So., 23.09.2018

Fußball: 3. Liga Preußen meistern die erste große Drucksituation

Bis zum Umfallen: Martin Kobylanski hilft seinem Teamkollegen Fabian Menig, der einen Krampf erlitten hat.

Bis zum Umfallen: Martin Kobylanski hilft seinem Teamkollegen Fabian Menig, der einen Krampf erlitten hat. Foto: Jürgen Peperhowe

Münster - 

Zunächst merkte Preußen-Trainer Marco Antwerpen nach dem 3:0 gegen Cottbus eher die Defizite seiner Mannschaft an. Auf Nachfrage verteilte er dann doch Lob an ein Team, das die erste große Drucksituation der Saison imposant meisterte.

Von Thomas Rellmann

Als hätten sich die Trainer abgesprochen, verteilten sie gegenseitig ungefragt große Komplimente. Preußen-Coach Marco Antwerpen lobte Claus-Dieter Wollitz für die „hervorragende Arbeit“ bei Energie Cottbus, der revanchierte sich mit dem Verweis auf die schwierigen Bedingungen in Münster, holte sogar bis 2012/13 aus, als „der Verein über seine Verhältnisse gelebt“ habe. „Das müssen andere jetzt hier noch ausbaden.“ Damals war der Heißsporn beim Erzrivalen VfL Osnabrück im Amt.

Antwerpen dürfte innerlich genickt haben bei den Ausführungen. Die fehlenden Mittel waren in den vergangenen Wochen ein großes Thema. Nach dem starken 3:0 (0:0) gegen die Lausitzer am Freitagabend reagierte er zunächst erneut antizyklisch und sprach mehr über die Fehler als die guten Aspekte. „Die Jungs sitzen fix und fertig in der Kabine. In den Heimspielen hatten wir bisher ja schon so unsere Probleme. Mit dem schnellen 2:0 hat das Spiel seinen Verlauf genommen. Aber am Dienstag in Rostock brauchen wir längere Ballbesitzphasen“, sagte er. „Sonst holen wir dort nichts.“

Fotostrecke: SC Preußen Münster vs. Energie Cottbus

Lob für SCP-Trio

Auf Nachfragen ließ sich der 46-Jährige aber auch Lob entlocken. Etwa für Rufat Dadashov. „Ihm haben wir vor drei Wochen gesagt, dass er jetzt erst mal uneingeschränkt Spielzeit erhält. Wir haben ihn für sein Anlaufverhalten vielleicht zu hart kritisiert. Aber ich weiß ja, wie es ist, vorne drin zu spielen“, so der Ex-Stürmer. Oder für René Klingenburg, der nach einem Zweikampf mit Kevin Weidlich eine leichte Schädelprellung erlitt, bei Hansa aber auflaufen soll: „Wir können auf viele verzichten, auf ihn nicht.“

Und natürlich äußerte sich Antwerpen auch zu Matchwinner Martin Kobylanski (zwei Tore, ein Assist). „Seine Fähigkeiten sind herausragend für die 3. Liga. Er muss sie regelmäßig abrufen, so wie diesmal. In der vergangenen Woche hat Martin hart trainiert und so seine Chance genutzt.“ Der Spieler selbst sagte trotz häufiger Jokerrolle: „Der Trainer hat Ideen und begründet sie auch. Da vertrauen wir ihm.“ Keine forsche Stammplatzforderung also. Auch das sagt ja etwas aus.

Fotostrecke: Einzelkritik: Preußen Münster vs. Energie Cottbus

Minikrise gemeistert

Mit der Deckung war Antwerpen ohnehin einverstanden: „Unsere Innenverteidiger haben eine Menge richtig gemacht, wir haben wieder mannorientierter gespielt. Wenn man 2:0 führt, tendiert man dazu, etwas tiefer zu stehen. Aber das ist nicht schlimm.“ Fester Teil des Verbunds war auch wieder Kopfball-Torschütze Jannik Borgmann. Der erst im Sommer zu den Profis aufgerückte Youngster plauderte offen über die Stimmung nach zuletzt drei Niederlagen. „Die war nicht so gut. Sowas wie Druck kannte ich bisher gar nicht. In der 3. Liga ist das anders als in der Westfalenliga.“ Er und sein Team haben die Minikrise aber vorerst gemeistert.

Scherder schimpft

Der Ärger stand Simon Scherder ins Gesicht geschrieben. Diese Ampelkarte kurz vor Schluss war unnötig. In doppelter Hinsicht. Er hatte Recht, dass sein Einsteigen gegen Marcel Baude nicht zwingend gelbwürdig war. Aber er hätte, bereits verwarnt, auch zurückziehen können. „Ich bin richtig angefressen. Jetzt entgeht mir Dienstag das Spiel in Rostock“, raunte der Kapitän. „Da wartet auf uns ein geiles Stadion, dazu sind dort viele alte Bekannte“, sagte der 25-Jährige und dachte an Trainer Pavel Dotchev, Julian Riedel, Marco Königs oder Amaury Bischoff. Mitfahren an die Ostsee möchte er dennoch. Seinen Auftritt gegen Cottbus – erstmals in dieser Saison als Sechser für den etwas überspielten Sandrino Braun – sah er unabhängig vom Platzverweis, kritischer als andere. „Gerade in der ersten Hälfte bin ich etwas wild über den Platz gerannt, das war nicht hundertprozentig.“ Und dass er wie vier Wochen zuvor in Osnabrück Gelb-Rot sah, kreidete er sich letztlich auch an: „Zwei Mal nach acht Spieltagen vom Platz zu fliegen – das ist einfach zu viel.“



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