Fußball: 3. Liga
Dadashov geht - Preußen profitieren und haben eine große Sorge mehr

Münster -

Rufat Dadashov verlässt den SC Preußen Münster nach eineinhalb Jahren und wechselt in die USA. Der 28 Jahre alte Angreifer schließt sich FC Phoenix Rising in Scottsdale ein, gelegen im Wüstenstaat Arizona. Der SCP hat ein Problem, weil die Stürmerdecke immer dünner wird. Der SCP profitiert, weil er eine Ablösesumme erhalten wird.

Samstag, 11.01.2020, 10:52 Uhr aktualisiert: 11.01.2020, 14:10 Uhr
Fußball: 3. Liga : Dadashov geht - Preußen profitieren und haben eine große Sorge mehr
Rufat Dadashov beim Spiel gegen 1860 München im Dezember 2019. Foto: Jürgen Peperhowe

Dann ging alles ganz schnell. Immer wieder hatte Sportchef Malte Metzelder zuletzt erklärt, dass es keine Anfragen von wechselwilligen Spielern im Aufgebot des SC Preußen Münster gäbe. Dabei schwirrte bereits in der Frühphase der Saison häufiger der Name von Rufat Dadashov durch die Luft am Preußenstadion, wenn von abwanderungswilligen Akteuren geredet wurde. Es soll Druck aus dem Umfeld des Spielers gegeben haben. Bestätigt wurde das nie, doch jetzt wechselt der 28 Jahre alte Nationalspieler von Aserbaidschan in die USA zum FC Phoenix Rising, einem Zweitligisten aus der so genannten USL Championship. Auch mit einem Wechsel nach Vietnam soll er kokettiert haben.

Stellungnahme von Malte Metzelder

„Wir brauchen Spieler, die sich gerade in der jetzigen Situation bedingungslos in den Dienst der Mannschaft stellen und sich zu 100 Prozent zu den Zielen des Vereins bekennen“, sagte Metzelder in einer ersten Stellungnahme in der Abschieds-Pressemitteilung für Dadashov. Was nichts anderes bedeutete, als dass das Tischtuch zerschnitten ist, der Spieler unbedingt weg wollte. Diese Beziehung ist in die Brüche gegangen.

Vorteile für den SCP

Aus Sicht der Preußen hat das einige Vorteile. Denn einen unzufriedenen Spieler kann der Club bei der geplanten Aufholjagd nicht gebrauchen, nicht in einem Moment. Auch hatte sich Dadashov zuletzt beim Torjubel bereits mit dem eigenen Anhang angelegt, sich die Finger in die Ohren gesteckt, und damit Kritik an seiner Person beantwortet. Warum das so war, konnte nicht im Detail geklärt werden, da Dadashov im Advent beschloss, nicht mehr mit Journalisten zu sprechen.

Der Verdacht liegt nahe, dass er sich ungerecht behandelt fühlte, zu schlecht benotet von den Fachmedien sah - er war auf dem Weg zum Solitär beim SCP und auch zum Feindbild für einen Teil des Anhangs. Dazu war seine sportliche Leistung nicht so, dass er unangefochtener Stammspieler war, auch nicht beim kriselnden SCP. Metzelder wusste um diese Entwicklung, und er versuchte in den letzten Spielen vor der Winterpause Dampf vom Kessel zu bekommen.

Zudem wäre Dadashov im März wohl zu Nationalmannschaft von Aserbaidschan gereist, wenn zwei Länderspiele angestanden hätten - in der gleichen Zeit wird der SCP zwei Punktspiele austragen. Das wäre spannend geworden mit der Abstellung, noch so ein Nebenkriegs-Schauplatz, den kein Mensch braucht, schon gar keiner der Preußen.

14 Tore in 52 Spielen

Nun ist Dadashov weg, nach 52 Drittliga-Einsätzen mit 14 Toren, dazu garniert mit sechs Treffern in drei Westfalenpokal-Partien. Er war von Regionalligist BFC Dynamo aus Berlin mit der Traumquote von 25 Treffern in 25 Partien im Sommer 2018 gekommen. In Münster unterstrich Dadashov seinen Torriecher nicht in diesem Maße, lieferte aber immer dann, wenn das Spiel im Strafraum auf ihn zugeschnitten war. Es ist die Krux von klassischen Mittelstürmern, denen außerhalb der „Box“ die Qualität beim Torabschluss geraubt wird, weil sie sich um Pressing, Ballverteilung, Ballabschirmung  und andere taktische Dinge kümmern müssen. Das waren wiederum nicht seine ausgeprägten Stärken. Dadashov war und ist ein Mittelstürmer im klassischen Sinne. In den letzten Partien nahm allerdings sein Verhalten außerhalb des Platzes leicht divenhafte Züge an.

Verteidiger und Stürmer gesucht

Und nun? Den Preußen fehlt nicht nur mindestens ein spielstarker Innenverteidiger, sondern auch ein Angreifer, ein Neuner. Zwar dürfte der SCP nicht nur das Dadashov-Gehalt einsparen, sondern auch eine moderate Ablösesumme erhalten, aber der Transfermarkt ist nicht gerade überlaufen von wechselwilligen Angreifern, die genau jetzt zum Tabellenvorletzten der 3. Liga kommen wollen. Nach dem Fortgang von Dadashov stehen mit dem jungen Joel Grodowski und Luca Schnellbacher nur noch zwei nominelle Angreifer im Aufgebot, Heinz Mörschel gilt zudem nur als „Notlösung“ für die zentrale Angriffsposition. Metzelder ist, wenn er den Abstiegskampf in allerletzter Konsequenz ernst nimmt, zum Handeln gezwungen. Zuletzt brachte die Bild-Zeitung Carsten Kammlott aus der Insolvenzmasse von Nordost-Regionalligist Wacker Nordhausen ins Spiel.

Aber Metzelder sagte auch, dass er hofft, dass der Transfermarkt bei den Zweitligisten noch in Bewegung kommt. Da würde er gern, wenn sich die Möglichkeit bietet, zuschlagen. Vor wenigen Tagen war damit ein potenzieller Wechsel eines Innenverteidigers gemeint, nun kommt die ungeklärte Stürmerfrage dazu. Metzelder muss an vielen Fronten kämpfen, keine leichte Aufgabe, diese Kurskorrektur des Kaders. Die Situation drängt, am 25. Januar steht der Rückrundenstart in Jena an.  Bislang wurde neben dem neuen Trainer Sascha Hildmann nur Jan Löhmannsröben für die defensive Mittelfeldzentrale verpflichtet. Rufat Dadashov ist nun der erste Abgang.

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