Fußball: 3. Liga
Rechte Hand und Korrektiv bei Preußen Münster

Münster -

Tobias Hellwig steht nicht unbedingt und zwangsläufig in der ersten Reihe. Unverzichtbar ist der 33-Jährige dennoch – als Co-Trainer von Chefcoach Sven Hübscher kümmert er sich unter anderem um die Analyse der Mannschaft und des Gegners.

Dienstag, 13.08.2019, 18:10 Uhr aktualisiert: 14.08.2019, 10:10 Uhr
Tobias Hellwig dirigiert auch am Spielfeldrand, tritt aber sonst hinter Chefcoach Sven Hübscher (unten links) zurück, neben dem er hier steht. Rechts Athletiktrainer Tim Geidies.
Tobias Hellwig dirigiert auch am Spielfeldrand, tritt aber sonst hinter Chefcoach Sven Hübscher (unten links) zurück, neben dem er hier steht. Rechts Athletiktrainer Tim Geidies. Foto: Johannes Oetz, Jürgen Peperhowe

Ein Trainerwechsel, dazu ein ganzes Dutzend Zugänge unter den Spielern – im Preußen-Lager gab es in diesem Sommer so viele neue Gesichter, dass manche beinahe unterzugehen drohen. Liegt im Fall von Tobias Hellwig wahrscheinlich auch daran, dass Co-Trainer selten in die erste Reihe drängen, und auch in seinem Fall ist das nicht anders. Doch der 33-Jährige, der seit vielen Jahren ein Wegbegleiter des neuen Chefcoaches Sven Hübscher ist, weist eine spannende Vita auf.

Die eigene Karriere endete, wie so oft bei vergleichbaren Werdegängen, früh mit 20. Stattdessen nahm er ein Studium mit den begehrten Schwerpunkten Training/Leistung an der Deutschen Sporthochschule in Köln auf, das er mit erst 23 abschloss. „Einer der letzten Diplom-Jahrgänge. Ich habe aber auch danach viel Zeit investiert, viele Leute kennengelernt. Oft hat sich dann eine Tür nach der anderen geöffnet“, erzählt er. Parallel arbeitete Hellwig im Reha-Center Medicos in Gelsenkirchen und bildete sich in den Themen Leistungsdiagnostik, Ausdauer und Schnelligkeit weiter. Der Weg zum FC Schalke 04 war also kurz. Seit 2010 war er für die Königsblauen zunächst in der Jugend-Abteilung als Assistent und Videoanalyst tätig und ab 2013 auch unter den Profi-Trainern Roberto Di Matteo, Jens Keller, André Breitenreiter und Markus Weinzierl (also im ähnlichen Zeitraum wie Hübscher als „Co“ arbeitete) für die Bereitstellung und Auswertung von Bildmaterial zuständig.

Dieser Bereich ist nach wie vor sein Steckenpferd. „Sven vertraut mir da. Ich kümmere mich um die Analyse unserer Mannschaft und des Gegners. Das habe ich ja viele Jahre auch bei S04 gemacht, das sind gewohnte Arbeitsprozesse.“ Die zweite große Aufgabe, die Hellwig bei den Preußen zufällt, sind die Standards. Klar, Hübscher ist hier auch involviert, doch um sich der Dinge detailliert zu widmen, fehlt meist die Zeit. Kevin Rodrigues Pires und Seref Özcan sind die Männer für die ruhenden Bälle. Ein paar neue Varianten waren im bisherigen Saisonverlauf bereits erkennbar. In der Regel stehen beide Spieler zur Ausführung bereit, damit die Abwehrreihen sich nicht frühzeitig auf den Schützen einstellen können.

Daneben ist der gebürtige Gelsenkirchener auch im Scouting gefragt. Mit dem Leiter dieser jungen Abteilung, Kieran Schulze-Marmeling, harmoniert er nach eigener Aussage hervorragend. „Mit unseren Ideen sind wir auf offene Ohren gestoßen. Klar ist finanziell nicht alles möglich, aber ich sehe den Verein auf einem sehr guten Weg.“

Schon zu Werder Bremen, wo beide erst die U 17 und dann die U 23 betreuten, kam Hellwig mit Hübscher. „Er ist der Chef, er gibt die Richtung vor, trifft im Zweifel die Entscheidung. Ich arbeite zu, die Verteilung ist klar geregelt. Aber wir sind auf einer Wellenlänge“, beschreibt der zweite Mann. Sein „Boss“ bewertet die Dinge noch differenzierter: „Mir ist persönliches Vertrauen wichtig. Tobi spiegelt mich, gibt mir oft Feedback. Er ist super akribisch, sagt mir offen seine Meinung. Ich halte es für wichtig, dass das so ist. Die Frage lautet ja sonst: Wer coacht den Coach?“

Nun liegt die Vermutung natürlich nahe, dass Hellwig auf Sicht selbst die Chefrolle anstrebt. „Das ist aktuell viel zu weit weg. Ich habe mich 2018 bewusst entschieden, dass ich Co-Trainer statt Analyst sein will. Dabei ging es mir auch darum, vermehrt auf dem Platz zu stehen. Das ist genau der richtige Weg.“ Der A-Lizenz-Inhaber peilt aber in den kommenden zwei, drei Jahren den Fußballlehrer-Kurs in Hennef an, beworben hat er sich in der Vergangenheit schon, den Aufnahmetest auch bestanden, doch Prominentere erhielten letztlich den Zuschlag. Die erste Preußen-Saison möchte er ohnehin nicht opfern. Gut möglich aber, dass das Thema 2020 noch mal akut wird.

Bis dahin gilt der einzige Fokus dem SCP. „Wir merken schon den Unterschied zu unseren vorherigen Aufgaben“, sagt Hellwig. „Und die ersten beiden Heimspiele haben schon mal Lust auf mehr gemacht.“

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