Fußball: 3. Liga
Die Achterbahnfahrt der Preußen geht in Cottbus weiter

Cottbus -

Auswärts kommt Preußen Münster seit einigen Monaten nicht mehr richtig auf die Beine. Das belegte auch die 0:3-Schlappe beim zuvor zu Hause so ungefährlichen Vorletzten Energie Cottbus. Trainer Marco Antwerpen macht die Entwicklung Sorgen.

Sonntag, 10.03.2019, 22:00 Uhr
Oftmals musste die SCP-Abwehr – hier Simon Scherder, Ole Kittner und Fabian Menig (v.r.) beim Schuss von Fabio Viteritti – Kopf und Kragen gegen die Cottbuser Gegenstöße riskieren. Abstimmung und Rückzugsverhalten waren nicht ideal.
Oftmals musste die SCP-Abwehr – hier Simon Scherder, Ole Kittner und Fabian Menig (v.r.) beim Schuss von Fabio Viteritti – Kopf und Kragen gegen die Cottbuser Gegenstöße riskieren. Abstimmung und Rückzugsverhalten waren nicht ideal. Foto: Steffen Beyer

Die ganz vorsichtigen Blicke Richtung Platz vier oder sogar drei nach dem dezenten Aufschwung und dem Schwächeln der Konkurrenz in den vergangenen Wochen waren durchaus zu rechtfertigen im Umfeld von Preußen Münster. Was ist schließlich eine Saison ohne Ziele im letzten Drittel? Doch mit der Vorstellung am Samstag bei Energie Cottbus sind so einige Gedankenspiele wieder Makulatur. 0:3 (0:3) unterlagen die Adler beim Aufsteiger und bisherigen Vorletzten, schon nach weniger als einer halben Stunde lagen sie aussichtslos hinten.

„Wir brauchen zu lange, um uns von Rückschlägen zu erholen“, sagte Trainer Marco Antwerpen gefasst mit Blick auf die Torfolge. Vor dem 0:1 patzten Niklas Heidemann beim Einwurf und Sandrino Braun im Zweikampf, zu allem Überfluss fälschte Fabian Menig den folgenden Freistoß von Dimitar Rangelov unhaltbar ins eigene Netz ab (4.). Blöd, aber raus aus dem Spiel war der Gast erst mit dem 0:2, als Simon Scherder sich mit Heidemann uneinig war, eine Flanke von Fabio Viteritti in die Füße von Marcelo de Freitas Costa klärte, dessen Hereingabe Streli Mamba nur ins leere Tor drücken musste (7.) – Heidemann hatte auch noch das Abseits aufgehoben. „Er gehört zu den Spielern, die aus der Regionalliga kommen und ihre Erfahrungen machen müssen“, sagte Antwerpen und stellte sich vor seinen Linksverteidiger. Von ihm erwartet er dennoch auch Sicherheit, wenn die Mannschaft mal nicht führt. „Wir dürfen uns von Rückständen oder auch einer missglückten Szene nicht so schnell rausbringen lassen.“

Serien gehen zu Ende

Diese Statistik müssen die Preußen jetzt ertragen. Energie hatte zuletzt fünfmal in Serie zu Hause verloren, dort zuletzt im Oktober einen Sieg gefeiert. Außerdem hatte der Neuling 2019 noch keine Partie gewonnen. Münster wurde also zum Wendepunkt – und ließ ein paar eigene Serien reißen. Erstmals nach 356 Minuten kassierte der SCP wieder ein Gegentor. Nach drei Spielen ohne Pleite erwischte es die Adler daraus resultierend wieder.

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In der Lausitz aber geschah genau das. Den dritten Wirkungstreffer setzte Daniel Bohl nach einem Konter über Lasse Schlüter. Braun war im Sechzehner eigentlich eher am Ball und sah erneut schlecht aus (26.). Der Rest des Spiels ist schnell erzählt. „Danach hat der Gegner den Fuß vom Gas genommen, das war ausschlaggebend“, so Münsters Coach. „Wir haben in der Kabine ein paar Dinge geändert, wollten uns nicht abschießen lassen und eine Reaktion sehen. Die kam.“ Auf frühe Wechsel verzichtete er aus ebendiesem Grund auch.

Drei Fragen an René Klingenburg

In der zweiten Hälfte stemmte sich René Klingenburg immer intensiver gegen ein Debakel. Immerhin das gelang. Hinterher sprach der 25-Jährige gewohnt Klartext.Wie kann es zu so einem klaren Rückstand nach nicht mal einer halben Stunde kommen?Klingenburg: Ich kann gar nicht so viel sagen und will auch keine Phrasen dreschen. Aber es ist unerklärlich, wie die Gegentore passieren. Ich dachte, wir wären weiter. Es sind ein paar Altlasten vom Ende der Hinserie wieder aufgetaucht. Anscheinend kriegen wir keine Konstanz rein. Die letzten Spiele waren ja gut, dieses war es nicht.Was hatte der Gegner, was Münster nicht hatte?Klingenburg: Cottbus war ja auch nicht überragend. Das erste Tor war sehr unglücklich, das kann passieren. Dass dann aber sofort das 0:2 kam, hat uns das Genick gebrochen.Ging es danach nur um Schadensbegrenzung?Klingenburg: Wir wollten schon mutiger werden, die Einstellung war auch okay. Aber trotzdem gehen wir jetzt mit einer ganz bitteren Erfahrung in die englische Woche.

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Kobylanski traf, als es noch 0:2 stand, per Freistoß den Außenpfosten (20.), später – als Braun für sein zweites taktisches Foul (an Rangelov) eine harte Ampelkarte gesehen hatte – verfehlte der eingewechselte Philipp Hoffmann nach guter Ballmitnahme das Ehrentor (73.). Ansonsten blieben die Preußen, die nie eine Option zu kontern sahen, komplett harmlos gegen eine tief stehende und in fast allen Mann-gegen-Duellen gierigere FCE-Truppe. „Wir wissen selbst, wie gut frühe Tore tun“, sagte Antwerpen. „Wer vorne liegt, tritt selbstbewusster auf, ist besser in den Zweikämpfen“, so Antwerpen. „Das konnten wir alles nicht auffangen.“

Am Ende beließ es der Neuling, der nicht nur verteidigte, sondern auch blitzschnelle Gegenangriffe fuhr, beim 3:0, hatte über de Freitas Costa (74., 75.) und Luke Hemmerich (88.) aber noch weitere Chancen. Insgesamt war das Energie-Übergewicht im Mittelfeld wie auf den Außenbahnen in den entscheidenden Phasen eklatant. Bei der Laufbereitschaft, der Unterstützung für die Nebenleute, vor allem aber in Sachen Entschlossenheit durfte sich der SCP ein Beispiel nehmen.

Antwerpen aber beschäftigte ein allgemeines Problem. Seit Oktober wartet seine Elf auf einen Auswärtssieg. In Großaspach, Karlsruhe und Lotte gab’s gar nichts zu holen, in Jena und gegen Uerdingen ein 0:0. „Wir werden auch diesen Auftritt genau analysieren, Aber neun Gegentore zu Hause und 24 in der Fremde – das sind gravierende Werte. Insofern war das Spiel ein Spiegelbild unserer Saison.“ Und die bleibt eben ein Auf und Ab.

Braun gesperrt

Das gab es bisher selten in dieser Saison: Ohne einen Wechsel – weder personell, noch taktisch – gingen die Preußen die Partie in der Lausitz an. Auch am 18er-Aufgebot änderte sich im Vergleich zum 4:0 gegen Aalen eine Woche zuvor nichts. Mit der Kontinuität hat es nun aber ein Ende. Sandrino Braun ist am Dienstag (19 Uhr) zu Hause gegen Hansa Rostock ohnehin gesperrt. Aber auch weitere Wechsel dürften aus Leistungsgründen, aber auch zur Belastungsverteilung folgen. „Die Jungs vorne sind wieder viel gelaufen“, so Trainer Marco Antwerpen, der wegen der nicht idealen Regeneration nicht begeistert war, dass es viele Stunden im Bus statt im Flieger zurückging.

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