Fußball: 3. Liga
Preußen sind auf der falschen Party unterwegs und schauen KSC nur zu

Münster -

Der letzte Heimauftritt der Saison geriet zu einer fast traurigen Angelegenheit. Während der Karlsruher SC nach dem 4:1-Sieg den Aufstieg ekstatisch an der Hammer Straße feierte, mussten die Preußen selbst zuschauen. Das passte ihnen und den Fans alles so nicht in den Kram.

Sonntag, 12.05.2019, 14:28 Uhr aktualisiert: 12.05.2019, 17:24 Uhr
Abschiedsfoto: (vorn. v.l.) Sandrino Braun, Fabian Menig, Tobias Rühle, Martin Kobylanski, (Mitte), Benjamin Schwarz, Moritz Heinrich, Adrian Knüver, Philipp Müller, Dominik Lanius, Lion Schweers und René Klingenburg. Für den passenden Rahmen sorgen die SCP-Offiziellen Malte Metzelder (l.), Bernd Niewöhner, Siggi Höing, Christoph Strasser und Frank Westermann.
Abschiedsfoto: (vorn. v.l.) Sandrino Braun, Fabian Menig, Tobias Rühle, Martin Kobylanski, (Mitte), Benjamin Schwarz, Moritz Heinrich, Adrian Knüver, Philipp Müller, Dominik Lanius, Lion Schweers und René Klingenburg. Für den passenden Rahmen sorgen die SCP-Offiziellen Malte Metzelder (l.), Bernd Niewöhner, Siggi Höing, Christoph Strasser und Frank Westermann. Foto: Jürgen Peperhowe

Der Eventmanager des Karlsruher SC hatte sich aus gegebenem Anlass besonders viel Mühe gegeben. Aufgrund der Aufstiegsfeierlichkeiten für Team und Anhänger war in einer der schönsten Städte Deutschlands eine rustikale Partyscheune angemietet worden. Um 15.18 Uhr war dann am Samstag das offizielle Vorprogramm beendet und die lange Partynacht des KSC konnte mit dem kollektiven Sturm auf die Tanzfläche beginnen. Die höfliche Ansage des Stadion-DJ, den Rasen bitte nicht zu betreten und Rücksicht auf das ohnehin altersschwache Gesamtbauwerk zu nehmen, konnte den Ansturm des Party-Volkes aus dem Badischen ebenso wenig verhindern wie der handzahme Einsatz der Ordnungskräfte. Nach dem 4:1 (2:0)-Erfolg der Karlsruher und dem damit verbundenen Aufstieg in Liga zwei gab es kein Halten mehr bei den knapp 4000 Gästefans. Ihnen gehörte nicht nur dieser Moment, sondern gefühlt auch das Preußenstadion. Die knapp 6000 heimischen Zuschauer beobachteten das Geschehen noch einige Minuten und überließen die Gäste dann ihrem durchaus erfreulichem sportlichem Schicksal.

Durch den Spielertunnel beobachteten derweil Preußen-Sportdirektor Malte Metzelder und der Aufsichtsratsvorsitzende Frank Westermann mit sicherem Abstand das muntere Treiben auf dem Platz. Die SCP-Spieler schauten ab und an ebenfalls vorbei, die Stimmungslage war bestenfalls getrübt. „Sind die immer noch draußen?“, murmelte Martin Kobylanski gut 30 Minuten nach dem Abpfiff leicht genervt vor sich hin.

Braun-Reise beendet

Nach exakt 84 Minuten endete für Sandrino Braun die aktive Zeit beim SC Preußen Münster. Schiedsrichter Lasse Koslowski bedachte den Mittelfeldspieler nach einem Check an Gegner Julian Thiede zum zweiten Mal an diesem Nachmittag mit einer Gelben Karte, die sich folgerichtig rot färbte. Bereits in Durchgang eins war Braun nach einem rustikalen Ballgewinn gegen Marvin Pourie verwarnt worden – bei einer der zahlreichen fragwürdigen Entscheidungen des Referees. „Schade, dass das nach drei Jahren so zu Ende geht“, so Braun, der die letzte Dienstfahrt nach Zwickau nicht mehr antritt. „Ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, sagt der 30-Jährige, der in seine Heimat zum SC Freiburg II wechselt, aber mehrfach betont hatte, gerne noch in Münster bleiben zu wollen.

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Keine Frage: Ehre, wem Ehre gebührt. Ein Aufstieg ist schon eine zünftige Sause wert. Auch auf Preußen-Seite missgönnte niemand den Kollegen die gute Laune. Allerdings hätte man an diesem Tag an diesem Ort auch sehr gut drauf verzichten können. Gerne hätte die Mannschaft nach dem letzten Heimspiel der Saison noch einen kleinen Ausflug zu den eigenen Fans gemacht. Vor allem die zehn Spieler, die hier zum letzten Mal in Diensten des SCP auf oder neben dem Platz standen, hätten sich zumindest eine kleine Abschiedszeremonie gewünscht. Die musste sich dann auf das Blumensträußchen vor dem Anpfiff beschränken, was die Spieler immerhin bestens für den bevorstehenden Muttertag vorbereitete – ihrem zum Teil langjährigen Einsatz in und für Münster aber nur bedingt gerecht wurde. „Manchmal gibt es eben diese Konstellationen“, nahm es Trainer Marco Antwerpen im Anschluss gelassen. „Wir hätten uns das anders gewünscht, aber jetzt ist es so.“ Auch für ihn und „Co“ Kurtulus Öztürk war es der letzte Arbeitstag am ramponierten Preußen-Acker, die letzte Dienstfahrt nach Zwickau ist für alle Beteiligten nur noch ein mühsamer Erfüllungsauftrag der Liga-Agenda.

Letzte Dienstfahrt

„Da müssen wir halt die spielen lassen, die zuletzt wenig gespielt haben. Mal gucken, ob die noch Bock haben. Keine Ahnung.“ So richtig mag Trainer Marco Antwerpen auch nicht Hand an die Werbetrommel für die letzte lange Auswärtsreise am kommenden Samstag legen. Für Münster geht es um nichts mehr, für Zwickau gilt das auch. Fußballerisch ist in Sachsen nicht mehr viel zu erwarten, die Spannung ist komplett raus – was aber auch nicht ganz schlecht ist. „Wenn wir mal nach unten schauen, was da los ist. Da können wir froh sein, dass wir da keine Aktien drin haben“, so Antwerpen. „Abgesehen davon, dass wir uns natürlich einen anderen Abschied gewünscht hatten, haben wir insgesamt eine ruhige Saison gespielt.“

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Mit einem merkwürdigen 1:4 verabschiedete sich das Team aus dem eigenen Stadion, hatte die Partie dabei lange im Griff, ehe sich Gäste-Stürmer Marvin Pourie nach 32 Minuten energisch und am Rande der Legalität gegen Ole Kittner durchsetzte und die erste Torannäherung zum ersten Treffer nutzte. In der Nachspielzeit der ersten Hälfte tauchte der KSC nach einer Ecke zum zweiten Mal vorm Preußen-Tor auf, und Damian Roßbach traf per Kopf. „Die führen 2:0 zur Halbzeit und wissen selber nicht, warum“, fasste Simon Scherder das Geschehen bis dahin zusammen. „Das ist auch die Erklärung, warum die am Ende oben stehen.“

Rühle außen vor

Tobias Rühle war nur für die Verabschiedung auf dem Platz, stand aber zum zweiten Male in Folge nicht im Preußen-Kader. Stattdessen gesellte sich der 28-Jährige zu seinem künftigen Uerdinger Mannschaftskameraden Adriano Grimaldi, der seinem Ex-Club auf Krücken einen Besuch abstattete.

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Die Torschüsse Nummer drei und vier durch Anton Fink (54.) und Martin Röser (57.) führten zu den Treffern drei und vier – und zu einem massiven Stimmungsgefälle im Stadion. In der ausgeweiteten KSC-Fankurve stieg die Sangesfreude, gegenüber wurde es still. Das vorletzte Wort dieses Nachmittags hatte dann Kobylanski mit seinem Anschluss- und Abschiedstreffer (66.). Der Rest ist ein Stückchen Ligageschichte, Karlsruhe stieg auf in Liga zwei, Münster gab sich einmal mehr unter Wert geschlagen ...

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