Fr., 21.09.2018

Fußball: 3. Liga Kobylanski-Gala als Krisenbremse

Küsschen für... ja für wen denn? Doppelpacker Martin Kobylanski feiert mit Vorbereiter Rufat Dadashov den Führungstreffer.

Küsschen für... ja für wen denn? Doppelpacker Martin Kobylanski feiert mit Vorbereiter Rufat Dadashov den Führungstreffer. Foto: Jürgen Peperhowe

Münster - 

Der Herbst ist da, aber die in den vergangenen beiden Jahren nicht zu verhindernde Preußen-Krise ist fürs Erste abgewendet. Unter Flutlicht zu Hause, das lag den Münsteranern mal wieder. Schon in der Anfangsphase zogen sie nach zuletzt drei Niederlagen (mit dem 1:4 in Aalen als Tiefpunkt) Energie Cottbus den Zahn. Beim 3:0 (2:0) war Martin Kobylanski mit zwei schnellen Treffern und einer Vorarbeit der Mann des Abends.

Von Thomas Rellmann

Noch hatten gar nicht alle Zuschauer, unter ihnen erstmals wieder der langjährige und vor knapp zwei Jahren verabschiedete Sportvorstand Carsten Gockel, Platz gefunden, da führte der Gastgeber bereits. Rufat Dadashov schaltete bei einem Einwurf blitzschnell, während die Lausitzer Deckung – alle voran Daniel Stanese – schlief, und beförderte die Kugel in den Lauf von Kobylanski.

Kobylanski „on fire"

Der Ex-Cottbuser schüttelte, obwohl selbst überrascht, Andrej Startsev ab und zog trocken zum 1:0 ab. Zweieinhalb Minuten waren da gespielt. Auf den Jubel verzichtete der 24-Jährige, der wie Lion Schweers, Jannik Borgmann und Tobias Rühle neu in der Startelf war, weitgehend. Aber er war auf Betriebstemperatur. Kurz darauf bediente er Fabian Menig perfekt, doch der verstolperte frei (7.).

Kobylanski „on fire“. Was für ein Glücksgriff von Trainer Marco Antwerpen! Denn sein Zehner machte auch das 2:0. Langer Ball von René Klingenburg, freie Bahn für Rühle, einmal den Kopf hoch, Querpass – und der Standardspezialist musste nur noch einschieben (9.). Er kann es auch ohne ruhende Bälle, das waren die Beweise.

Fotostrecke: Einzelkritik: Preußen Münster vs. Energie Cottbus

So stellte sich der Rest des Teams an

Zwei schön herausgespielte Tore waren das eine, aber auch der Rest des Teams funktionierte. Wie Schweers oder Niklas Heidemann oder all ihre Defensivkollegen Top-Stürmer Streli Mamba abservierten, wie das Mittelfeld kompromisslos abräumte, das kam Antwerpens Vorstellung schon sehr nahe. Logisch, der Gast hatte nun mehr vom Spiel, Münster formierte sich engmaschig, doch bei Ballgewinn ging’s schnurstracks nach vorne. Die Dreierkette klärte alle hohen Hereingaben souverän. Dadashov ackerte vorne viel und half hinten oft aus.

Fotostrecke: SC Preußen Münster vs. Energie Cottbus

Abflauende Leistung vor der Pause

Obacht war indes geboten. Je mehr es Richtung Pause ging, desto passiver wurde der SCP. Auch wenn Cottbus bis auf einen Fernschuss von Lasse Schlüter (45.+1) und einen Kopfball von Marc Stein (45.+2) harmlos blieb.

Aus der Kabine kamen die Hausherren wieder etwas risikofreudiger. Kobylanski forderte bei einem Freistoß an der Seitenlinie die Gegengerade zu noch mehr Unterstützung auf und erntete sofort Resonanz. Diese Symbiose wirkte: Der Doppel-Torschütze brachte die Kugel scharf an den Fünfer, wo Borgmann mit dem Kopf zum 3:0 zur Stelle war und sein Premierentor für die Profis ausgelassen bejubelte (54.). Die Zuschauer feierten spätestens jetzt ebenso frenetisch mit. Und hatte sich da in der Ostkurve sogar nach achtmonatiger Totenstille gar wieder eine neue kleine Gruppe mit Trommeln und organisiertem Support versammelt?

Drei Fragen an Martin Kobylanski

Zwei Tore, eine Vorlage gegen seinen Heimatclub Energie, für den er von 2001 bis 2012 spielte – für Martin Kobylanski lief der Abend ideal.

Ein perfekter Tag für Sie?

Kobylanski: Ja, die Mannschaft war gut. Beim 1:0 schalten Rufat Dadashov und ich schnell, das war wohl mein erster Ballkontakt. Beim 2:0 macht es Tobias Rühle top. Beim dritten läuft Jannik Borgmann mit seinen gefühlt drei Metern endlich mal rein. Da hat alles gepasst.

Wie eng sind die Drähte nach Cottbus noch?

Kobylanski: Ich kenne zwar keine Spieler mehr, aber die Physios, Teamärzte von früher. Das ist natürlich schön, gegen seinen Ex-Verein zu treffen.

Haben Sie nach drei Pleiten Druck verspürt?

Kobylanski: Ich persönlich nicht. Vielleicht war eine leichte Unsicherheit da. Das Spiel in Aalen haben wir gar nicht mehr groß analysiert. Es geht ja immer bei 0:0 los.

Endphase im Energiesparmodus

Auf dem Rasen unternahm Energie einen letzten Versuch, SCP-Keeper Max Schulze Niehues war gegen Maximilian Zimmer aber wach (61.). Ansonsten war die letzte halbe Stunde unspektakulär. Ein paar Körner sparten die Teams in der englischen Woche gern. Energie ließ dem Frust bei diversen überharten Aktionen freien Lauf. Ganz ohne Blessuren kamen die Preußen nicht ins Ziel. Simon Scherder sah zudem Gelb-Rot (86.) und fehlt Dienstag in Rostock. Aber vor allem die drei Punkte zählten.


SCP: Schulze Niehues - Schweers, Kittner, Borgmann - Menig, Scherder, Klingenburg (70. Braun), Heidemann - Kobylanski (84. Müller) - Rühle (59. Cueto), Dadashov

Energie: Spahic - Startsev (54. Vitteriti), Mautwila, Stein, Schlüter - Stanese (8. Weidlich) - Baude, Zimmer, de Freitas, Graudenz (72. Beyazit) - Mamba

Schiedsrichter: Nicolas Winter (Freckendorf)

Tore: 1:0 Kobylanski (3.), 2:0 Kobylanski (9.), 3:0 Borgmann (54.)

Zuschauer: 6802

Gelb: Klingenburg, Dadashov / Startsev, Baude, Stein

Gelb-Rot: Scherder (87.)



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