Fußball: 3. Liga
Viktoria Köln stellt Antwerpen und Öztürk frei – Preußen Münster ist am Zug

Münster -

Den vorletzten Akt im Wechseldrama auf den Trainerstühlen läutete Viktoria Köln ein. In den Mittagsstunden des Montags wurden Cheftrainer Marco Antwerpen und sein Assistent Kurtulus Öztürk von ihrer Tätigkeit beim Regionalliga-Tabellenführer freigestellt. Der Grund waren die Gespräche des Trainergespanns mit Drittligist Preußen Münster über einen sofortigen Wechsel an die Hammer Straße.

Montag, 11.12.2017, 14:17 Uhr aktualisiert: 11.12.2017, 16:18 Uhr
Bald wieder ein Preuße? Trainer Marco Antwerpen
Bald wieder ein Preuße? Trainer Marco Antwerpen Foto: Marc Kreisel

Kölns starker Mann, Franz Wunderlich, schnitt das sowieso nur noch dünne Bändchen zwischen sich und Antwerpen durch – und räumte den Weg frei für eine Verpflichtung durch die Preußen. Vermutlich wird man sich noch kurz um die Ablösesumme rangeln. Am Dienstag um 14 Uhr dürfte Antwerpen als 57. Trainer seit 1947 seine erste Übungseinheit leiten.

Am Samstag steht schon das schicksalhafte Abstiegsduell gegen RW Erfurt im Preußenstadion an. Kein Zuckerschlecken knapp vor dem dritten Advent.

Die Karriere von Marco Antwerpen

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  • Für Marco Antwerpen würde sich mit einem Engagement bei Preußen Münster ein Kreis schließen. Schließlich stürmte der heute 46-Jährige in den 90ern und den 2000ern für die Adlerträger. Dort hängte er 2008 die Fußballschuhe an den Nagel.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Seine zweite Karriere, die als Trainer, begann dagegen 2010 beim SV Burgsteinfurt. Schon etwas mehr als ein Jahr später wurde Ahlens Sportlicher Leiter Joachim Krug auf Antwerpen aufmerksam und holte Marco Antwerpen für die A-Jugend-Mannschaft, die damals noch in der Jugend-Bundesliga spielte.

    Foto: Günter Saborowski
  • 13 Spiele lang saß Antwerpen bei der A-Jugend auf der Bank, dann folgte bereits die Beförderung zum Trainer der ersten Mannschaft von Rot-Weiß Ahlen.

    Foto: Marc Kreisel
  • Die Saison 2012/2013 verlief sportlich einigermaßen ruhig. Die Ahlener landeten bei Antwerpens erstem Engagement auf Platz neun. Überschattet wurde das Jahr aber von den schlimmen Rassismus-Vorwürfen gegen Antwerpen. Der Coach sollte einen dunkelhäutigen Spieler aus Schermbeck nach dem Spiel rassistisch beleidigt haben. Die Sache ging bis vors Sportgericht, wo Antwerpen klar freigesprochen wurde.

    Foto: Marc Kreisel
  • Dennoch hatten die Vorwürfe und der riesige Medienrummel darum viel Kraft gekostet. Antwerpen beendete deshalb am Ende der Saison 2012/2013 sein erstes Engagement bei den Rot-Weißen und nahm ein Sabbatical in Australien.

    Foto: Marc Kreisel
  • Kaum war er daraus zurück, lockte bereits das nächste Engagement - und zwar wieder als Trainer der Rot-Weißen. Im April 2014 übernahm Antwerpen von seinem ehemaligen Co-Trainer Carlos Castilla und dessen Mit-Trainer Rafal Krumpietz für die restlichen acht Partien.

    Foto: Marc Kreisel
  • Mit der Saison 2014/2015 begann Antwerpens erfolgreichste Zeit in der Wersestadt. In der Hinrunde pflügte sein Team nur so durch die Liga, führte die Tabelle zwischenzeitlich sogar mit zweistelligem Punktevorsprung an.

    Foto: Marc Kreisel
  • Mit dem Frühjahr schmolz dieser Vorsprung aber wie Schnee in der Sonne. Die Ahlener taten sich in der Rückrunde deutlich schwerer, verloren kurz vor Saisonende sogar den noch zum Aufstieg berechtigenden Platz zwei an die Konkurrenz.

    Foto: Marc Kreisel
  • Erst am letzten Spieltag mit einem 2:0-Sieg bei SuS Neuenkirchen war dieser zweite Platz und damit der Aufstieg gesichert. Antwerpen schaffte mit dem Einzug in die Regionalliga des immer noch in der Insolvenz befindlichen Clubs sein Meisterstück - und das ohne Meisterschaft.

    Foto: wh
  • Die Saison 2015/2016 nutzte Antwerpen auch in persönlicher Hinsicht für sein Weiterkommen. Denn neben dem Training des Ahlener Neu-Regionalligisten absolvierte er in der Hinrunde die Fußball-Lehrer-Ausbildung des DFB.

    Foto: Marco Stiemke
  • Schon früh in der Rückrunde gab es Gerüchte, der frisch gebackene Fußball-Lehrer könne in der folgenden Saison bei Aufstiegsaspirant Viktoria Köln anheuern. Gerüchte, die sich später bestätigen sollten. Das Ende der Saison erlebte Antwerpen aber aus anderen Gründen nicht mehr in Ahlen: Weil er einen offenen Brief der Mannschaft wegen ausstehender Gehälter unterstütze, wurde Antwerpen zwei Spieltage vor Ende von seinen Aufgaben entbunden. Die Ahlener schafften dann noch ohne ihn am letzten Spieltag den Klassenerhalt, unterlagen aber im Westfalenpokal-Finale.

    Foto: ms
  • Das erste Jahr in Köln verlief für Antwerpen höchst erfolgreich. Für den Aufstieg war er geholt worden und die Viktoria wurde tatsächlich Meister unter ihm, unterlag dann aber in der Aufstiegsrelegation Carl-Zeiss Jena. Aktuell spielen die Kölner wieder um die Meisterschaft, führen die Tabelle mit dem punktgleichen Krefelder FC Uerdingen (je 39 Zähler) an.

    Foto: Marc Kreisel

Bereits Anfang Dezember war die Demission von Benno Möhlmann von den SCP-Gremien intern beschlossen, wäre die Punktpartie in Lotte (0:0) verloren worden. Die Personalie Antwerpen war da schon „heiß“. Die Sportfreunde Lotte, auch eine Randnotiz, wollten Antwerpen im Sommer bereits als Nachfolger für Ismail Atalan (zum VfL Bochum) holen. Aber der gerade erst bis 2018 verlängerte Vertrag stand im Weg, am Ende sagte Antwerpen ab. Der Sprung in die 3. Liga war vertagt.

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Der Aufschub für Möhlmann dauerte nur eine Woche, am Sonntag leitete er noch das Auslaufen und die Spielnachbereitung nach der 1:4-Heimniederlage gegen die SG Sonnenhof Großaspach. Zu diesem Zeitpunkt tagten die SCP-Bosse und informierten nach der Trainingseinheit das Trainergespann Möhlmann/Sven Kmetsch, im Anschluss dann die Mannschaft. „Das war nicht einfach“, blickt Sportchef Malte Metzelder zurück. Und: „Benno Möhlmann hat einen besonderen Bezug zum Verein als Spieler und Trainer, aber auch wegen seiner menschlichen Art. Damit war er weit vorne.“

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Dennoch endet nach 390 Tagen seine Ära als Übungsleiter in Münster. Am Dienstag um 14 Uhr beginnt eine neue Zeitrechnung. Sollten bis dahin die Wechselformalitäten mit Köln nicht abgeschlossen sein, im Raum stehen dürfte dabei eine branchenübliche Ablösesumme zwischen 20.000 und 30.000 Euro, würde eine Interimslösung kurzfristig weiterhelfen. „Wir haben da was im Kopf“, meinte Metzelder am Montag in der Frühe, wenige Stunden später erfolgte die Freistellung in Köln. Von da an hatte der SCP die Karten in der Hand.

Die Preußen bekamen jedenfalls aus Köln ihr Fett weg. Franz Wunderlich  schob überraschenderweise dem Ansinnen der Preußen keinen kategorischen Riegel vor, was für ein angespanntes Verhältnis zwischen Club-Boss und Trainer spricht. Er sagte im „Reviersport“: „Wie wir das alles erfahren haben, ist sehr unglücklich gelaufen.“ Am Sonntag erst habe es die offizielle Anfrage der Münsteraner gegeben.

Preußen Münster gegen Großaspach

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  • Rinderknecht gegen Gyau

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Scherder gegen Daniel Hägele

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Torjubel Großaspach

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  • 0:1 durch ein Eigentor von Grimaldi

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Torjubel Großaspach

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  • Rühle gegen Michael Vizthum

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  • Kobylanski gegen Pascal Sohm

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  • Schweers gegen Saliou Sane

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  • Grimaldi

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Grimaldi

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Grimaldi gegen TW Kevin Broll

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  • Preußen Münster gegen Großaspach Foto: Jürgen Peperhowe
  • Rizzi gegen Gyau

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Benno Möhlmann

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Benno Möhlmann

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  • Schweers und Kittner

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  • Malte Metzelder mit Benno Möhlmann

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  • Malte Metzelder

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  • Kobylanski gegen Yannick Thermann und TW Kevin Broll

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  • Grimaldi

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  • Rizzi gegen Gyau

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  • Menig gegen Gyau

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  • Schweers und Kittner

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  • Benno Möhlmann und Sven Kmetsch

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  • Malte Metzelder

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  • Mannschaftsbesprechung nach Spielschluss

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  • chweers und Kittner

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  • Tor durch Timo Röttger

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  • Tor durch Timo Röttger

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  • Malte Metzelder

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  • Malte Metzelder

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  • Benno Möhlmann

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  • Tritz gegen Saliou Sane

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  • Scherder

    Foto: Jürgen Peperhowe

Doch die Tür wurde nicht prompt geschlossen, verwunderlich bei dieser Tabellenlage der Viktoria. Antwerpen und Öztürk wollten raus aus dem Kontrakt in Köln. Wunderlich wollte Reisende nicht halten, die Gefahr, einen vielleicht unzufriedenen Cheftrainer im Titelrennen gegen den KFC Uerdingen zu haben, ist wohl ein zu großes Risiko.

Antwerpens Vertrag lief noch bis Sommer 2018. Glaubt man Aussagen aus dem Umfeld, war er über die kurze Laufzeit nicht erfreut. Die Viktoria scheiterte nur denkbar knapp am Aufstieg in die 3. Liga, zwei oder gar drei Jahre Verlängerung waren erwartet worden.

Preußen Münster dürfte für ihn – auch aus seiner sportlichen Historie heraus als Spieler, der drei Mal zwischen 1996 und 2007 unter Vertrag stand –  die ultimative Herausforderung sein. In der aktuellen Lage des SCP gehört schon eine Menge Wagemut mit dazu.

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