So., 04.03.2018

Fußball: 3. Liga Preußen Münster teilt sich die Punkte mit dem neuen Spitzenreiter SC Paderborn

Das ging schief: Paderborns Tormann Leopold Zingerle wollte klären, schoss Adriano Grimaldi an und der Ball kullerte ins Tor zum 1:0.

Das ging schief: Paderborns Tormann Leopold Zingerle wollte klären, schoss Adriano Grimaldi an und der Ball kullerte ins Tor zum 1:0. Foto: Jürgen Peperhowe

Münster - 

Über weite Strecken sah das alles gut aus, was Fußball-Drittligist Preußen Münster im Duell mit dem Spitzenteam aus Paderborn da aufs Feld brachte. Am Ende fehlte der lange Atem, um aus dem 1:1 einen Sieg zu zaubern.

Von Alexander Heflik

„Leute, Leute“, sagte Trainer Marco Antwerpen. Damit begann das Plädoyer für seine Mannschaft, einfach zu bedenken, aus welch schwieriger Lage sie in den letzten Wochen gekommen ist, und das dieses 1:1 (1:0) gegen den SC Paderborn – bitteschön – richtig eingeordnet werden sollte. Als ein Punktgewinn, als ein Erfolgserlebnis für den immer noch abstiegsgefährdeten SC Preußen Münster gegen den neuen Tabellenführer der 3. Liga. Also sprach Antwerpen: „Leute, Leute, das ist der Tabellenzweite. Dauerhaft hält man dem Druck gegen dieses Team nicht stand.“

Tatsächlich waren die Ostwestfalen als Zweiter nach Münster gereist, gerieten kurios in Rückstand, um dann in Unterzahl den Ausgleich fast schon wie selbstverständlich zu erzielen. Am Dienstag nun das „Spiel der Spiele“ gegen den punktgleichen 1. FC Magdeburg, die Ostwestfalen sind bereit. Und zur Klarstellung: Paderborn Erster, Magdeburg Zweiter, Münster Rang-14. So sieht die Hierarchie in der 3. Liga aus.

Münster gegen Paderborn, das war trotz Kälte und grenzwertigen Platzverhältnissen guter Drittligafußball. Die Gastgeber waren vor 7015 Zuschauern vor der Pause einen Tick griffiger, die Gäste nach der Pause klar dominant. „Gerade in Unterzahl haben wir weiter Druck gemacht. Es war ein richtig gutes Spiel. Also ich bin mit dem Punkt zufrieden“, fand Steffen Baumgart wenig Kritikpunkte an seinem SCP aus Paderborn. So lagen die Übungsleiter auf beiden Seiten auf einer Wellenlänge in der Bewertung.

Drei Fragen an Sandrino Braun

War das ein Punktgewinn oder wurde der Sieg verspielt?

Sandrino Braun: Wir müssen am Ende damit zufrieden sein. Wir waren nach der Pause zu passiv. Aber wenn man zu Hause 1:0 führt, dann muss man mehr daraus machen.

Was hätte der SCP besser machen können?Braun: Wir hätten druckvoller agieren müssen, gerade in Überzahl. Unsere Konter hätten wir besser ausspielen müssen.

Wie geht es weiter?

Braun: Jetzt müssen wir den Mund abwischen, das Spiel analysieren und die Auswärtsschwäche in Aalen beenden.

Adriano Grimaldi hätte vor der Pause der Partie seinen Stempel aufdrücken können. Irgendwie tat er das auch, weniger, weil er zwei Chancen in den ersten Minuten – Vorarbeit jeweils von Michele Rizzi – vergab. In Erinnerung wird aber sein Treffer zum 1:0 bleiben, weil Paderborns Schlussmann Leopold Zingerle tatkräftig mithalf. Denn dessen Befreiungsschlag nach 18 Minuten blockte Grimaldi nicht nur, sondern der Ball trudelte passend ins Tor. „Na ja, der Trainer will, dass ich so spiele. Ich hatte zwei Gedanken, konnte nach rechts spielen wie auch nach links“, erklärte Zingerle. Er schoss aber nur hektisch mittig Münsters Stürmer an. „Ich mache das jedes Spiel, laufe regelmäßig den Torwart an, versuche den Ball zu blocken. Dieses Mal ging er glücklich ins Tor.“ So war es, und der SCP hatte noch durch Kopfbälle von Sandrino Braun (15.) sowie Philipp Hoffmann (36.) gute Chancen.

Nach der Halbzeit gingen die Meinungen der Preußenspieler auseinander. „Wir haben das ganz klar verzockt“, monierte Grimaldi die Leistung seiner Mannschaft. „Paderborn hat gezeigt, warum sie da oben stehen. Wir standen fast nur unter Druck“, umriss Simon Scherder die Lage, für ihn ein Punktgewinn. „Nach der Pause haben wir das Heft aus der Hand gegeben“, beschrieb Verteidiger Ole Kittner das Aufbegehren der Gäste.

Denn nach dem Wechsel entfachte der neue Spitzenreiter ein ordentliches Feuer im Preußen-Strafraum. Münsters Schlussmann Max Schulze Niehues, der vor dem Wechsel zwei Unsicherheiten gezeigt hatte, kam rechtzeitig auf Betriebstemperatur und reagierte mehrfach glänzend, mindestens in fünf Fällen. Beim sechsten Mal war er machtlos, aber der Treffer von Sven Michel (58.) wurde wegen Abseits aberkannt. Beim siebten Anlauf aber traf Philipp Klement (76.) nach Vorarbeit von Lukas Boeder. Und das, obwohl Paderborn fünf Minuten zuvor Abwehrchef Christian Strohdiek mit Gelb-Roter Karte verloren hatte. Es unterstrich den überzeugenden, spielerisch starken Auftritt.

Dass vielleicht alles ganz anders gekommen wäre, hätte Michele Rizzi (53.) das 2:0 markiert oder Lucas Cueto (88.) den einzigen brauchbaren Preußen-Konter vernünftig weitergeleitet auf Lennart Stoll – das gehörte wohl dazu, zu einem ganz unterhaltsamen Fußballspiel im Preußenstadion.



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