Fußball: 3. Liga
Der nächste Nackenschlag für Preußen Münster beim 1:1 gegen SGS Großaspach

Münster -

Acht Spiele ohne Sieg: Der SC Preußen steht am Scheideweg. Und bleibt auf einem Abstiegsplatz nach dem mageren 1:1 gegen den unmittelbaren Konkurrenten SGS Großaspach.

Sonntag, 20.10.2019, 14:46 Uhr aktualisiert: 20.10.2019, 15:55 Uhr
Frust und Freude: Dimitry Imbongo Boele dreht jubelnd ab nach dem 1:1: Simon Scherder und Torwart Max Schulze Niehues sind fassungslos.
Frust und Freude: Dimitry Imbongo Boele dreht jubelnd ab nach dem 1:1: Simon Scherder und Torwart Max Schulze Niehues sind fassungslos. Foto: Jürgen Peperhowe

Es gab nur eine einzige Aufgabenstellung für dieses Spiel: Ein Sieg, egal wie, die Negativserie beenden. Alles andere wäre eine Niederlage. Und so wirkte dieses 1:1 (1:0) vor nur noch 5084 Zuschauern auch, wie eine verheerende Schlappe, wie ein Schlag ins Kontor. Dabei wurde nicht nur die Führung hergegeben, sondern der Ausgleich auch noch in Überzahl kassiert, und das kurz vor dem Spielende – so geht Abstiegskampf nicht. Auf keinen Fall.

Noch schlimmer ist, dass dieses magere Remis vom heimischen Publikum mit ein paar vereinzelten Pfiffen und sonst eher mit Gleichmut und Kopfschütteln hingenommen wurde.

Kein Elfmeter für Foul an Dadashov

„Nö“, meinte Trainer Sven Hübscher nach der Partie auf die Frage, ob er seiner Mannschaft einen großen Vorwurf machen könne. Und: „Es fühlt sich an wie eine Niederlage. Wir verpassen es, das zweite Tor zu machen. Für Großaspach ist es wie ein Sieg. Klar sind wir enttäuscht. Die Partie werden wir aufarbeiten, dann geht es weiter.“ Weiter geht es beim Aufstiegsaspiranten FC Ingolstadt mit einem ganz schweren Rucksack als Laufgepäck: Nur vier von 24 möglichen Punkten wurden aus den vergangenen acht Spielen geholt. Die Luft wird immer dünner.

SC Preußen Münster – SG Sonnenhof Großaspach

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  • Münsters Heinz Mörschel bleibt Sieger im Kopfballduell mit Dennis Slamar.

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  • Okan Erdogan kämpft um den Ball.

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  • Seref Özcan versucht, ans Leder zu kommen.

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  • SCP-Stürmer Rufat Dadashov im Luftduell mit Kai Gehring.

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  • Allerlei Action im Strafraum der Großaspacher.

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  • Rufat Dadashov behauptet den Ball gegen Julian Leist.

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  • Sehen Sie im Folgenden viele weitere Bilder der Partie.

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Hübscher wirkte trotzig und angespannt, als die Frage in den Raum gestellt wurde, gegen wen die Preußen denn überhaupt noch gewinnen können, wenn sie schon das Ding gegen Großaspach vermasselt hätten: „Dann gegen Ingolstadt.“ Sein Mantra bleibt, dass jeder gegen jeden gewinnen kann. Nur der SC Preußen kann das seit Wochen nicht mehr wirklich. Auch nicht im Kellerkinderduell gegen Großaspach. Als sich nach 17 Minuten auf der linken Seite der agile Seref Özcan durchsetzte, schien alles für Münster zu laufen. Sein Rückpass fand Fridolin Wagner, der mit einem tollen Schlenzer von der Strafraumgrenze das 1:0 markierte.

Und sonst so? Torwart Max Schulze Niehues verhinderte in der Folge drei Mal einen Gegentreffer, zudem wurde ein Foulspiel an Rufat Dadashov (45.) nicht mit Elfmeter geahndet. Andererseits hatte Okan Erdogan wenige Minuten zuvor Glück, vom hastigen Schiedsrichter Robert Kempter nach einem rüden Foulspiel nicht mit Rot bedacht worden zu sein.

Wie ein Leberhaken im Boxen

Münsters beste Phase nach dem Wechsel führte bei guten Chancen von Özcan (50.) und Julian Schauerte (53.) nicht zum erlösenden 2:0. Vielmehr verfestigte sich dieses ungute Gefühl, eine Vorahnung, dass das nicht gut geht mit dem knappen 1:0. Kai Gehrings Kopfball (67.) fingerte Schulze Niehaus noch an die Latte. Der Platzverweis für Sebastian Bösel (78.) wirkte für wehrhafte Gäste wie zusätzlicher Treibstoff. Münster wankte, Münster wackelte, Münster schenkte den Ausgleich her.

Der eingewechselte Dimitry Imbongo Boele bugsierte das Leder nach einer Fehlerkette der Preußen zum 1:1 ins Tor. Zum Haareraufen, ein Gegentreffer, wie ihn nur Mannschaften ohne bedingloses Selbstvertrauen kassieren. Münster mit einem Mann mehr, Großaspach in Unterzahl – das musste schmerzen wie ein Leberhaken im Boxen. Atemnot.

„Das ist Abstiegskampf“, und für einen Moment dachte man, SG-Coach Oliver Zapel würde in der Pressekonferenz gleich einmal jubelnd auf den Knien durch den Raum schlittern wollen vor Freunde. Und, ja, es war eine Kampfansage: „Der Platz im Stadion sieht aus, als wäre eine Wildschweinherde drüber getrampelt. Genau das war der Plan.“ Totgesagt, mit einem Mann weniger gepunktet, und dann noch das Spielfeld des Gegners ramponiert – viel Schöneres gibt es für Zapel wohl nicht.

„Ganz klar unsere Dummheit, einfach dämlich“, schimpfte derweil Torschütze Wagner. Er hätte gerne auf sein erstes Tor für den SCP verzichtet, es wäre ihm „egal gewesen“, lieber hätte er gewonnen. Aber so – Wagners Halsschlagader pulsierte. „Das musst du doch heute hier gewinnen. Du musst“, war auch Torvorbereiter Özcan der Verzweiflung nah. Er bewegte sich zwischen Ratlosigkeit, Frust und großem Ärger: „Ich hätte lieber katastrophal gespielt und dafür gewonnen.“

Kommentar

Das böse A-Wort wurde bei den Preußen bislang nicht ausgesprochen. A wie Abstiegskampf. Tut weh in den Ohren, sorgt für Kopfschmerzen. Bei allem Respekt dürfte ein Personaletat von knapp drei Millionen Euro in der Regel in der 3. Liga zu einer stressfreien Spielzeit genügen. Aber irgendwo gibt es einen gravierenden Systemfehler bei den Preußen.Ist der Kader nicht drittligatauglich? Wenn das so ist, dann wäre Sportchef Malte Metzelder gefragt und verantwortlich. Dieses Aufgebot trägt seinen Stempel. Wenn es nicht genügt, dann muss er alle Hebel in Bewegung setzen, damit in der Winterpause nachjustiert wird. Klamme Kassen? Dann muss Sportchef Metzelder zaubern. Doch wenn also die sportliche Qualität nicht genügt und Wintertransfers ausgeschlossen sind, dann wäre der Abstieg sehr wahrscheinlich.Holt Trainer Sven Hübscher das Maximum aus der Mannschaft heraus? Die letzten zwei Monate mit vier Punkten aus acht sieglosen Spielen sind kein gutes Zeugnis, nicht für die Spieler, nicht für den Trainer. Eine Eingewöhnungsphase wurde allen Beteiligten zugestanden, die Schonfrist ist vorbei. Nach einem Saisondrittel steigt der Druck. Ist der Kader gut genug, dann muss Hübscher zulegen. Jetzt! Sofort!Wissen alle, dass das Abstiegskampf ist? Die individuelle Einstellung ist in Ordnung, keiner lässt sich sichtbar hängen. Nur gab es nach der Partie Schuldzuweisungen von Spielern, einige hätten nach dem Platzverweis nicht mehr alles gegeben. Als Kollektiv überzeugt der SCP nicht, da kam Großaspach brachialer daher – so wie es sein muss. Und es fehlt jeder Funke, der vom Rasen zu den Zuschauern springt, der SCP fesselt nicht gerade seine eigenen Fans. Abstiegskampf angenommen? Bislang eher nicht.

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