So., 11.11.2018

Fußball: 3. Liga Serienende in Großaspach für fahrlässige Preußen

Oh, Gott – was war das? Lion Schweers (l.) und Jannik Borgmann sind ratlos nach dem 1:3 in Aspach.

Oh, Gott – was war das? Lion Schweers (l.) und Jannik Borgmann sind ratlos nach dem 1:3 in Aspach. Foto: Jürgen Peperhowe

Großaspach - 

Mitte September hatte Preußen Münster zuletzt ein Ligaspiel verloren. Die Serie endete abrupt am Sonntagnachmittag bei der SG Sonnenhof Großaspach. Der Tabellenzweite verlor 1:3 nach einer schlechten ersten Hälfte und einer zweiten, in der der Ausgleich möglich war.

Von Alexander Heflik

Vor der Pause konnte einem angst und bange werden. War das der SC Preußen Münster, der sieben Partien ungeschlagen geblieben und auf Rang zwei der 3. Liga vorgestürmt war? „Fahrlässig, was wir uns vor der Pause erlaubt haben“, schimpfte Trainer Marco Antwerpen nach der Partie bei der SG Sonnenhof Großaspach, diesem 1:3 (0:2) vor 1500 Zuschauern im Stuttgarter Vorland. Die Lernkurve der letzten Wochen, die meist nach oben zeigte, riss abrupt ab. Rückfall in alte Zeiten, eine unterirdische Vorstellung in Halbzeit eins, kein Spielwitz, keine Zweikampfhärte, keine taktische Disziplin und zwei kinderleicht erzielte Treffer der Hausherren – dieser Ballast ließ sich nach dem Wechsel nicht mehr abwerfen.

Es war zum Haare raufen, was die Adlerträger in der Mechatronik-Arena ablieferten. Fünf gute Minuten, nicht länger als ein Song von Andrea Berg, dauerte die gute Phase der Preußen zu Beginn. Deren, also Bergs, Ehemann Uli Ferber sponsert Großaspach, das Paar wohnt in Kleinaspach. Doch dann, nach einer Liedlänge, übernahmen die Hausherren das Geschehen. Nach zehn Minuten klärte Max Schulze Niehues noch einen Schuss von U-20-Nationalspieler Makana Nsimba Baku gedankenschnell mit dem Fuß. Lion Schweers bekam seinen Fuß noch dazwischen, als Philipp Hercher aus kurzer Distanz das 1:0 verpasste (24.). Timo Röttger besorgte, nachdem er noch eine Großchance vertan hatte (31.), im nächsten Augenblick die völligverdiente Führung (33.). Der SCP verteidigte schludrig und schlampig, Fabian Menig, Schweers und am Ende der Fehlerkette Jannik Borgmann verhinderten nichts – Röttgers Drehschuss von der Strafraumgrenze war zudem ein feiner Federstrich. Antwerpen: „Wir hatten das besprochen ...“ Auch ihm fehlten die Worte, es war auch nur eine von sehr vielen wankelmütigen Verteidigungsszenen des SCP.

 

Fotostrecke: Großaspach - Preußen Münster 3:1

 

Drei Fragen an Max Schulze Niehues

Seinen 30. Geburtstag hatte sich Torwart und Eigengewächse Max Schulze Niehues auch anders vorgestellt als mit einer 1:3-Pleite in Aspach.Die Geburtstagsfeier sollten sicher eine schönere werden – oder wie sah der Plan aus?Schulze Niehues: Mit Sicherheit. Ein Sieg war mein Wunsch. In der Summe haben wir aber kein gutes Spiel abgeliefert. Das war keine gute Leistung von uns. Das Ergebnis geht in Ordnung.Wie haben Sie das Spiel von hinten erlebt?Schulze Niehues: Nach der Pause hatten wir unsere Chancen. Aber wenn wir ehrlich sind, dann haben wir zu viele Dinge einfach nicht richtig gemacht. Man kann da keinen rausnehmen. Das fängt bei mir mit der Verlagerung bei Abschlägen an, geht weiter über den Spielaufbau, wie wir Bälle festgemacht haben, wie wir verteidigt haben und vieles mehr. Wir waren nicht gut.Wie geht es nun weiter?Schulze Niehues: Natürlich hätten wir gerne unsere Serie ausgebaut. Die Niederlage ist schlecht, das müssen wir aufarbeiten, dafür haben wir eine Woche Zeit. Dann beginnt die nächste Vorbereitung. Gegen Braunschweig im Heimspiel wollen wir uns von einer ganz anderen Seite zeigen.

Und fast mit dem Pausenpfiff wurde Münsters laxe Abwehrarbeit mit dem 0:2 bestraft, als Dominik Pelivan nach Vorarbeit von Yannick Thermann traf (44.). Der Gast hatte keine Antworten und hinterließ in dieser schwachen ersten Hälfte nur Fragen. Am Rand tobte Antwerpen und versuchte korrigierend einzugreifen. Vergebens. Die Pausenansprache war kurz, der SCP-Coach dürfte seine Männer mächtig zusammengestaucht haben, schon Minuten vor Wiederanpfiff fanden sich die Preußen zum Anstoß wieder am Mittelkreis ein.

Antwerpen sagte hinterher nur: „Ich habe die Spieler gefragt, ob sie so weitermachen wollen.“ Natürlich wollten sie nicht, Wiedergutmachung war der Plan.

45-Minuten-Chance für Cueto

Wieder hatte SCP-Trainer Marco Antwerpen zumindest eine kleine Überraschung vorbereitet. Lucas Cueto rückte in die Startelf, dafür war mit Kevin Rodrigues Pires der etatmäßige Sechser in der defensiven Mittelfeldzentrale raus. Der Plan mit Cueto sah vor, dass die Preußen-Angriffe schneller und fintenreicher werden. Antwerpen wählte also ein Stückchen mehr Offensive als zuletzt beim 0:0 im Heimspiel gegen den TSV 1860 München. René Klingenburg übernahm den Defensivpart im Mittelfeld, nach der Pause korrigierte sich der Coach allerdings genau in diesem Punkt.

Eine gute Idee. Rufat Dadashov verlieh den SCP-Ambitionen Nachdruck mit seinem „reingewurschtelten“ Treffer zum 2:1, dem ein langer Einwurf von Schweers vorangegangen war (55.). Anschlusstreffer, egal wie. Der SCP meldete sich wieder an in dieser Partie. Jetzt mit Verve, Jekyll und Hyde, die zwei Gesichter der Preußen.

Die Chancen zum Ausgleich häuften sich. SGS-Keeper Kevin Broll verhinderte Kai Gehrings Eigentor (64.), Dadashovs Versuche (65., 67.) scheiterten, Klingenburg hatte auch zwei glasklare Möglichkeiten (68., 73.), dann noch ein Kopfball von Ole Kittner (73.), den Broll entschärfte. Das alle hätte zum 2:2 führen können, ja müssen.

Es passte ins Bild, dass eine monströse Doppelchance von Dadashov und Philipp Müller (80.) den Konter zum 3:1 einleitete, Routinier Röttger spielte ein galantes Katz‘ und Maus‘ beim Treffer zum Endstand. „Solche Spiele gibt es einfach. Wir sind extrem enttäuscht. Das war scheiße“, sprach Dadashov aus, was alle Preußen dachten. Das war ein Rückschlag.

 

Fotostrecke: Keine guten Noten für Preußen-Elf in Großaspach

 

Dadashov trifft wieder

Passend vor der erneuten Abreise zu Länderspielen mit Aserbaidschan hat Rufat Dadashov seine Miniflaute beendet und wieder für die Preußen getroffen. Letztmals war er beim 3:0 gegen Wiesbaden Ende September erfolgreich, ehe er in Unterhaching, gegen Würzburg, in Meppen und gegen 1860 leer ausging. Zu einem Punkt reichte sein siebtes Saisontor zwar nicht mehr, aber der 27-Jährige kann so mit einem guten Gefühl zur Nationalmannschaft fahren, mit der er in der Nations League am Samstag in Baku auf die Färöer und am 20. November in Pristina auf den Kosovo trifft. Einsätze in der Startelf sind für den Angreifer drin.



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