Do., 05.07.2018

„Sportpark Berg Fidel“ beschlossen Die Preußen wollen trotzdem weg

Bebauungsplan beschlossen, Zukunft offen: Preußen Münster will nicht im Stadion an der Hammer Straße bleiben.

Bebauungsplan beschlossen, Zukunft offen: Preußen Münster will nicht im Stadion an der Hammer Straße bleiben. Foto: Matthias Ahlke

Münster - 

Wirrwarr rund um das Stadion. Nach dem Ratsbeschluss am Mittwochabend steht fest: An der Hammer Straße könnte ein Stadion für 20.000 Zuschauer entstehen. Die Verantwortlichen von Preußen wollen Münster trotzdem verlassen.

Von Klaus Baumeister

An der Hammer Straße geht es, aber die Preußen wollen nicht. In Bösensell wollen die Preußen, aber sie wissen nicht, ob es geht.

So in etwa könnte man die sehr verworrene Situation rund um die Stadionpläne des SC Preußen beschreiben. Der Ratsbeschluss vom Mittwochabend zum „Sportpark Berg Fidel“ jedenfalls löste am Donnerstag bei den Verantwortlichen des Drittligisten keine Jubelstürme aus.

„Keine Perspektive für erfolgreichen Profifußball“

Der Standort Hammer Straße biete „keine Perspektive für erfolgreichen Profifußball mehr“, heißt es in der offiziellen Stellungnahme des Vereines.

Angespielt wird damit auf den zentralen Eckpunkt des von CDU und Grünen beschlossenen Bebauungsplanes: Die Zuschauerkapazität in einem ausgebauten Preußen-Stadion soll bei 20.000 liegen. Zu wenig, wie die Preußen meinen.

Auch die gesamten Rahmenbedingungen in Berg Fidel – Verkehr, Infrastruktur, Vermarktungsmöglichkeiten – reichen den Kickern nicht, weswegen der Preußen-Präsident Christoph Strässer nüchtern erklärt, dass dem SC Preußen mit diesem Bebauungsplan „ein Ort für den Spielbetrieb“ bleibe, „nicht mehr und nicht weniger“.

Erinnerung an gescheiterte Projekte

In einer sehr kontroversen Ratsdebatte erinnerte der CDU-Fraktionschef Stefan Weber an die gescheiterten Stadionprojekte in Aachen, Chemnitz, Erfurt und Kaiserslautern. An einem solchen „Lotteriespiel“ zu Lasten des Steuerzahlers werde sich die Stadt Münster nicht beteiligen. In der Stadiondebatte müsse allen klar sein: „Eine Standortoption abseits der Hammer Straße ist eine rein private Angelegenheit.“

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Eine Standortoption abseits der Hammer Straße ist eine rein private Angelegenheit.

CDU-Fraktionschef Stefan Weber

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Übersicht: Chronologie: Überblick: Die Preußen und ihr Stadion

 

SPD hält dagegen

Ebenso heftig war die Replik des SPD-Fraktionschefs Michael Jung: „Der SC Preußen soll ein Stadion betreiben, das er gar nicht betreiben will“, geißelte er das „aus dem Ruder gelaufene“ Konzept des schwarz-grünen Ratsbündnisses. Für die Hammer Straße gebe es überhaupt keinen Investor, folglich führe der Bebauungsplan in die Sackgasse.

Der GAL-Ratsherr Christoph Kattentidt warnte derweil vor der Illusion, dass ein üppiger Stadionneubau in einem Vorort keine Konflikte auslöse: „In Bösensell sind 2020 auch Kommunalwahlen.“ Die Erwiderung des SPD-Ratsherrn Ludger Steinmann ließ nicht lange auf sich warten. Im Hinblick auf den Standort Hammer Straße werde an den SC Preußen das Signal ausgegeben: „Nimm ihn oder sieh zu, wo du bleibst!“

Die FDP versuchte, die Entscheidung in den Herbst zu verschieben. CDU und Grüne lehnten das aber ab.

Stellungnahme von Preußen Münster

Der Rat der Stadt Münster hat am Abend über den Bebauungsplan “Sportpark Berg Fidel” entschieden. Eine Entscheidung, die schon für den Sommer 2016 angekündigt war und somit zwei Jahre überfällig ist. Mit dem verabschiedeten Bebauungsplan wird der Standort Hammer Straße für ein Fußballstadion gesichert, gleichzeitig werden Voraussetzungen für eine Sanierung bzw. Modernisierung der aktuellen Spielstätte des SC Preußen Münster planerisch festgelegt. Aussagen über die Finanzierung einer solchen Maßnahme enthält der Bebauungsplan allerdings nicht. Schon aus diesem Grund ist der Ausbau des Stadions am jetzigen Standort für den SC Preußen keine zukunftsfähige Option.

In seiner Entscheidung vom 18.10.2017 hat der Rat der Stadt Münster nicht nur beschlossen, die Entwicklung eines Stadionstandorts an anderer Stelle nicht weiter zu verfolgen und damit die Suche nach einem alternativen Standort auf dem Gebiet der Stadt Münster beendet, er hat auch die Weiterentwicklung des Standortes Hammer Straße von einem “Bekenntnis des Vereins” abhängig gemacht. „Ein solches “Bekenntnis” kann der Verein, wie bereits mehrfach und ausführlich dargestellt, nicht abgeben, solange nicht geklärt ist, wozu er sich bekennt. Angesichts der völlig unklaren Finanzierungsfrage ist ein solches Bekenntnis obsolet und wirkt den Zukunftsplänen des bekanntesten Fußballvereins des Münsterlandes entgegen“, macht Vereinspräsident Christoph Strässer noch einmal deutlich.

Unabhängig von der offenen Finanzierungsfrage haben die Verantwortlichen des SC Preußen Münster, belegt durch die Expertise unabhängiger Experten, immer wieder darauf hingewiesen, dass der Standort Hammer Straße aktuell und erst Recht für die Zukunft keine Perspektive für erfolgreichen Profifußball mehr hat. Das gilt für die Begrenzung der Zuschauerkapazität auf 20.000 Besucher, die völlig unzureichende Infrastruktur (verkehrlich wie auch sportlich mit Blick auf Trainingsplätze oder ein notwendiges Jugendleistungszentrum) und erst recht für die Vermarktungs- und Werbemöglichkeiten.

Das Konzept der Gremien des SC Peußen Münster war und ist die Errichtung eines Stadions mit Mitteln privater Investoren. Die Bereitschaft von  Investoren, ein solches Projekt anzugehen und umzusetzen, besteht nach wie vor, allerdings nicht für den Standort Hammer Straße. Diese Botschaft war und ist klar und immer wieder vermittelt worden. Mit der Absage an die Entwicklung eines alternativen Standorts ist damit eine große Chance für die Stadt Münster und das Münsterland vergeben worden. Um die Zukunftsfähigkeit des SC Preußen Münster laufen deshalb konstruktive Gespräche zur Errichtung eines „Münsterlandstadions“ außerhalb des Stadtgebietes. Wir sehen dies als eine große Chance und wollen ein solches Leuchtturmprojekt mit Nutzen für die gesamte Region umsetzen.

Die Erfahrung aus mehr als 30 Jahren Stadiondebatte zeigen aber auch, dass es trotz der positiven Gespräche keine Garantie gibt, dass diese auch zu einem erfolgreichen Abschluss gebracht werden können. Deshalb ist es erforderlich, dass für diesen Fall zumindest auch weiterhin ein Ort für den Spielbetrieb des SC Preußen bereitsteht. „Soweit dies durch den Bebauungsplan gesichert wird, halten wir ihn für zweckmäßig, nicht mehr und nicht weniger. Die Zukunft des SC Preußen Münster sehen wir allerdings nicht an der Hammer Straße – daran ändert auch dieser Beschluss nichts“, so Christoph Strässer.



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