Mi., 26.09.2018

Fußball: 3. Liga Der Blitzstart wird für die Preußen zum Programm

So jubelten die Preußen in Rostock: Lion Schweers (l.) klatscht Ole Kittner ab, Fabian Menig umarmt Lucas Cueto (r.).

So jubelten die Preußen in Rostock: Lion Schweers (l.) klatscht Ole Kittner ab, Fabian Menig umarmt Lucas Cueto (r.). Foto: imago/Eibner

Münster - 

Dieser Sieg war ein Ausrufzeichen. Das Ergebnis – 4:1 bei Hansa Rostock – sowieso, aber auch die Art und Weise, wie Preußen Münster an der Ostsee auftrat, hatte Klasse. Die Achse stand optimal. Dennoch ist ein Tritt auf die Euphoriebremse unvermeidlich.

Von Alexander Heflik

Der Treppenwitz des Abends war dann gekommen, als die Spieler des SC Preußen den Rasen des Ostseestadions verließen. Die mächtige Fankurve von Hansa Rostock skandierte „Auswärtssieg, Auswärtssieg“. Was für die unterlegenen Gastgeber vor allem als Ansporn für das Spiel in Halle (das später abgesagt wurde) sein sollte, konnten die Preußen getrost auch als ihren Beifall verbuchen. 4:1 – war das ein starkes Stück.

Der etwas andere, der ein wenig neue SCP fuhr nicht fünfeinhalb Stunden zurück, sondern kehrte zur Nachtruhe im nahen Wismar ein. Trainer Marco Antwerpen wollte sofort mit der Regeneration beginnen, keine elendslange Kutschfahrt nach Münster mit Muskelkater und müden Knochen. „So schlafen wir aus, frühstücken gemeinsam, fahren zusammen heim und können noch am Mittwoch vernünftig trainieren“, sagte er, und dachte natürlich bereits an die Flutlichtpartie am Freitag daheim gegen den SV Wehen Wiesbaden (19 Uhr).

 

Fotostrecke: Hansa Rostock vs. Preußen Münster

 

Kommentar: Spannende Elf aus der Wundertüte

Vor der Saison drucksen Trainer und Verantwortliche sich gerne um die Antwort herum. Lieblingsausflucht: „Nach zehn Spieltagen wissen wir mehr.“ Am Freitag lässt sich also erahnen, wo es mit dem SC Preußen hingehen kann. Das Verfolgerduell gegen Wiesbaden wird die Tendenz festschreiben. Zehnter Spieltag halt. Mit einem Sieg stünde der SCP vor einem goldenen Herbst.Aus der Wundertüte Preußen Münster haben Sportchef Malte Metzelder und das Trainergespann Marco Antwerpen/Kurtulus Öztürk eine spannende Formation gezaubert. Der Drittligist, in den letzten beiden Spielzeiten nach dem ersten Saisonviertel stets im Aufzug nach unten, kann mehr als nur mithalten. Viele Neuzugänge haben positiv überrascht. Unter Flutlicht am Freitag hat das Team eigentlich mal wieder eine fünfstellige Kulisse verdient.

Münster in Rostock unterstrich, dass der SCP über eine starke Achse verfügen kann: Torhüter Max Schulze Niehues, der sich mit seiner westfälischen Ruhe von nichts irritieren ließ. Davor wurde deutlich, warum Routinier Ole Kittner – er mag den Begriff nicht wirklich – so wichtig als Strippenzieher des Defensivverbundes ist. Nur sein Wort zählt. Freigeist Kevin Rodrigues Pires mit einer filigranen ersten Halbzeit ohne jede Beschattung durch den Gegner als Mann zwischen den Linien war ein Coup des Trainers. René Klingenburg noch ein Stückchen davor, der bei jedem Brandherd auf dem Feld seine Hände im Spiel hatte – mal als Brandstifter, mal als Feuerwehrmann. Und natürlich Rufat Dadashov.

Sein Doppelpack nach nicht einmal sechs Minuten führte Münster auf die Siegerstraße, später traf er zum 3:1 nach 65 Minuten. Partout wollte er nicht verraten, wie viele Tore er plane, in dieser Saison zu schießen. Am Freitag kommt es zum Aufeinandertreffer der Top-Torjäger in Liga drei, auch Daniel-Kofi Kyereh hat fünf Treffer markiert. „Das war ein geiles Spiel von uns“, sagte er ruhig nach Spielende. Er wisse gar nicht, ob er schon mal drei Tore in einer Begegnung erzielt habe. Hat er schon, zuletzt im Dezember in der Regionalliga Nordost beim 5:0-Triumph für den BFC Dynamo über den FSV Luckenwalde. Und drei Mal in Diensten des ZFC Meuselwitz im Köstritzer-Pokal, dem Verbandswettbewerb in Thüringen gegen Fortuna Körner, SGG Schweina und den Hainaer SV. Das wäre auch geklärt. Nicht zu vergessen sein Viererpack im August für Münster, im Westfalenpokal gegen den BSV Schüren.

Fotostrecke: Einzelkritik: Hansa Rostock vs. Preußen Münster

Sportchef Malte Metzelder wollte nach dem zweiten Sieg mit Blitzstart-Doppelpacks in Folge – zuvor gab es ja gegen Cottbus den 3:0-Sieg – auf keinen Fall abheben. „Ich drücke die Euphoriebremse“, sagte er gelassen nach dem Erfolg beim Aufstiegsanwärter. Nichtsdestotrotz hofft er am Freitag auf eine gute Kulisse, bislang kamen 7833 Zuschauer im Schnitt zu den vier Heimspielen (31 335 insgesamt). Aber, so Metzelder: „Phasenweise war das richtig gut.“

Antwerpen sprach von einer ersten halben Stunde, die seinen Vorstellungen ganz nah kam. „In Teilen war die Umsetzung überragend. Vieles war so, wie wir es haben wollten.“ Eine Wiederholung dieser Leistung gegen Wehen Wiesbaden ist der Plan. Die Preußen waren vor zwei Partien noch in der Krise, jetzt sind sie auf dem Vormarsch, die 3. Liga ist schon ein verrücktes Huhn. Vorhersehbar? Nichts.



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