Fußball: 3. Liga
Wechselchaos in Halle – Preußen holen ein 2:2 beim Spitzenreiter

Halle -

Gibt’s nicht? Von wegen. Das Gastspiel der Preußen am Samstag beim Spitzenreiter aus Halle endete zwar aus Sicht der Gäste mit dem 2:2 (0:0) äußerst erfreulich. Wurde aber flankiert von einem Wechselchaos unmittelbar vor dem Ausgleich durch den ins Spiel gekommenen Joel Grodowski (84.). Und wer war schuld daran? Torsten Ziegner, Halles Fußball-Lehrer, schob den Schwarzen Peter den Unparteiischen in die Taschen.

Samstag, 21.09.2019, 17:12 Uhr aktualisiert: 21.09.2019, 17:24 Uhr
Fußball: 3. Liga: Wechselchaos in Halle – Preußen holen ein 2:2 beim Spitzenreiter
Maximilian Schulze Niehues und Nico Brandenburger diskutieren mit Schiedsrichter Michael Bacher. Foto: Jürgen Peperhowe

Sein Gegenüber Sven Hübscher hielt sich in seiner Analyse dezent zurück. Glückselig, zumindest den einen Punkt mit im Reisegepäck zu haben. Preußen-Angreifer Heinz Mörschel brachte auf den Punkt, was irgendwie alle dachten: „Ich blicke da nicht durch.“ Recht hatte er. Was war passiert?

Rückblick: Die Gäste lagen nach einem aufopferungsvollen Kampf mit 1:2 im Hintertreffen. Hübscher nahm seinen Nationalspieler Rufat Dadashov vom Grün, brachte Grodowski. Die Neun runter, die 27 kam. Das zumindest suggerierte die Anzeigentafel. Halles Pascal Sohm indes interpretierte Dadashovs Neun als Aufforderung, selbst den Rasen zu verlassen. Auch er trägt diese Rückennummer durch die Saison. Ein Missverständnis. Weil die neue Wechselregel vorsieht, die Wiese auf dem kürzesten Weg zu verlassen, zog Sohm auf der gegenüberliegenden Seite fix von dannen. Während im gleichen Augenblick Halles Stürmer Terence Boyd per Tafel angewiesen wurde, seinen Platz für Jan Washausen zu räumen. Hä? Boyd schlich langsam und in der Hoffnung, etwas Zeit zu gewinnen, runter, während der Unparteiische Michael Bacher das Spiel schon wieder freigab und Washausen beim entscheidenden Angriff der Preußen nicht mitverteidigen konnte, weil er relativ spät aufs Feld kam.

Grodowski war es egal, der hämmerte das Leder an die Unterkante ins Tor. Wirklich? War das Leder hinter der Linie? Nach einer kurzen Unterredung an der Linie mit seinem Assistenten gab Bacher den Treffer: 2:2. Und unterbrach die Partie infolge der Wechsel. Nach gefühlt endlosen Minuten aus Sicht der Gäste zählte das Tor. Wahnsinn! Und Boyd spielte weiter. Sohm war ja gegangen. Kurios.

Hallescher FC – SC Preußen Münster

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  • Halles Niklas Landgraf bringt Münsters Mittelfeldmann Seref Özcan zu Fall.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Engagiert am Spielfeldrand: SCP-Coach Sven Hübscher.

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  • Ex-Preuße Sebastian Mai bedrängt Rufat Dadashov ...

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  • ... und behauptet sich gegen Heinz Mörschel.

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  • Die Preußen-Elf vor dem Anpfiff.

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  • SCP-Keeper Maximilian Schulze Niehues in Aktion.

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  • Sehen Sie im Folgenden zahlreiche weitere Impressionen aus Halle.

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Nach drei Erfolgen in Serie hatte sich Halle an die Spitze der dritten Liga geschoben. Sehr zur Freude von Trainer Ziegner, dessen Statement kurz und knapp ausfiel, als er von einem Journalisten danach gefragt wurde, wie sich das denn anfühle: „Gut, aber nicht anders.“ Sportdirektor Ralf Heskamp, viele Jahre für den VfL Osnabrück in Amt und Würden und ein Jahr als Spieler ein Preuße, wurde da etwas genauer. „Das soll mehr als eine Momentaufnahme sein. Wir wollen diese Position verteidigen.“ Klappte nicht, Halle rutschte durch das Remis auf Rang zwei hinter Unterhaching.

Die jüngste Bilanz in der Meisterschaft sprach im Vorfeld nicht unbedingt für den Gast. 2:3 in Würzburg, 1:1 gegen Uerdingen, 0:1 in Rostock, 2:3 gegen Aufsteiger Viktoria Köln – Münster hat vier Spiele lang nicht gewonnen, katapultierte sich in die sportliche Krise. Und Halle? Holte aus den vergangenen drei Spielen die volle Ausbeute, traf zehnmal und schürte in Sachsen-Anhalt viel Euphorie. Es wird geträumt.

Ein Wiedersehen gab es aus münsterischer Sicht mit Ex-Kicker Sebastian Mai, inzwischen Spielführer in seinem neuen Club. Robust und aggressiv – einer, der hinten wie vorne seinen Mann steht. Ex-Coach Benno Möhlmann hat mal über den 25-Jährigen wertschätzend folgendes gesagt: „Der Mai hat immer geradeaus das Übel beim Namen genannt und manchmal richtig dazwischengehauen.“ Viel mehr Lob geht nicht.

Rodrigues Pires nach 24 Minuten raus

Apropos dazwischenhauen: Für Kevin Rodrigues Pires war nach 24 Minuten bereits Schluss. Nach einem Scharmützel mit Bentley Bexter Bahn sah er zurecht Gelb (14.), um in der Folge nicht glimpflicher mit seinen Gegenspielern umzugehen. Nach zwei weiteren Ermahnungen durch den Schiedsrichter hatte Hübscher genug gesehen. Er nahm seinen rotgefährdeten Mittelfeldmotor runter, brachte Luca Schnellbacher.

Münster machte das durchaus geschickt in Hälfte eins, ließ in der Defensive bis auf einen Pfostentreffer von Mai nichts zu. Halle hatte zwar ein spielerisches Übergewicht, wusste aber auch nicht, wo das Tor des Konkurrenten stand.

Nach der Pause jubelt der SCP-Anhang

Nach der Pause jubelten dann die mitgereisten Anhänger des SCP unter den 9021 Zuschauern. Seref Özcan legte auf Heinz Mörschel, der den Ball an Halles Tormann Kai Eisele ins Netz legte (48.). Die Führung. Der Tabellenführer wirkte für einen Moment geschockt. Und schlug doch zurück. Nach einer Flanke von der rechten Seite verlängerte Okan Erdogan die Kugel am ersten Pfosten direkt zu Sohm, der am zweiten Pfosten locker ins leere Tor einnickte. Der Ausgleich (63.).

Nur 14 Minuten später hatte Halle das Blatt gewendet. Niklas Heidemann bekam den Ball unglücklich im Strafraum an die Hand, der Pfiff auf den Punkt kam wie aus der Pistole. Bentley Baxter Bahn ließ sich dieses Geschenk nicht entgehen (77.). Mörschel und Co. gaben sich keinesfalls geschlagen. Und wurden für ihren Mut belohnt. Grodowski nutzte das Wechselchaos und haute das Ding unter die Latte, nachdem er nicht mal eine Minute auf dem Rasen stand. Das er damit eine Welle der Diskussionen auslöste, war ihm wurscht.

Hallescher FC: Eisele – Göbel, Vollert, Mai, Landgraf – Bahn, Jopek, Guttau (54. Nietfeld), Drinkuth – Boyd (84. Washausen), Sohm

SC Preußen: Schulze Niehies – Schauerte, Kittner, Erdogan, Heidemann – Rodrigues Pires (24. Schnellbacher), Brandenburger, Wagner, Özcan, Mörschel – Dadashov (83. Grodowski)

Tore: 0:1 Mörschel (48.), 1:1 Sohm (63.), 2:1 Bahn (77.), 2:2 Grodowski (84.)

Zuschauer: 9021

Schiedsrichter: Michael Bacher (Amerang)

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