Fußball: 3. Liga
Preußen Münster bindet Ole Kittner für weitere zwei Jahre – mindestens

Münster -

Ole Kittner hat seinen Vertrag beim SC Preußen Münster um zwei weitere Jahre bis Sommer 2021 verlängert. Darüber soll der 31 Jahre alte Abwehrchef in Zukunft weiter eingebunden in den Verein, sein Psychologie-Studium an der WWU Münster steht vor dem Abschluss.

Samstag, 23.02.2019, 10:55 Uhr aktualisiert: 23.02.2019, 12:35 Uhr
Fußball: 3. Liga: Preußen Münster bindet Ole Kittner für weitere zwei Jahre – mindestens
Foto: Jürgen Peperhowe

Überraschend kam das nicht, als der SC Preußen Münster am Samstag die Vertragsverlängerung mit Ole Kittner verkündete. Das hatte sich abgezeichnet, der 31 Jahre alte Routinier aus der Abwehrzentrale war in dieser Saison zum unverrückbaren Pfeiler im System von Marco Antwerpen geworden. Nach Torwart Max Schulze Niehues (30) war das die zweite von insgesamt 13 offenen Vertragssituationen beim SCP, die bis zum Sommer geklärt werden müssen. Mit Kittner und Schulze Niehues pflegen die Preußen ihre lokale Komponente. Der Verein bindet damit zwei Sympathieträger.

Schulze Niehues, der Torwart, kommt aus Freckenhorst und kann durchaus als Preußen-Urgestein betrachtet werden. Auch er studiert neben der Profikarriere an der WWU Münster, plant seine berufliche Zukunft über die Fußballkarriere hinaus sehr bodenständig und ist auch als Nachwuchscoach beim SCP bereits im Einsatz. Kittner ist ebenfalls an den WWU aktiv und nicht nur eingeschrieben. Der 31-Jährige soll spätestens im zweiten Vertragsjahr 2020/21 eng an die Nachwuchsabteilung herangeführt werden, dann in seiner Studien-Fachrichtung Psychologie.

Metzelders Wertschätzung

Sportchef Malte Metzelder hatte angekündigt, solche Spieler in die langfristige Planung beim SCP integrieren zu wollen. Er schätzt die „Skills“ der Spieler, die weit über den Sport hinausgehen. Kittner, als Fußballer aktuell unumstritten wie nie zuvor in seiner Karriere, ausgestattet mit einem riesigen Erfahrungsschatz an Höhen und Tiefen, soll dann auch sein Wissen an die nächste Generation weitergeben. „Ole ist ein erfahrener Spieler für uns und immens wichtig für die Mannschaft“, betont Metzelder. Nicht wenige sagen, er ist der Anführer dieser Mannschaft. Spricht Ole, dann hören alle zu.

Späte Liaison

Dabei ist es eine Liaison auf Umwegen. Denn der Jugendspieler Ole Kittner wechselte vom SC Münster 08 zu RW Ahlen und eben nicht zu Preußen Münster, das ist eine Dekade her. Der Wolbecker nahm einen langen Umweg. Mit Ahlen spielte er als Jungprofi in der 2. Liga, es folgten Engagements beim TuS Koblenz und SV Sandhausen. Mit letztgenanntem Club stieg er nach einem Sieg in Münster in die 2. Bundesliga auf. Das war 2012 und Kittner und der gebürtige Altenberger Marcel Kandziora stürmten an diesem Tag die Pressekonferenz im Preußenstadion. Sie holten Trainer Gerd Dais ab, es galt zu feiern, Münsters damaliger Coach Pavel Dotchev guckte nicht schlecht nach der 1:2-Heimpleite am drittletzten Spieltag.

46 Monate Pause

Aber Kittners Karriere verlief besonders, weil er zwischen dem 18. November 2012 und dem 24. September 2016 kein einziges Fußballspiel mehr bestritt. Kreuzbandriss, dann wieder ein Kreuzbandriss, jahrelange war nicht an Fußball zu denken, er war fast schon fertig mit dem Thema Profi, hatte nach Aufnahme des Fernstudiums an der Uni in Hagen schon ein Auslandssemester auf Hawaii eingeschoben. „Damals habe ich fast nicht mehr an Fußball gedacht.“

Preußens Abwehrchef Ole Kittner

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  • Ole Kittner als Sieger im Kopfballduell.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Als Dirigent der Preußen-Abwehr.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Im Zweikampf mit Wehen-Wiesbadens Manuel Schäffler.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Beim Alles-unter-Kontrolle-Haben.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Nach einem Platzverweis...

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • ... gegen den Karlsruher SC.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Beim Torjubel.

    Foto: Jürgen Peperhowe

Das Knie streikt

Das Knie spielte einfach nicht mehr mit. Doch als er im Sommer 2016 schmerzfrei joggen konnte, wagte er in Eigenregie einen letzten Anlauf, schraubte sich ein eigenes Fitnessprogramm zusammen und holte auf. „Mit einem Berater wäre das gar nicht gegangen. Ich musste das selbst machen“, blickte er unlängst im Interview mit unserer Zeitung zurück. Er meldete sich beim damaligen Sportchef Carsten Gockel, holte sich das erste Okay ein, stieg bei Horst Steffen ins Training ein – da war das zweite Okay – und fand zurück. Beim 4:0-Heimsieg über Werder Bremen II vor 5500 Zuschauern feierte er sein Comeback, kein Gegentor, eine Gelbe Karte lauteten die Eckdaten an diesem 24. September 2016. Nach 46 Monaten ohne Meisterschaftsspiel. Sein Mantra: „Es gibt nichts Besseres, als Fußballprofi sein zu dürfen.“

Totgesagt – quicklebendig

Seitdem hat es Kittner, von vielen schon totgesagt als Fußballer, auf 66 Drittligapartien (2 Tore) für Münster gebracht. Die Vertragsverlängerung schien nur Formsache, obwohl Kittner selbst von einer zweiten Möglichkeit für die nächste Saison sprach. Vielleicht war es ein bisschen der übliche Vertragspoker, nein, Kittner wollte bleiben. Die Entwicklung in Münster weiß er zu schätzen, ordnet er realistisch ein. Er ist der Organisator in der Dreierkette des SCP, er reguliert die Dinge. Trainer Marco Antwerpen verpasste ihm den Ritterschlag, als er vor der Winterpause fehlte: „Ole ist für uns nicht zu ersetzen.“ Mehr geht wohl nicht beim SC Preußen.

Steckbrief Ole Kittner

Geboren: 15. Oktober 1987

Familienstand: ledig

Jugendvereine: SC Münster 08, RW Ahlen

Seniorenvereine: RW Ahlen, TuS Koblenz, SV Sandhausen, Preußen Münster

Erfolge: Zweitliga-Aufstieg mit RW Ahlen 2008, Zweitliga-Aufstieg mit SV Sandhausen 2012

Spiele, 2. Bundesliga: 38 Spiele / 1 Tor

Spiele, 3. Liga: 114 Spiele / 5 Tore

Spiele, Regionalliga: 43 Spiele / 0 Tore

DFB-Pokal, Hauptrunde: 4 Spiele / 0 Tore

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