Fußball: 3. Liga
Nullnummer im Derby zwischen Preußen Münster und dem VfL Osnabrück

Münster -

Die Rahmenbedingungen waren perfekt, selbst der Frühling ließ sich blicken. Doch allzuviel zu sehen gab es dann leider doch nicht. Das mit viel Spannung erwartete Drittliga-Derby zwischen dem SC Preußen Münster und dem VfL Osnabrück endete vor 11572 Zuschauern torlos unentschieden.

Samstag, 16.02.2019, 16:00 Uhr aktualisiert: 16.02.2019, 17:07 Uhr
Fußball: 3. Liga: Nullnummer im Derby zwischen Preußen Münster und dem VfL Osnabrück
Foto: Jürgen Peperhowe

Derby, Sonne und Frühlingserwachen: Fußballherz, was willst du mehr? Vielleicht das eine oder andere Tor – leider Fehlanzeige an diesem Samstag im Preußenstadion. Vor dem Anpfiff des 16. Drittliga-Derbys zwischen dem SC Preußen Münster und dem VfL Osnabrück lag die Vorfreude fast greifbar in der Luft. Die Gäste aus Osnabrück sind derzeit ohnehin mit einem Dauergrinsen auf Tour, bereisen die Drittliga-Republik als Spitzenreiter und träumen einen Traum von Liga zwei, der möglicherweise auch nach dem Aufwachen in drei Monaten noch Bestand hat. Und die Preußen? Sind irgendwie nur noch dabei und nicht mehr mittendrin, doch dieser Gegner, dieses Wetter und die Stimmung rund ums Stadion sorgten auch bei Schwarzgrün für beste Stimmung. Und dann folgten 90 Minuten Drittliga-Mittelmaß ohne Tore und folglich ohne Sieger.

Im Vorfeld hatte ein enormes Aufgebot an Polizeifahrzeugen die mitgereisten VfL-Fans vom Bahnhof zum Stadion befördert. Selten waren die Sicherheitskräfte so präsent wie an diesem Derby-Samstag. Fast einen Kilometer lang war der Konvoi – angeführt, begleitet und verfolgt von Polizei- und anderen Einsatzfahrzeugen –, der sich über Albersloher Weg und Trautmansdorffstraße Richtung Preußenstadion bewegte. Mit etwas Abstand gefolgt vom Osnabrücker Mannschaftsbus, der allerdings nicht den direkten Weg nehmen, sondern eine kleine Spritztour durchs Wohngebiet am Berg Fidel machen durfte.

Auf dem Platz bevorzugten die Gäste dann den kürzesten Weg. Fanden besser ins Spiel, sich dann vor dem Preußentor aber meist in einer Sackgasse wieder. Weil aber auch die Preußen sich schon im Spielaufbau schwer taten und mit ihren langen Bällen aus der Abwehr nur selten die richtigen Adressaten antrafen, blieb diese an Erwartungen so reiche Partie an Höhepunkten lange arm.

SC Preußen Münster – VfL Osnabrück

1/27
  • Zwei Preußen im Luftkampf um den Ball: Kevin Rodrigues Pires und Sandrino Braun.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Die beiden Trainer haben alles im Blick.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Preußenfans präsentieren Pyrotechnik.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Maurice Trapp zieht gegen Philipp Hoffmann den Kürzeren.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Interessante Schusstechnik bei Kevin Rodrigues Pires.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Cyrill Akono im Zweikampf mit Konstantin Engel.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Adam Susac kommt vor Kevin Rodrigues Pires ans Leder.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Reichlich Gerangel rund um Schiedsrichter Christian Dingert.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Akrobat Schulze Niehues in Aktion.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Ball im Blick: Cyrill Akono.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Akrobat Schulze Niehues schon wieder in Aktion.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Fabian Menig im Duell mit Marcos Alvarez.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Akrobat Schulze Niehues erneut in Aktion.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Ole Kittner bekommt es mit Maurice Trapp und Ulrich Taffertshofer zu tun.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Akrobat Schulze Niehues ein weiteres Mal in Aktion.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Osnabrücks Coach Daniel Thioune.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Akrobat Schulze Niehues nochmals in Aktion.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • René Klingenburg und Marc Heider kämpfen um den Ball.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Cyrill Akono prüft den ehemaligen Preußen-Keeper Nils Körber...

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • ...und kämpft gegen Konstantin Engel ums Leder.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Volles Haus auf der Tribüne des Preußenstadions.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Philipp Hoffmann gegen Konstantin Engel.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Hätte sich über einen Sieg sehr gefreut: SCP-Coach Marco Antwerpen.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Niklas Heidemann bleibt Kopfballsieger gegen Etienne Amenyido.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Nils Körber rettet gegen Cyrill Akono.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Dicke Luft bei den Preußen-Anhängern.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Stimmung vor dem Start.

    Foto: Jürgen Peperhowe

Osnabrücks Benjamin Girth hatte nach sieben Minuten die beste Gästechance, Cyrill Akono fünf Minuten später die der Preußen. Statt spielerischer Feinheiten unterhielten beide Teams in der Folge mit überflüssigen Rudelbildungen und mäßig konstruktiven Ballstafetten. Als Osnabrücks Felix Agu nach einem Zweikampf mit Sandrino Braun im Preußen-16er zu Boden ging (30.), warteten die Gästefans vergeblich auf einen Pfiff des souveränen Erstliga-Referees Christian Dingert. Der kam dann allerdings erst 15 Minuten später, um beide Teams nach einer eher enttäuschenden Halbzeit in die Kabinen zu bitten.

Klingenburg in der Startelf

Preußen-Trainer Marco Antwerpen hatte an diesem Samstag die erwartete Formation – das heißt mit dem wiedergenesenen René Klingenburg in der Startelf – ins Feld geschickt. Sein Gegenüber Daniel Thioune hatte nach dem jüngsten 0:2 gegen Großaspach überraschend Marcos Alvarez und Anas Ouahim eine Denkpause auf der Bank verordnet. Für sie rückten Etienne Amenyido und Felix Agu nach. Dennoch hinkte die Qualität des Spiels lange weit hinter den großen Erwartungen her.

Stimmen zum Spiel

Daniel Thioune (Trainer Osnabrück): „Man hat gesehen, dass das ein Derby ist. Es gab viele kleine Nickligkeiten, die nicht nötig waren. Wir sind nicht auf den Tabellenachten gestoßen, sondern auf Preußen Münster im Derby. Das war ein Spiel auf Augenhöhe.“

Marco Antwerpen (Trainer Münster): „Wir können zufrieden sein, gegen den Spitzenreiter einen Punkt geholt zu haben. Mir wäre es egal gewesen, ob wir glücklich oder überglücklich gewonnen hätten. Wir hätten uns jedenfalls riesig gerfreut, wenn wir hier heute als Sieger vom Platz gegangen wären.“

Kevin Rodrigues Pires (hatte fünf Minuten vor Schluss den Siegtreffer auf dem Fuß): „Ich habe ihn einfach schlecht getroffen, so einfach ist das. Den muss ich machen, sorry an die Mannschaft. Das wird eine ganz schwere Nacht für mich.“

Simon Scherder: „Das war kein Top-Spiel. Ein Derby halt, mit viel Kampf und Einsatz. Ich denke, das Ergebnis geht in Ordnung.“

Ole Kittner: „Wir haben heute immerhin einen Punkt mehr geholt als im Hinspiel.“ (In Osnabrück verloren die Preußen mit 0:3)

...

Jetzt galten alle Hoffnungen Durchgang zwei – und wurden zumindest von den Preußen lange Zeit nicht erfüllt. Nach vorne ging weiterhin nichts, hinten brannte es zwar selten, dann aber lichterloh. Als Kevin Rodrigues Pires den Ball fahrlässig in den Lauf von Osnabrücks Marc Heider spielte, lag die Gästeführung dick wie Oktober-Nebel in der Luft: Heider sieht den mitgelaufenen Etienne Ameneido, der mutterseelenallein aus zehn Metern den Ball unter die Latte des Preußen-Tores nagelt (60.). Als endgültiger Stimmungstöter taugte das allerdings nicht, weil der Ball zurück ins Feld sprang und die Anzeigentafel weiter in Tiefschlafmodus blieb.

Preußen werden nur langsam wach

Immerhin wurden die Preußen jetzt langsam wach: Antwerpen brachte erst Tobias Rühle für Martin Kobylanski und wenig später Philipp Müller für Philipp Hoffmann, und teilweise wurde jetzt auch die Osnabrücker Spielhälfte in den Spielbetrieb integriert. Die Großchancen blieben allerdings zunächst Gästesache: Marc Heider trifft von links den Pfosten (71.), zwei Minuten später kratzt Max Schulze Niehues einen Freistoß des frisch eingewechselten Marcos Alvarez gerade so von der Linie.

Einzelkritik: SC Preußen Münster – VfL Osnabrück

1/14
  • Max Schulze Niehues: Sehr souveräner Auftritt. Bei zwei Aluminiumtreffern wäre der Keeper aber machtlos gewesen. Dafür eine starke Parade gegen Etienne Amenyido und eine gegen den Freistoß von Marcos Alvarez. In der Luft ohne Fehler. Note: 2,5

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Fabian Menig: Hatte vor der Pause so seine Probleme mit Felix Agu oder dessen Kollegen. Rechts oft auf sich allein gestellt, was auch am neuen System lag. Leistete sich mehrere technische Fehler, kämpfte sich nach dem Seitenwechsel aber wie gewohnt rein. Note: 3,5

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Ole Kittner: Chef in der Abwehr, diesmal mit mehr Gegnerkontakt als in der Rolle als Mittelmann einer Dreierkette. Meldete dabei Benjamin Girth weitgehend ab. Den Spielaufbau überließ der Routinier anderen. Note: 3

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Simon Scherder: Der Kapitän bestätigte seinen Aufwärtstrend. Gute Zweikampfführung, gutes Stellungsspiel, nur ein paar missglückte lange Bälle störten ein wenig den Eindruck. Allerdings hatte Osnabrück insgesamt zu viele Chancen, was bei ihm und Kittner eine bessere Einstufung verhindert. Note: 3

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Niklas Heidemann: Hohes Pensum auf der linken Bahn, scheute kein Mann-gegen-Mann-Duell. Da vor ihm diesmal niemand spielte, allerdings auch einige Male gegen zwei Gegenspieler, wie vor Marc Heiders Pfostentreffer, überfordert. Note:3

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Sandrino Braun: Als Einzelkämpfer vor der Abwehr musste er viele Löcher stopfen, dabei vor allem gegen Felix Agu und Etienne Amenyido anfangs mit Temponachteilen. Dazu kamen mehrere leichte Fehlpässe. Allerdings biss er sich rein und grätschte nach der Pause geschickter. Note: 4

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • René Klingenburg: Comeback nach nur drei Wochen. Dass er Bock aufs Derby hatte, war schnell zu erkennen. Allerdings war der Mittelfeldspieler nicht so präsent wie sonst oft. Etwas Glück, dass er ungeschoren aus der Rudelbildung hervor ging. Note: 3,5

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Kevin Rodrigues Pires: In der ersten Hälfte der einzige Preuße, der um Struktur bemüht war. Gute Ballbehandlung, vernünftige Handlungsschnelligkeit. Nach der Pause dreimal im Blickpunkt: von der Rolle vor dem Amenyido-Lattentreffer, schläfrig vor Heiders Pfostenschuss, fahrlässig bei der größten Chance. Note: 4

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Martin Kobylanski: Schon zur Pause ließ Trainer Marco Antwerpen seinen Schützling wissen, dass er nicht zufrieden war. Kaum eingebunden ins Spiel, schwache Standards - dazu untaugliche Versuche, sich reinzukämpfen. Note: 5

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Philipp Hoffmann: Etwas undankbare Rolle als zweite Spitze. Er verursachte eine ganze Reihe Freistöße mit leichten Schubsern oder Abseitspositionen. Der Raum, den er braucht, war selten vorhanden. Note: 4,5

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Cyrill Akono: Tat sich anfangs schwer damit, ins Spiel zu finden und war gut bewacht. Nach der Pause steigerte sich der Youngster leicht, wich öfter nach außen aus und bereitete die Chance von Rodrigues Pires vor. Note: 4

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Tobias Rühle: Sorgte mit seiner Einwechslung für ein wenig Belebung, schoss plötzlich sogar Ecken. Allerdings leistete er sich auch einige Ballverluste. Keine Note

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Philipp Müller: Später Joker, ein Schuss aus 18 Metern. Ansonsten wenig Möglichkeiten, sich zu zeigen. Keine Note

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Rufat Dadashov: Nur ein Kurzeinsatz mit ein paar ordentlichen Ballaktionen. Keine Note

    Foto: Jürgen Peperhowe

Wenig später dann die erste echte Chance für die Hausherren, als Cyrill Akono Rodrigues Pires bedient und der das Leder aus neun Metern unbedrängt um Zentimeter am linken Pfosten vorbeischiebt. Das Ende des Nichtangriffspakts bescherte den 11572 Zuschauern immerhin eine spannende Schlussphase. Niklas Heidemanns 16-Meter-Schuss verfehlte das Tor des lange Zeit arbeitslosen VfL-Keepers Nils Körber nur knapp. In der Nachspielzeit musste Schulze Niehues nach einem Schüsschen von Farrona Pulido noch ein letztes Mal aktiv werden. Das war's: Das 16 Derby wird in den Vereinsannalen beider Clubs bestenfalls für statistische Randbemerkungen sorgen.

Preußen Münster: Schulze Niehues - Braun, Kittner, Scherder - Menig, Rodrigues Pires, Klingenburg, Heidemann - Kobylanski (65. Rühle) - Hoffmann (74. Müller), Akono (81. Dadashov)

VfL Osnabrück: Körber - Renneke, Susac, Trapp, Engel- Taffertshofer, Blacha - Amenyido (80. Ouahim), Agu (37. Farrona Pulido) - Heider, Girth (71. Alvarez)

Zuschauer: 11572

Gelbe Karten: Hoffmann / Trapp, Blacha, Taffertshofer, Susac

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6395298?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686137%2F2686215%2F
Nachrichten-Ticker