Keine Tore zwischen dem SCP und 1860 München
Schwerstarbeit für einen Punkt

Münster -

Was für ein wunderbarer Nachmittag für Fußball im Preußenstadion. Und obwohl vor den Augen von 12.532 Zuschauern keine Tore fielen zwischen Preußen Münster und TSV 1860 München, Chancen rares Gut blieben, ging keiner der Besucher grimmig oder miesmutig heim. Das war mal eine intensive Partie gewesen, ein wilder Kampf um die Deutungshoheit auf dem Spielfeld, nicht immer hochklassig, aber verbissen an der Grenze von Leistungsfähigkeit und Erlaubtem geführt vom ersten Augenblick bis zur letzten Sekunde.

Sonntag, 04.11.2018, 18:26 Uhr aktualisiert: 04.11.2018, 18:36 Uhr
Volles Haus im Preußenstadion. Hier klärt nach einer Ecke Münchens Torwart Marco Hiller vor Münsters aufgerückten Innenverteidigern Jannik Borgmann und Ole Kittner (verdeckt).
Volles Haus im Preußenstadion. Hier klärt nach einer Ecke Münchens Torwart Marco Hiller vor Münsters aufgerückten Innenverteidigern Jannik Borgmann und Ole Kittner (verdeckt). Foto: Jürgen Peperhowe

Münster bleibt ungeschlagen seit sieben Begegnungen und festigte Rang zwei, der Aufsteiger aus München findet sich im Dunstkreis der Spitzenteams wieder. „Das 0:0 geht in Ordnung“, befand Gäste-Trainer Daniel Bierofka, der frühere Erstliga-Profi treffend.

Das war keine Fehlentscheidung, das war eine katastrophale Fehlentscheidung. Es reicht.

SCP-Trainer Marco Antwerpen

Obwohl: In diesen Kanon stimmte Münsters Übungsleiter Marco Antwerpen nur bedingt ein. Der 47-Jährige hatte zwei Knackpunkte ausgemacht, die möglicherweise die Siegchancen des SCP gemindert hatten. Da war ein Foulspiel von Romuald Lacazette, der nach zehn Minuten mit einer Flugeinlage SCP-Verteidiger Jannik Borgmann von den Beinen holte. Referee Florian Lechner zeigte die Gelbe Karte, sein Linienrichter hätte es besser wissen müssen, denn die TV-Bilder bewiesen das grobe Foulspiel des Gäste-Akteurs. Antwerpen: „80 Minuten in Überzahl, das Spiel hätte einen anderen Verlauf nehmen können.“ Der Preußen-Trainer hadert sowieso gerade mit den Referees, schon zuletzt in Meppen beim 2:1-Sieg stellte er gravierende Minusleistungen bei der Spielleitung fest. So auch in dieser Szene: „Das war keine Fehlentscheidung, das war eine katastrophale Fehlentscheidung. Es reicht.“

Drei Fragen an Moritz Heinrich

Vom Tribünengast zum Stammspieler. Moritz Heinrich (21) ist aktuell auf der linken Seite beim SCP auf der Überholspur. Mit ihm sprach Alexander Heflik nach der Partie.

Wie fällt ihre Bilanz nach dem 0:0 aus?

Moritz Heinrich: Servus. In der ersten Halbzeit war es schwieriger für uns. Nach dem Wechsel rückte ich weiter nach außen und kam so besser ins Spiel. Wir hatten unsere Chancen, aber wir haben auch nicht unseren besten Fußball gespielt.

Sie haben früher für 1860 München gespielt. Gab es Wetten mit ehemaligen Teamkollegen?

Heinrich: Ja, da lief was zwischen Eric Weeger, Nico Karger und mir. Da keine Mannschaft gewonnen hat, lief es für keinen von uns richtig gut.

War es denn ein besonderes Spiel für Sie?

Heinrich: Ja, natürlich. Ich habe 15 Jahre für die Sechzger gespielt, darunter auch zwei Jahre für Trainer Daniel Bierofka. Mit dem Ergebnis können wir alle leben.

...

Tatsächlich konnte man Antwerpens Ausführungen über Referee Lechner folgen, der bei kleinen Ungereimtheiten schnell mit dem Pfiff zur Stelle war, in drei, vier „großen Szenen es durchgehen ließ“. Wobei beide Mannschaften in Sachen Einsatz alles ausloteten. So wurde es ein Spiel mit vielen, vielen Zweikämpfen, Kopfballduellen und einigen Nickeligkeiten. Spannend war es. Chancen gab es wenige, die „Löwen“ hatten dabei durch einen Lattenknaller von Herbert Paul (34.) und einen von Max Schulze Niehues abgewehrten Schuss von Elkan Bekiroglu die Möglichkeiten zur Führung vor der Pause. Nach dem Wechsel diktierte der SCP die Partie, die Abwehr um den überragenden Ole Kittner stand sattelfest, Rufat Dadashow, zwei Mal der Ex-Löwe Moritz Heinrich und Philipp Müller versuchten sich in Abschlüssen.

"Last-Minute-Sieg" auf dem Silbertablett

Und dann lag drei Minuten vor dem Ende der „Last-Minute-Sieg“ auf dem Silbertablett, als Rene Klingenburg einen traumhaften Ball in die Tiefe auf Martin Kobylanski spielte – und der neben das Tor schoss. „Wir hatten unsere ein, zwei Chancen, aber am Ende fehlte das Quäntchen Glück“, meinte Rene Klingenburg später. Seine Gesamtbilanz fällt dennoch positiv aus: „Ob das 0:0 ein Rückschlag für uns ist? Um Gottes Willen, nein.“

Einzelkritik: Preußen Münster - 1860 München

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  • Torwart Max Schulze Niehues, Note 2,5, hatte einen schwierigen Ball zu klären - und tat das. Mehr passierte in seinem Fünfmeterraum nicht, beim Lattentreffer der Gäste chancenlos.

    Foto: WN/SCP
  • Innenverteidiger Lion Schweers, Note 2,5, rieb sich in den Zweikämpfen mit Ex-Preuße Adriano Grimaldi förmlich auf. Defensiv bärenstark, offensiv zu wenig zu sehen.

    Foto: WN/SCP
  • Innenverteidiger Ole Kittner, Note 2, agierte in der Abwehrzentrale fehlerfrei, der Chef im Ring. Ein sehr, sehr überzeugender Auftritt.

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  • Innenverteidiger Jannik Borgmann, Note 3, Licht und Schatten wechselten sich ab, hätte fast mit einer Brustannahme den Gästen aus München die Führung auf dem Silbertablett serviert. Nach dem Wechsel aber fehlerfrei.

    Foto: WN/SCP
  • Mittelfeldspieler Fabian Menig, Note 3,5, hatte eine Menge Zweikampfarbeit auf seiner rechten Seite zu verrichten. Hatte schon bessere Auftritte.

    Foto: WN/SCP
  • Mittelfeldspieler Rene Klingenburg, Note 2,5, war vor der Pause Dreh- und Angelpunkt im Preußenspiel, nach der Pause auch. Ein echter Leitwolf neben Ole Kittner.

    Foto: WN/SCP
  • Mittelfeldspieler Kevin Rodrigues Pires, Note 3, machte sein Ding, versuchte immer wieder, den Defensivblock der „Löwen“ zu überspielen. Das hatte was.

    Foto: WN/SCP
  • Mittelfeldspieler Martin Kobylanski, Note 4, hatte dieses Mal kein Timing in seinen Standardsituationen bei Ecken und Freistößen. Es passte ins Bild, dass er kurz vor Schluss die beste Chance des SCP nicht zum Siegtreffer verwandelte.

    Foto: WN/SCP
  • Mittelfeldspieler Moritz Heinrich, Note 2,5, wächst immer mehr in seine Rolle auf der linken Seite rein. Gerade nach dem Wechsel nicht nur defensiv gut, sondern auch mit einigen vielversprechenden Aktionen nach vorne.

    Foto: WN/SCP
  • Angreifer Tobias Rühle, Note 3,5 ackerte und wühlte sich durch die Partie. Allerdings fehlten ihm die klaren Aktionen.

    Foto: WN/SCP
  • Angreifer Rufat Dadashov, Note 4, erhielt seinerseits kaum brauchbare Anspiele. Andererseits drehte er sich bei seiner einzigen Torchance in die falsche Richtung. Kein guter Spieltag für ihn.

    Foto: WN/SCP
  • Einwechselspieler Philipp Müller, keine Note, kam für Tobias Rühle und hatte einige gute Szenen, verbockte allerdings auch einen brandgefährlichen Konter der Gäste. Das ging noch mal gut.

    Foto: WN/SCP
  • Einwechselspieler Lucas Cueto, keine Note, kam für Rufat Dadashov. Konnte sein Tempo gegen die 5 tiefstehende 1860-Verteidigung nicht ausspielen, hatte aber zwei, drei gute Ballgewinne.

    Foto: WN/SCP

Antwerpen haderte derweil auch mit der Bodenbeschaffenheit im Preußenstadion, schon Anfang Oktober war das Geläuf in schlechtem Zustand. Unisono war von den Spielern zu hören, dass es extrem schwierig war, die geplanten spielerischen Akzente auch deshalb zu setzen. „Mancher Rasenplatz in der Oberliga ist besser. Nach einem Spiel sieht der Platz wie eine Wiese aus“, sagte Antwerpen kopfschüttelnd. Abhilfe scheint nicht in Sicht. Vielleicht kommt das Auswärtsspiel in Großaspach da gerade recht, vor vielleicht nur einem Bruchteil der Kulisse vom Samstag – dafür dürfte das Spielfeld in der Mechatronik-Arena eine Art Grünflächenteppich sein. Immerhin.

Schweers stoppt Grimaldi

Als zentraler defensiver Mittelfeldspieler kehrte Kevin Rodrigues Pires in die Startelf der Preußen zurück. Nach Ablauf der Gelb-Sperre war er erste Wahl, Philipp Müller musste auf die Reservebank rücken. Münster spielte wieder mit einer Dreierkette und einem 3-5-2-System. Überraschend war, dass die Gäste aus München ebenfalls mit Dreierkette agierten. Gerade vor der Pause war die 1860-Doppelspitze mit Sascha Mölders und Adriano Grimaldi griffiger als die der Preußen mit Tobias Rühle und Rufat Dadashov. „Ich fand, wir hatten die besseren Chancen als Münster. Die Art, wie wir gespielt haben, auf der können wir aufbauen“, gewann Ex-Preuße Grimaldi der Nullnummer Positives ab. „Wir haben beide wohl ein paar Blessuren nach diesem Spiel, aber es war fair von beiden“, war auch Grimaldis Widerpart Lion Schweers zufrieden.

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Preußen Münster - 1860 München

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  • Kehrte an alte Wirkungsstätte zurück: Adriano Grimaldi (hier gegen Lion Schweers).

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Rene Klingenburg setzt sich gegen Efkan Bekiroglu und Quirin Moll durch.

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  • Immer auf Ballhöhe: Rufat Dadaschov.

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  • Lion Schweers im Luftkampf gegen Routinier Sascha Mölders.

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  • Dicke Luft vor dem Tor von 1860-Keeper Marco Hiller.

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  • Schenken sich nichts: Preußens Martin Kobylanski im Duell mit Münchens Efkan Bekiroglu.

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  • Fabian Menig und Efkan Bkiroglu im Kampf um die Kugel.

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  • Schiedsrichter Florian Lechner zeigt Grimaldi die gelbe Karte.

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  • SCP-Coach Marco Antwerpen.

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  • Tobias Rühle behält gegen Quirin Moll die Oberhand.

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  • SCP-Coach Marco Antwerpen.

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  • Kopfball-Sieger: Kevin Pires-Rodrigues.

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  • Gelb für Grimaldi von Schiedsrichter Florian Lechner.

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  • SCP-Coach Marco Antwerpen ...

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  • ... und sein Münchner Pendant Daniel Bierofka.

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  • Die Fans der „Sechziger“ machen Stimmung.

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  • SCP-Coach Marco Antwerpen.

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  • Noch mehr Stimmung im Block der Gäste.

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  • Löwen-Coach Daniel Bierofka.

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  • Viel Trubel rund um Jannik Borgmann.

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  • Trikottausch nach dem Schlusspfiff: Tobias Rühle und Adriano Grimaldi.

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  • Trikottausch nach dem Schlusspfiff: Tobias Rühle und Adriano Grimaldi.

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  • Tobias Rühle und Rene Klingenburg im Austausch mit Herbert Paul und Schiedsrichter Florian Lechner.

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  • Adriano Grimaldi beim Trikottausch.

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  • Jannik Borgmann bekommt es mit Felix Weber und Adriano Grimaldi zu tun.

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  • 1860-Keeper Marco Hiller behält den Durchblick.

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  • Packende Szene mit Löwen und Adlern.

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  • Adriano Grimaldi hat noch viele gute Bekannte in Münster.

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  • 1860-Coach Daniel Bierofka.

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  • Rene Klingenburg und Stefan Lex kämpfen um den Ball.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Die Trainer der beiden Traditionsvereine an der Seitenlinie.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Rene Klingenburg läuft in dieser Szene allen davon.

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  • Jannik Borgmann als Sieger im Kopfball-Duell.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Fabian Menig und Herbert Paul im Zweikampf.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Tobias Rühle und Lion Schweers suchen das Gespräch mit dem Unparteiischen.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Rene Klingenburg im Duell mit Quirin Moll.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Ratlos? Löwen-Coach Daniel Bierofka.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Eng am Ball: Ex-Preuße Adriano Grimaldi.

    Foto: Jürgen Peperhowe

 

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