Mo., 19.11.2018

Fußball: 3. Liga Max Schulze Niehues war, ist und bleibt unverzichtbar im Tor von Preußen Münster

Preußen-Torhüter Max Schulze Niehues kassierte in seinen ersten drei Spielen in dieser Saison Niederlagen. Trotzdem ließ er sich nicht aus der Ruhe bringen und lief zu glänzender Form auf.

Preußen-Torhüter Max Schulze Niehues kassierte in seinen ersten drei Spielen in dieser Saison Niederlagen. Trotzdem ließ er sich nicht aus der Ruhe bringen und lief zu glänzender Form auf. Foto: Jürgen Peperhowe

Münster - 

Max Schulze Niehüs – das sieht komisch aus, klingt schräg und ist auch noch falsch. Doch mittlerweile hat sich das westfälische Dehnungs-U auch bei den Drittliga-Kommentatoren herumgesprochen: Schulze Niehues mit langem „Uuuu“ hat sich längst als einer der besten Keeper der Liga einen Namen gemacht.

Von Thomas Rellmann

Das Fachmagazin „Kicker“ führt natürlich auch in der 3. Liga eine Liste der notenbesten Spieler. Aktuell stehen hier zwei Torhüter ganz vorne. Nicht gerade zufällig kommen sie vom Tabellenersten und -zweiten. Max Schulze Niehues vom SC Preußen liegt dabei minimal hinter Nils Körber, seinem Konkurrenten aus der Vorsaison, der nun für Spitzenreiter VfL Osnabrück im Kasten steht. 2,43 gegenüber 2,45 – so lautet der Durchschnitt der Keeper.

Zweifellos bewegt sich der Münsteraner in grandioser Form. Seit er Anfang September vom Verletzungspech seines Rivalen Oliver Schnitzler profitierte, hielt das Eigengewächs, das seit 2011 im Profikader steht, elfmal ordentlich bis sehr gut, manchmal sogar überragend. Im Interview schildert er Redakteur Thomas Rellmann die Gründe für seinen Höhenflug.

Spricht es eigentlich gegen Ihre Vorderleute, dass Sie sich – anders als oft in den vergangenen Jahren – so oft auszeichnen können?

Schulze Niehues: Nein, stopp. Es stimmt, dass ich mehr Aktionen habe, als es früher meist der Fall war. Aber wir verteidigen schon gut. Nur gehen wir im Gesamten mehr ins Risiko. Es ist unsere Philosophie, nach vorne zu verteidigen. Wir spielen ja auch wirklich eine Dreier- und kaum mal eine Fünferkette. Gerade Fabian Menig und Moritz Heinrich laufen außen oft schon in der gegnerischen Hälfte an. Dadurch haben wir aber auch vorne mehr Szenen. Wir spielen eben wesentlich offensiver als in der Vergangenheit. Und wenn man auf die Tabelle schaut, liegen wir damit ja nicht so falsch.

Sie sind Zweiter. Dürfen die Fans schon vom Aufstieg träumen?

Schulze Niehues: Es ist schon Qualität in der Mannschaft. Uns hatte keiner auf dem Zettel. Aber zuletzt in Großaspach hat man gesehen, dass wir gegen jeden verlieren können, wenn wir nicht immer unsere Top-Leistung abrufen. Also sollten wir nichts überstürzen.

Sie wurden in der SCP-Jugend ausgebildet, waren mal für drei Saisons bei Fortuna Düsseldorf und sind nun schon siebeneinhalb Jahre im Drittliga-Kader. Gespielt haben Sie früher keineswegs immer. Gab es auch Momente, in den Sie kurz vor dem Absprung standen?

Schulze Niehues: Ja, die gab es. Aber letztlich habe ich mir doch immer wieder einen Vertrag erarbeitet.

Einen Plan B hatten Sie mit Ihrem Lehramtsstudium ja ohnehin. Wie sieht es da aus?

Schulze Niehues: Ich stehe kurz vor meinem Bachelor und nehme in Kürze dann den Master in Angriff. Es ist schon so, dass das Studium bei mir auch immer Druck vom Kessel genommen hat. Ich musste nicht auf Teufel komm raus Profi sein. Aber ich bin schon leidenschaftlicher Fußballer. Und es hat mir immer ein sehr gutes Gefühl gegeben, zu wissen, dass ich auch einen anderen Weg einschlagen könnte.

Haben Sie sich eine Marke gesetzt, wann Sie aufhören und dann mit aller Kraft Pauker sein wollen, vielleicht um auch noch verbeamtet zu werden?

Schulze Niehues: Nein. Ich bin gerade 30 geworden. Das ist für einen Torwart ein gutes Alter. Ein paar Jahre will ich noch spielen.

Die besten Keeper der Liga sind Sie und Nils Körber. Beide hatten im Vorjahr den Torwarttrainer Milenko Gilic. Sie profitieren heute noch. Was macht er?

Schulze Niehues: Er ist ein Fachmann, der explizit an meinen Schwächen arbeitet. Wir widmen uns im Training vielen kleinen Details. Jede Situation, die im Spiel auf uns Torhüter zukommen kann, simulieren wir und bereiten uns ganz genau darauf vor. Milenko legt viel Wert auf einen spielnahen Bezug. Es braucht dann natürlich alles ein bisschen Zeit.

Haben Sie noch etwas verändert in Ihrem Spiel?

Schulze Niehues: Komplett gewendet habe ich nichts. Es war immer mein Bestreben, mich noch weiter zu verbessern. Ich habe mir immer die Punkte vorgenommen, die die Trainer kritisiert haben. Marco Antwerpen legt zum Beispiel viel Wert auf die Spieleröffnung und macht da klare Ansagen. Hinzu kommt, dass ich absolut fit bin.

Und woher kommt Ihre mentale Stärke?

Schulze Niehues: Ich habe privat schwere Zeiten hinter mir. Im letzten Jahr ist etwa mein Vater gestorben. Aber ich glaube, dass ich aus der Phase sogar gestärkt hervorgegangen bin.



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