Fußball: 3. Liga
Rambazamba in Thüringen: Preußen Münster gastiert bei Carl Zeiss Jena

Münster -

Der Advent mit seiner Niederlagenserie: vergessen. Für den SC Preußen Münster hat nicht nur mit dem Jahreswechsel eine neue Zeitrechnung begonnen, der Drittligist will zu seiner guten Form zurückfinden. Und zwar gleich im ersten Spiel 2019 bei Carl Zeiss Jena, das Rambazamba verspricht.

Freitag, 25.01.2019, 17:10 Uhr aktualisiert: 25.01.2019, 19:26 Uhr
Konzentrierte Verteidigung in Jena gewünscht: Kevin Rodrigues Pires (l.) klärt, Fabian Menig (r.) hat seinen Gegenspieler im Griff.
Konzentrierte Verteidigung in Jena gewünscht: Kevin Rodrigues Pires (l.) klärt, Fabian Menig (r.) hat seinen Gegenspieler im Griff. Foto: Jürgen Peperhowe

Endspielstimmung ist angekündigt, und zwar für die folgenden 18 Punktpartien. Existenzkampf pur. Es gibt keinen Puffer mehr für den FC Carl Zeiss Jena, den abstiegsgefährdeten Tabellendrittletzten der 3. Liga. Und Angreifer Manfred Starke kündigte in der „Ostthüringischen Zeitung“ schon mal an: „Wir wollen gemeinsam mit den Zuschauern Rambazamba machen.“

Aufruhr, Aufregung, so umschreibt der Duden Rambazamba. Das erwartet also den SC Preußen Münster am Samstag um 14 Uhr beim ersten Punktspiel des Jahres in Jena. Die Hausherren haben unter dem neuen Trainer Lukas Kwasniok, der bislang praktisch nur im Junioren-Bereich tätig war, den Modus, die Herangehensweise verändert. Alles wird dem Ziel Klassenerhalt untergeordnet, ein Sieg über Münster soll Impulsgeber für den Rest der Saison sein. Und dann soll es im Pokal-Modus Spieltag für Spieltag weitergehen. Ein Tanz auf der Rasierklinge für Jena.

Rambazamba-mäßig

Wobei Preußen-Coach Marco Antwerpen anders, auch sehr selbstbewusst, an die Aufgabe herangeht. „Ich denke positiv. Wir können“, sagt er, „mit einem Sieg ein gutes Zeichen für die Restsaison setzen.“ Ein Sieg, und der SCP hätte alle Gedanken an ein Abrutschen in die untere Hälfte der Tabelle im Keim erstickt. Antwerpen: „Für uns geht es auch um sehr, sehr viel.“

SC Preußen Münster im Vereins-Porträt

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  • Die Spielstätte: Das Preußenstadion an der Hammer Straße.
    Der Traum vom Stadion-Neubau ist geplatzt. Immerhin will die Stadt erstmals seit Jahrzehnten mehr als Flickschusterei betreiben und 40 Millionen Euro an der Hammer Straße einsetzen. Die kleine Lösung, profitieren wird der Verein davon auch erst in einigen Jahren. Die großen Business-Optionen ergeben sich hierdurch ohnehin nicht.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Die Zuschauer: Das Stammpublikum der Preußen umfasst ca. 4000 Fans, darüber hinaus ist alles möglich: Von fast ausverkauft (gegen 1860, bald wohl auch gegen Kaiserslautern und Osnabrück) bis Liebesentzug (gegen Halle, Zwickau, Köln). Der Durchschnitt der laufenden Saison (7411) ist passabel, sank aber im Advent drastisch - und bleibt ausbaufähig.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Termin: Regelspieltag für die Münsteraner ist der Samstag. Der wird hier, wie zuletzt im Dezember dreimal zu beobachten, oft schlechter angenommen (Ausnahme 1860), als Partien unter Flutlicht am Freitag oder Montag. Sonntags kommt dem SCP auch der Amateurfußball in den Weg.

    Foto: colourbox.de
  • Modus: Es herrscht klassischer Ligabetrieb in der traditionell engsten deutschen Spielklasse, das verspricht eigentlich Spannung bis zum Schluß. Doch in sieben Drittligajahren ging es für Münster aber nur 2012/13 wirklich bis zum Ende um etwas. Ansonsten trudelt die Spielzeit immer so aus - ähnlich wie in dieser Saison: Acht Punkte sind's sowohl zum Relegationsplatz, als auch zur Abstiegszone.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Finanzen: Die Ausgliederung hat den SCP vor dem Schlimmsten bewahrt, mehr aber auch nicht. Altlasten, ein kompliziertes Liga-Umfeld, fehlende Großsponsoren, häufige Nachforderungen, dazu Darlehen aus den Gremien - es kommt eine Menge zusammen, was Investitionen erschwert.

    Foto: colourbox.de
  • Die Sponsoren: Die Trikotbrust wurde auf den letzten Drücker an Schauinsland-Reisen vergeben. 

    Weit mehr als ein Jahrzehnt gab Tuja den Takt vor und pumpte einen achtstelligen Betrag in den Club. Ein ähnlich großer Gönner ist aber nicht mal annähernd in Sicht. Die Unternehmen sind eher zurückhaltend, die breite Industrie wie in Ostwestfalen fehlt aber auch in der Region. Viele Firmen sind aus Tradition und persönlicher Verbundenheit dabei. Der Vermarkter-Vertrag mit Lagardère erleichtert die Ausgangslage eher nicht.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Präsenz: Social Media funktioniert, der SCP ist sehr aktiv. Rund 83.000 Follower honorieren das. Im Stadtbild allerdings verliert der SCP mehr und mehr an Wahrnehmung. Das Problem ist erkannt, aber noch lange nicht gebannt.

    Foto: Quelle: Instagram (Screenshot)

Vor allem darum, den Negativlauf aus dem Advent zu den Akten legen zu können. Vier Niederlagen im Dezember, nur vier Pluspunkte in den letzten beiden Monaten des Jahres 2018 geholt – Zeit für eine Trendwende beim SCP, am besten gleich im Auftaktspiel des Jahres 2019.

Nur noch eine Position war dabei in Antwerpens Gedankenspielen offen, möglicherweise geht der 47-Jährige auf Nummer sicher und spielt mit zwei defensiven zentralen Mittelfeldspielern (Sandrino Braun und Kevin Rodrigues Pires). Erste Wahl im Tor bleibt Max Schulze Niehues, der gerade erst zum Sportler des Jahres 2018 gekürt worden ist. Eine knappe Entscheidung, wie Antwerpen über das Duell der Torleute mit Oliver Schnitzler sagt. Etwas Bonus hatte Schulze Niehues, nun muss er mit seinen zehn Mitstreitern liefern in Jena. Rambazamba-mäßig.

►  Münster: Schulze Niehues – Schweers, Kittner, Scherder – Braun, Rodrigues Pires – Menig, Klingenburg, Kobylanski, Heidemann – Akono

Der Gegner im Check: Carl Zeiss Jena

Ausgangslage: Der Drittletzte aus Jena hat daheim erst zwei Partien gewonnen, der letzte Heimsieg war im August 2018. Allerdings gewann Jena später in Münster mit 2:1, und das tat dem SCP richtig weh. Es ist das achte Drittliga-Aufeinandertreffen, die Bilanz ist total ausgeglichen mit drei Siegen auf jeder Seite und einem Unentschieden bei 8:8-Toren. Der SCP gewann über die Jahre zwei von drei Partien in Jena. Der FC Carl Zeiss ist im Übrigen nach dem Mechaniker-Meister und Firmengründer Carl Zeiss (1816–1888) aus Weimar benannt.

Personal:Jena wird im 4-3-3-System erwartet. Aufgrund des Trainerwechsels bleibt aber einiges noch rätselhaft. Der FC hat zudem auf dem Transfermarkt zugeschlagen und mit Jannis Kübler (Schalke 04 II), Pierre Fassnacht (1. FC Saarbrücken) und Dominic Volkmer (Jahn Regensburg) ein Trio geholt.

Trainer: Der 37 Jahre alte Lukas Kwasniok ersetzte im Dezember Aufstiegsheld Mark Zimmermann. Nach vier Saisons als Junioren-Coach beim Karlsruher SC könnte das für ihn der Durchbruch sein. Im Sommer 2018 scheiterte ein Wechsel zum Zweitligisten Erzgebirge Aue, die Ablösesumme passte nicht.

Kuriosum: Der belgische Multi-Millionär Roland Duchatelet hat seit 2014 rund sechs Millionen Euro in den Verein gepumpt. Ein Darlehen über vier Millionen Euro wurde umgewandelt und ist an eine positive wirtschaftliche Erfolgsbeteiligung geknüpft. Auf der anderen Seite unterstützt die thüringische Heavy-Metal-Band „Heaven Shall Burn“ den Club. Für jedes Mini-Sponsorenpaket von 333 oder 666 Euro zahlt die Band 100 Euro an den Verein.

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