Stabilität verpassen,

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Linksverteidiger Felix Müller: Note 4 - mit Licht und Schatten, nach der Pause aber besser.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Mittelfeldspieler Mehmet Kara: Note 5 - verlor viel zu viele Bälle, konnte keines seiner gefürchteten Dribblings durchziehen, ein ganz schwacher Auftritt.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Mittelfeldspieler Chris Phillips (M.): Note 4,5 - agierte phasenweise wie ein dritter Innenverteidiger, bekam keine Sortierung ins Spiel, viele Pässe versumpften, hatte die ganze Last des Spielaufbaus allein zu tragen und scheiterte daran.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Mittelfeldspieler Benjamin Schwarz (r.): Note 4 - war die Verletzungspause anzumerken, ihm fehlt Wettkampfpraxis. Rackerte und gewann als einziger Preuße auch eine Reihe von Zweikämpfen, aber impulslos in der Offensive.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Rechtsaußen Philipp Hoffmann: Note 5 - konnte sich überhaupt nicht in Szene setzen und war abgemeldet.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Mittelstürmer Adriano Grimaldi: Note 5 - hatte sich sein Startelf-Debüt anders vorgestellt, erhielt keine brauchbaren Bälle, konnte sich aber auch bei Ecken oder Freistößen nicht in Szene setzen.

    Foto: Ansgar Griebel
  • Linksaußen Abdenour Amachaibou: Note 3 - wechselte häufig in die Mittelfeldzentrale, wusste als einziger Angreifer Gefahr auszustrahlen und hatte die einzigen Chancen.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Marcel Reichwein (eingewechselt): Keine Note - er kam für Adriano Grimaldi und litt wie sein Vorgänger unter dem Murks beim Spielaufbau.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Cihan Özkara (eingewechselt): Keine Note - er ersetzte Philipp Hoffmann und konnte das Niveau nicht wirklich anheben.

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  • Danilo Wiebe (eingewechselt): Keine Note - er kam für den ausgepumpten Benjamin Schwarz und blieb unauffällig,

    Foto: Jürgen Peperhowe

Erst als sich die Kickers im Wissen um den 2:0-Vorsprung zurückzogen, wurden die Preußen etwas agiler. Es blieb aber bei einem Freistoß aus gut 20 Metern von Amachaibou, der sowas wie Gefahr ausstrahlte. Auf der anderen Seite musste Lomb gegen den Ex-Preußen Nejmeddin Daghfous klären. Tatsächlich war der SCP mit dem 0:2 gut bedient.

Dann kam die Wende nach der Pause – nicht. Alles ging weiter so, Würzburg war in allen Belangen besser. Chancen zum Anschluss gab es für Amachaibou (61.) und den eingewechselten Reichwein (81.). Dass der andere Ex-Stuttgarter Fennell seinem früheren Trainer Steffen in der Schlussminute noch einen einschenkte, verstand sich fast von allein. Drumherum gab es massig Kickers-Chancen.

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