Fußball 3. Liga
Pechvogel Gerezgiher - Preußen-Verteidiger Scherder fühlt mit

Münster -

Preußen Münster gewinnt das Heimspiel in der 3. Liga mit 1:0 gegen die SG Sonnenhof Großaspach. Überschattet wurde der Erfolg von der schweren Verletzung von Joel Gerezgiher in der 84. Minute. Er wurde am Samstag noch in Münster operiert.

Sonntag, 21.04.2019, 15:45 Uhr aktualisiert: 21.04.2019, 17:04 Uhr
Fußball 3. Liga: Pechvogel Gerezgiher - Preußen-Verteidiger Scherder fühlt mit
Joel Gerezgiher verletzte sich kurz nach seiner Einwechslung schwer. Foto: Jürgen Peperhowe

Es lief die 84. Minute im Punktspiel der 3. Liga zwischen Preußen Münster und der SG Sonnenhof Großaspach. Die Hausherren führten „nur“ mit 1:0 nach einem Treffer von Cyrill Akono aus der 49. Minute. Doch die eigentlich chancenlosen Gäste hofften - dank des knappen Rückstandes  - dennoch auf das eine Tor, der für einen Punkt gereicht hätte. Und plötzlich tauchte Joel Gerezgiher an der Strafraumgrenze auf, setzte sich im Zweikampf um den hohen Flankenball gegen Simon Scherder durch, stand einfach besser.

Sie zerrten aneinander, rangelten etwas, Gerezgiher hatte die deutlich bessere Position mit freiem Blick auf SCP-Schlussmann Max Schulze Niehues, vermutlich eine Riesenchance zum Ausgleich. Doch Scherder stolperte im Zweikampf auf seinen Gegenspieler, den er umklammerte, und er fiel so unglücklich auf das Sprunggelenk des Großaspachers. Bruch des Sprunggelenks war die erste Diagnose kurz nach Spielende von SG-Coach Florian Schnorrenberg.

Schiedsrichter lässt weiterlaufen

Schiedsrichter Eric Müller (Bremen) hatte freie Sicht auf die Szene. Er hätte mindestens Elfmeter pfeifen müssen, ein absichtliches grobes Foulspiel war allerdings nicht im Ansatz von Scherder zu erkennen, eher ungeschickt versuchte er seine Position im Zweikampf zu verbessern. Scherder und die Preußen kamen überaus glimpflich davon, die 1:0-Führung hielt. Nur als Gerezgiher, der mit 19 Jahren drei Erstliga-Einsätze für Eintracht Frankfurt im Jahr 2015 hatte, vom Feld getragen wurde, war schon klar, dass das kein bedeutungsloser Zweikampf war.

SC Preußen Münster – SG Sonnenhof Großaspach

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  • Kevin Rodrigues Pires setzt sich gegen Kai Brünker durch.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • René Klingenburg und Timo Röttger kämpfen um die Kugel.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Ohne Gegentor: Preußen-Keeper Maximilian Schulze Niehues.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Das Trainer-Gespann der Preußen stimmt sich ab.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Makana Baku behauptet sich gegen Braun und Kittner.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Niklas Heidemann versucht, Michael Vitzthum in den Griff zu bekommen.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Schwer verletzt: Joel Gerezigher.

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  • Cyrill Akono bejubelt sein Tor.

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  • Coach Marco Antwerpen deutet einen Wechsel an.

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  • Der Torschütze ...

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  • ... wird gefeiert.

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  • Tobias Rühle in Aktion gegen seinen früheren Verein.

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  • Torwart Kevin Broll ist entsetzt über die Verletzung von Joel Gerezigher.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Cyrill Akono kämpft um den Ball.

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  • Trainer ...

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • ... und Torschütze.

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  • Behandlungsbedürftig: Fabian Menig.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Joel Gerezigher wird vom Platz getragen.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Freude über den Heimsieg.

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  • Und noch einmal der Akono-Torjubel.

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  • Trainer-Disput zwischen Marco Antwerpen und Florian Schnorrenberg.

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  • Preußen-Jubel.

    Foto: Jürgen Peperhowe

Nachdem die Sanitäter eher verhalten zunächst im Schritttempo das Feld mit der Trage betraten, mahnte Großaspachs Physiotherapeutin gestikulierend zur Eile. Und Münsters Verteidiger Fabian Menig brachte Tempo in die Sache, als er mithalf im Laufschritt die Trage zum Unfallort zu bringen.

Gerezgiher wurde umgehend in das Clemenshospital gebracht, noch am Karsamstag wurde der 23 Jahre alte Linksaußen operiert. Ostern verbringt er unfreiwillig in Münster, wie lange er ausfällt ist fraglich. Die Bilder waren sowohl für die Großaspacher als auch für die Preußen auf dem Feld ein Schock.

#comebackstronger

Der selbsternannten Dorfklub postete #comebackstronger - #kommstärkerwieder. Simon Scherder spielte derweil seine Betroffenheit nicht. Große Feierstimmung kam bei ihm nicht auf, trotz des Sieges. „Ich werde vor dem Zweikampf etwas gestoßen, deshalb bin ich nicht gut postiert“; blickte er auf diese Szene zurück. Und: „Als ich die Bilder im TV sah, dachte ich, Scheiße. Mir lief alles heiß und kalt den Rücken herunter. Ich bin einfach unglücklich auf sein Sprunggelenk gefallen.“

Scherder hat eine Ahnung davon, was Gerezgiher wohl nach erfolgreich verlaufener OP und erster Ruhephase bevorsteht: Ein ganz langer Weg zurück zum Profifußball. Seine eigene Vita, die des dienstältesten Preußenspielers, der 2006 von Brukteria Dreierwalde an die Hammer Straße gewechselt war,  hat auch eine gewaltige Verletzungsdelle. 22 Monate musste Scherder zwischen Juni 2015 und April 2017 pausieren nach zwei Kreuzbandrissen. Damals wusste er nicht, ober er noch einmal den Anschluss als Profi schafft, einen neuen Vertrag beim SCP erhält - jetzt ist er der Kapitän des SCP. Sein Wunsch, wenige Minuten nach Spielschluss, dass Gerezgiher sich nicht zu schwer verletzt hatte, bestätigte sich nicht.

SC-Coach Schnorrenberg gefasst

„Unabhängig von der Verletzung denke ich, dass der Schiedsrichter Elfmeter hätte pfeifen müssen“, sagte SG-Coach Schnorrenberg gefasst. Und: „Er hatte nicht seinen besten Tag.“ Mit keinem Wort stellte er Scherder bloß. Großaspach hätte gern diesen einen Punkt mitgenommen, aber noch lieber Joel Gerezgiher mit auf die Heimfahrt.

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