Fußball: 3. Liga
Preußen Münster punktet kurios, aber verdient in Halle

Halle -

Dieses Spiel hat Spuren hinterlassen: Dicke Knöchel, blaue Flecken, heisere Stimmen – aber auch das Gefühl großer Zufriedenheit. Der SC Preußen Münster hat sich im sächsischen Halle mit echter Knochenarbeit einen verdienten Zähler erarbeitet. 2:2 hieß es am Ende – doch es droht noch Ungemach.

Sonntag, 22.09.2019, 14:14 Uhr aktualisiert: 22.09.2019, 15:09 Uhr
Aufregendes Finale einer aufregenden Partie: Preußen-Keeper Maximilian Schulze Niehues (r.) stellt seinen Ex-Kollegen Sebastian Mai nach dessen rustikalen Einsatz gegen Luca Schnellbacher zur Rede.
Aufregendes Finale einer aufregenden Partie: Preußen-Keeper Maximilian Schulze Niehues (r.) stellt seinen Ex-Kollegen Sebastian Mai nach dessen rustikalen Einsatz gegen Luca Schnellbacher zur Rede. Foto: Jürgen Peperhowe

9, 13, 21, 27 – nein, es war nicht die vorgezogene Ziehung der Lottozahlen am Samstagnachmittag in Halle. Aber auch für diese Vierer-Reihe ohne Zusatzzahl wird wohl gelten, dass der Rechtsweg ausgeschlossen ist.

Was war passiert? Im Erdgas-Sportpark sind 83 Minuten gespielt, es steht 2:1 für den Halleschen FC gegen Preußen Münster, und am Spielfeldrand werden auf zwei Tafeln eben diese vier Zahlen in die Höhe gehalten. Die Preußen reagieren wie geplant: Die Nummer 9, Rufat Dadashov, geht, die Nummer 27, Joel Grodowski kommt. Beim Gastgeber trottet Terrence Boyd (Nummer 13) gemächlich zur Seitenlinie und wird bereits sehnsüchtig von der einsatzbereiten 21, Jan Washausen, erwartet. Gleichzeitig schickt Schiedsrichter Michael Bacher in einem kurzen Moment der Verwirrung auf der entgegengelegenen Platzseite auf kürzestem Weg Pascal Sohm vom Feld, die Nummer 9 der Gastgeber – und pfeift die Partie wieder an.

Halles Trainer stinksauer

Halle hat soeben wider Willen einen neuen für zwei alte Spieler eingewechselt. Das ist eher unüblich und hätte das Zeug für eine lustige Anekdote, wenn nicht Münsters Neuer nach „gefühlten zehn Sekunden“ (O-Ton Grodowski) zum ersten Mal an den Ball gekommen wäre und das Leder mit Wucht erst unter die Latte und dann knapp hinter die Linie des HFC-Tores befördert hätte. Es war der Treffer zum 2:2 (0:0)-Endstand einer Partie, die nicht nur durch diesen Schlusspunkt viel Gesprächsstoff lieferte.

Hallescher FC – SC Preußen Münster

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  • Halles Niklas Landgraf bringt Münsters Mittelfeldmann Seref Özcan zu Fall.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Engagiert am Spielfeldrand: SCP-Coach Sven Hübscher.

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  • Ex-Preuße Sebastian Mai bedrängt Rufat Dadashov ...

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  • ... und behauptet sich gegen Heinz Mörschel.

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  • Die Preußen-Elf vor dem Anpfiff.

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  • SCP-Keeper Maximilian Schulze Niehues in Aktion.

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  • Sehen Sie im Folgenden zahlreiche weitere Impressionen aus Halle.

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„Das war das unwürdige Ende eines guten Spiels“, befand Preußen-Trainer Sven Hübscher. Amtskollege Torsten Ziegner hatte erwartungsgemäß etwas mehr zum Thema zu sagen. Um es kurz zu machen: Halles Trainer war stinksauer über das folgenreiche Wechselchaos. Einigkeit herrschte jedoch bei beiden Übungsleitern darüber, dass die Partie auf denkwürdigem Umweg zu einem völlig korrekten Ergebnis gekommen war. „Verdient“ sei der Punkt gewesen, so Hübscher. „Absolut“, bestätigte Ziegner. Allerdings hat sein Club pro forma Einspruch eingelegt und will Fachleute zur juristischen Beratung zu Rate ziehen. 

Drei Fragen an Heinz Mörschel

Heinz Mörschel kommt in Fahrt. Sein erstes Preußen-Tor erzielte er vor Wochenfrist gegen Viktoria Köln, in Halle folgte jetzt der zweite Streich.Der Knoten scheint geplatzt zu sein, wie fühlt sich das an?Mörschel: Ich glaube, ich bin angekommen. Die Anfangszeit war ein bisschen schwieriger hier in Münster. In meinem Umfeld war noch nicht alles top, ich hatte noch keine Wohnung. Ich bin so ein Typ, der braucht seinen Wohlfühlfaktor. Die Wohnung ist jetzt seit zwei Wochen da, und ich fühle mich jetzt richtig wohl.Sie schlossen die perfekte Zusammenarbeit des Sturmtrios mit dem 1:0 ab. Wie haben Sie die Ereignisse danach erlebt?Mörschel: Ja. Erst mal freut man sich, dann kommt die Ernüchterung, dass man doch wieder in Rückstand gerät. Aber irgendwie hatten wir alle immer das Gefühl, dass es das noch nicht war diesmal, dass da noch was gehen kann.Vor beiden Gegentreffern herrschte zunächst Aufregung vor dem Hallenser Tor. Sie waren immer dicht dran, was war da genau passiert?Mörschel: Vor dem 1:1 hat Rufat Dadashov die Chance, Sebastian Mai grätscht rein und bekommt dabei den Ball an die Hand. Das ist Elfmeter. Vor dem 2:1 wird Seref Özcan gefoult. Es wird nicht gepfiffen. Der liegt da, und die spielen eiskalt weiter. Das ist vielleicht nach den Regeln, ob es fair ist, weiß ich nicht.

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Beim entthronten Spitzenreiter lieferte der personell angeschlagene SCP eine taktisch und kämpferisch blitzsaubere Vorstellung ab. Mit einem Punkt, diversen dicken Knöcheln und blauen Flecken, aber rundum zufrieden trat das Team den Rückweg an. „Jetzt können wir selbstbewusst gegen die Bayern den nächsten Dreier reinholen“, kündigte der überragende Seref Özcan an, der die 1:0-Führung durch Heinz Mörschel (48.) eingeleitet hatte. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte die überarbeitete Taktik von Hübscher zu 100 Prozent Früchte getragen.

Dauer-Belagerung durch den Gastgeber

Als Stabilisierung der zuletzt anfälligen Defensive hatte er eine Dreierkette aufgeboten. „Das war mir schon am letzten Sonntag klar“, so Hübscher, der allerdings lange um das passende Personal bangen musste. Sowohl Ole Kittner als auch Fridolin Wagner meldeten sich nach Verletzungen erst am Donnerstag im Mannschaftstraining zurück – und mussten am Samstag schon wieder 90 Minuten lang unter Volldampf stehen. „Ich war mir da nicht so sicher“, gestand Hübscher nach der Partie ein. „Ich hätte gerne gewusst, wie das mit drei echten Innenverteidigern ausgesehen hätte.“

Rodrigues Pires muss früh raus

Maurice Litka fehlte im Preußen-Kader. Die Nummer acht hatte sich im Abschlusstraining am Freitag eine Gehirnerschütterung zugezogen. So rückte Marcel Hoffmeier in den Kader, auch Dominik Klann hatte sich durch starke Vorstellungen in der U 23 einen Platz erarbeitet. Joel Grodowski war nicht nur dabei, sondern bekanntlich am Ende mitten drin. Ein frühes Ende fand der Einsatz von Kevin Rodrigues Pires. Er musste nach 24 Minuten mit Aussicht auf die Gelb-Rote Karte von Trainer Sven Hübscher in Schutzhaft genommen werden. Neu in der Startelf standen Fridolin Wagner, Heinz Mörschel, Ole Kittner, Niklas Heidemann und Seref Özcan.

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In Ermangelung von Fachkräften rückte also Mittelfeldmann Wagner zurück in die letzte Verteidigungslinie und machte dort zur großen Erleichterung seines Trainers einen hervorragenden Job – wie auch seine Mitstreiter Kittner und Okan Erdogan. Da brannte trotz der Dauer-Belagerung durch den Gastgeber lange Zeit nichts an. Und als dann auch noch Mörschel eiskalt zur Führung traf, hatten die Preußen-Fans sogar den ersten Auswärtssieg seit Mai – damals beim Halleschen FC – vor Augen. Doch eine verunglückte Kopfballabwehr von Erdogan nebst Sohms Ausgleichstreffer (63.) und Bentley Bexter Bahns Elfmetertreffer (77.) nach einem unglücklichen Handspiel von Niklas Heidemann brachten die Platzherren zurück und Münster vermeintlich um den verdienten Punkt. Doch dann begann die Wechsel-Lotterie ...

Wagner darf bleiben

Als der Mannschaftsbus auf dem Weg zurück in den Westen schon die Lutherstadt Eisleben passiert gehabt haben dürfte, hockte ein Preußen-Kicker immer noch einsam und allein im Preußen-Trainingsanzug vor dem Erdgas-Fußballpark in Halle. Fridolin Wagner war nicht vergessen worden. Der 21-Jährige hatte nach seiner Top-Leistung im Zentrum der SCP-Dreierkette spontan einen Tag Sonderurlaub erhalten und wartete auf den privaten Abholservice. Wagners Familie lebt in Leipzig, nur eine halbe Autostunde von Halle entfernt. Pünktlich zum Dienstagstraining ist Wagner natürlich zurück in Münster.

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