Fußball: 3. Liga
Zum Saisonstart herrscht Zuversicht beim SC Preußen Münster

Münster -

Der SC Preußen Münster ist gerüstet für die neue Saison: Das zumindest vermitteln glaubhaft die Erkenntnisse aus der langen Testphase. Marco Antwerpen kann sein Team mit breiter Brust zum Auftakt nach Köln schicken, allerdings auch mit leerer Brust. Vielleicht helfen drei Punkte zum Start bei der Sponsorensuche...

Mittwoch, 25.07.2018, 17:05 Uhr aktualisiert: 26.07.2018, 14:34 Uhr
Fußball: 3. Liga: Zum Saisonstart herrscht Zuversicht beim SC Preußen Münster
Preußen-Neuzugang Niklas Heidemann (l., im Zweikampf mit BVB-Amateur Amos Pieper) ist schon jetzt eine feste Größe in Antwerpens Preußen-Gerüst. Foto: Jürgen Peperhowe

Wer den Blick noch einmal ganz genau auf das Mannschaftsfoto richtet und dann die Herren mit den schwarz-grünen Längsstreifen durchzählt, mag sich wundern. 27 Fußballer haben sich da formiert. Trainer Marco Antwerpen aber beklagt einen zu schmalen Kader, fordert bis zu drei weitere Spieler und weist darauf hin, dass er seine Trainingseinheiten ab Mitte der Woche künftig in der Intensität massiv drosseln möchte, damit er keine weiteren Ausfälle riskiert.

Eine etwas genauere Betrachtung erklärt die Sorge des 46-Jährigen. Da wären Cyrill Akono und der dritte Keeper Marian Prinz, die in der U 19 Praxis sammeln sollen, oder Julian Conze und Adrian Knüver, die ihr erstes Lehrjahr wohl ausschließlich in der U 23 bestreiten werden. Außerdem ist mit Danilo Wiebe nach seinem Kreuzbandriss erst im nächsten Jahr wieder zu rechnen, und wie oft ­Dauer-Pechvogel Benjamin Schwarz wirklich einsatz­fähig ist, bleibt auch offen.

Alle ziehen voll mit

Schwupps, bleiben nur noch 21 Profis, mit denen Antwerpen fest plant. Das ist in der Tat nicht üppig, aber mehr sitzt in wirtschaftlich komplizierten Zeiten für den SCP aktuell einfach nicht drin. Die ­gute Nachricht lautet: Die, mit denen der Coach seit Wochen regelmäßig arbeitete, ziehen voll mit, besitzen schon Klasse oder mindestens großes Potenzial und haben in den Testspielen angedeutet, dass sie individuell wie als Team einiges zu leisten imstande sind.

Preußen Münsters Kader für die Saison 2018/19 - Kurzporträts

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  • Der SC Preußen der Saison 2018/2019:

    Obere Reihe von links

    Julian Conze, Danilo Wiebe, Fabian Menig, Ole Kittner, Simon Scherder, René Klingenburg, Jannik Borgmann, Dominik Lanius, Cyrill Akono, Rufat Dadashov, Lion Schweers, Philipp Hoffmann, Tobias Warschewski

    Mittlere Reihe von links

    Marco Antwerpen (Trainer), Kurtulus Öztürk (Co-Trainer), Milenko Gilic (Torwarttrainer), Helge Dahm (Zeugwart), Sandrino Braun, Niklas Heidemann, Ugur Tezel, Christian Krabbe (Leitender Physiotherapeut), Lukas Brüggemann (Physiotherapeut), Cornelius Müller-Rensmann (Mannschaftsarzt), Harald Menzel (Teammanager), Malte Metzelder (Geschäftsführer Sport)

    Vordere Reihe von links

    Adrian Knüver, Philipp Müller, Martin Kobylanski, Benjamin Schwarz, Oliver Schnitzler, Maximilian Schulze Niehues, Marian Prinz, Moritz Heinrich, Tobias Rühle, Lucas Cueto, Kevin Rodrigues Pires

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Slalom ist nicht die Disziplin von Fabian Menig. Der Mann ist absolut linientreu und läuft zuverlässig rechts auf und ab.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Jannik Borgmann ist groß und jung. Und weil er außerdem schon sehr abgeklärt und ruhig mit dem Ball umgeht, macht er den arrivierten Recken in der Innenverteidigung ordentlich Dampf.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Oliver Schnitzler ist die Nummer eins: So steht es zumindest auf seinem Trikot. Im Team muss er sich noch mit dem Kollegen Schulze Niehues über den Platz zwischen den Pfosten austauschen.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Sandrino Braun läuft, das haben jüngste Forschungen ergeben, mit Muskelkraft. Damit wären alle landläufigen Theorien, der Preußen-Dauerläufer sei duracell-betrieben, endlich entkräftet.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Philipp Müller ist technisch beschlagen und nach einer etwas längeren Fußballpause noch im Helene-Fischer-Modus, nämlich schnell atemlos. Die konditionellen Rückstände sollten aber bald behoben sein.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Rufat Dadashov war der Schrecken der Regionalliga Nordost. Drum ist man dort heilfroh, den Scharfschützen los zu sein. Ab sofort nimmt er die Drittliga-Tore ins Visier. Alle, außer dem der Preußen.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Sportfreund Kevin Rodrigues Pires kennt sich in Münsters Mittelfeld bestens aus – auch wenn er dort zuletzt immer gegen den SCP gearbeitet hat. Doch jetzt gehört er zum Team, das Lotter-Leben ist vorbei.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Tobias Rühle ist der Marc Wilmots des SC Preußen. Kompakt, drahtig und ganz schwer vom Ball zu trennen.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Martin Kobylanski ist der Mann für die besonderen Momente. Seine Freistöße können an guten Tagen Tor-des-Monats-Reife entwickeln. In diese Saison geht „Koby“ als Vize-Mapitän.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Ole Kittner ist der Münsteraner bei Münster und als Zentrum der westfälischen Dreierkette kaum mehr wegzudenken.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Für Ugur Tezel ist Münster eine Kleinstadt. Der gebürtige Berliner ist aus der Bundeshauptstadt in die westfälische Provinz gewechselt. Es dürfte dem 21-Jährigen keine Probleme bereiten, sich hier zurechtzufinden.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Kapitän Simon Scherder ist einer der selbsternannten „Ochsen“, die in der münsterischen Dreierkette die gegnerischen Stürmer zur Weißglut bringen.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Rene Klingenburg hat auf Schalke schon am Prof-Fußball geschnuppert, war zuletzt aber nur noch für die Schalker Amateure im Einsatz. In Münster will sich der ehemalige Knappe jetzt zum Ritter schlagen lassen.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Tobias Warschewski sucht eine Wohnung in Münster, auf dem Platz hat er schon eine Bleibe: In der Sturmspitze.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Marian Prinz hat seinen Platz im Tor sicher: Er sammelt Spielpraxis in der A-Junioren-Bundesliga.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Philipp Hoffmann ist der Mann für die schnellen Momente: Wenn es eilig ist, baut der SCP auf den Antritt des 25-Jährigen..

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Es ist ein Kreuz mit dem Band: Danilo Wiebe muss auf eine schnelle Heilung hoffen, damit er 2019 wieder zum Team stoßen kann.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Auch Benjamin Schwarz verbringt mehr Zeit in Warte- und Behandlungszimmern als auf dem Platz. Ist er gesund, dann ist er ein ganz wichtiger Leistungsträger.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Moritz Heinrich startet in sein zweites Preußen-Jahr und hat sich noch einige Ziele offengehalten. Die will er jetzt angehen.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Lion Schweers ist der Leisetreter in Münsters Abwehr-Dreigestirn. Seine Leistung ist aber auch ohne Worte immer ohne Fehl und Tadel.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Adrian Knüver trainiert mit der Ersten und spielt (noch) in der Zweiten.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Cyrill Akono hat seine Drittliga-Feuertaufe bereits hinter sich, soll jetzt aber zunächst die A-Junioren zum Bundesliga-Klassenerhalt bomben.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Niklas Heidemann findet Münster gut und Münster findet Heidemann gut: Die Preußen und ihr 23-jähriger Linksverteidiger haben in Bestzeit zueinander gefunden.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Max Schulze Niehues erwartet den nächsten Angriff auf den Posten zwischen den Pfosten, aber irgendwann steht der Mann aus Dreierwalde auf jeden Fall wieder im Kasten – versprochen.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Lucas Cueto wollte nicht gehen und jetzt sind alle froh, dass er bleibt. Der 22-jährige Kölner hat Stammplatz-Potenzial.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Dominik Lanius ist Innenverteidiger und damit in bester Gesellschaft. Der Ex-Kölner reiht sich ein in die Gruppe Hochbegabter in Münsters zentraler Abwehrreihe.

    Foto: Jürgen Peperhowe

Von den Neuzugängen hat sich gerade Niklas Heidemann in den Fokus gespielt, der Linksverteidiger bringt für diese Position alles mit. René Klingenburg und Kevin Rodrigues Pires sind bereit, Verantwortung im Zentrum zu tragen, Rufat Dadashov sucht den Weg zum Tor, Philipp Müller zeigte trotz Fitness-Rückstands schon besondere Fähigkeiten. Oliver Schnitzler ließ im Kasten bislang keine Schwäche erkennen, ­Dominik Lanius bringt viel Talent mit, Ugur Tezel beackert konsequent die rechte Bahn, und Jannik Borgmann ist hinten äußerst lernwillig.

Dazu kommt ein stabiles Gerüst mit erfahrenen Leuten wie Keeper Max Schulze Niehues, den Verteidigern und Kapitänen Ole Kittner und Simon Scherder, dem begabten Lion Schweers, Kämpfer­natur Fabian Menig, Abräumer Sandrino Braun, Laufwunder Philipp Hoffmann, Standard-Spezialist Martin Kobylanski oder Wusel­könig Tobias Rühle. Selbst die eigentlich aussortierten Tobias Warschewski und Lucas Cueto spielten sich in den vergangenen Wochen vehement in den Vordergrund und waren in den acht Testpartien die erfolgreichsten Preußen-Schützen.

Jüngste und formbarste Truppe der 3. Liga

So schlecht liest sich all das also gar nicht. Klar, die Konkurrenz hat Millionen in die Hand genommen. Allein namentlich klingen Eintracht Braunschweig, der 1. FC Kaiserslautern, KFC Uerdingen, 1860 München, Karlsruher SC oder Hansa Rostock furchteinflößend. Aber auch Münster hat ja einiges zu bieten.

In der vergangenen Rückserie holte Antwerpen mit einer Mannschaft, die er gar nicht zusammengestellt hatte, 34 Punkte in 19 Partien. Das war die fünftbeste Ausbeute der Liga. Ein guter Teamgeist, vor allem aber taktische Flexibilität und ein Plan für jeden Gegner waren damals ausschlaggebend. Diese Punkte möchte der Coach bewahren und verfeinern. Drei, vier unterschiedliche Systeme hat er seinen Schützlingen eingebrannt, dazu diverse Grundeinstellungen, die von eigener Dominanz über aggressives Pressing bis zu einem Defensivriegel mit Fokus auf schnellem Umschalten reichen.

Bis vor wenigen Jahren hatten die Preußen noch regelmäßig den ältesten Kader. Heute ist das völlig anders. 23,5 Jahre alt sind die 27 im Schnitt. Damit haben die Münsteraner, die vermehrt auf die eigenen Jugend vertrauen und bauen, mit die jüngste und formbarste Truppe der 3. Liga.

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