Fußball: 3. Liga
Preußen treten in Kaiserslautern der Maurerinnung bei

Kaiserslautern -

Alle hinten rein und vorne auf den lieben Gott hoffen – so lautete früher oft die Anweisung, tief stehender Mannschaften. Etwas mehr Plan steckte beim 1:1 von Preußen Münster beim 1. FC Kaiserslautern schon dahinter. Dennoch brachte die Mauertaktik den Coach der Gastgeber, Boris Schommers, zur Weißglut.

Sonntag, 09.02.2020, 18:58 Uhr aktualisiert: 09.02.2020, 20:16 Uhr
Riesiges Pensum und Torschütze: Luca Schnellbacher
Riesiges Pensum und Torschütze: Luca Schnellbacher Foto: Jürgen Peperhowe

Sascha Hildmann schaute kurz verstohlen und mit einem leichten Grinsen über seine Brille hinweg, als sein Trainerkollege Boris Schommers zur großen Zeterei ansetzte. „Wenn eine Mannschaft so destruktiv spielt, dann muss das bestraft werden“, moserte der Übungsleiter des 1. FC Kaiserslautern wie ein Gralshüter des gepflegten Offensivfußballs, und gemeint waren die Preußen. Münster hätte „einen Bus geparkt“ vor dem Strafraum, nullkommanull um Angriffe bemüht, und so weiter, und so fort. Frust pur beim FCK.

Dabei hatte der abstiegsgefährdete SCP nur das gemacht, was so ziemlich jeder in der vergleichbaren Situation machen würde: fußballerischen Beton angerührt, auf Konter gewartet, einen Punkt geholt, Abfahrt. Das 1:1 (1:1) auf dem Betzenberg vor 18 332 Zuschauern war aus Sicht der Gäste ein ziemlich hart erarbeiteter Punkt, kein Grund sich dafür schämen zu müssen.

Pfiffe für Löhmannsröben

Münsters neuer Abwehrchef Jan Löhmannsröben spielte in der Saison 2018/19 für den 1. FC Kaiserslautern. Bei seiner Rückkehr auf den Betzenberg wurde die Nummer 17 mit Pfiffen begrüßt. Aber „Löh“ wäre nicht „Löh“, wenn er nicht sagen würde: „Ich habe keine Pfiffe gehört. Aber offenbar gehört das beim Fußball dazu. Ist halt so.“ Also ein klassisches „Isso“. Er wollte nicht alles in höchsten Tönen loben, aber zufrieden war er allemal: „Im letzten Heimspiel haben wir vier Gegentore kassiert, jetzt standen wir stabil. Nun können wir mit breiterer Brust gegen Würzburg auflaufen.“ Am Freitag (19 Uhr) gastieren die Kickers im Preußenstadion.

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Das tat dann auch Sascha Hildmann, der gebürtige Kaiserslauterer, nicht. Warum auch? Zumindest ein Zähler wurde aufgeholt auf Viktoria Köln (2:4 gegen Bayern München II), das kickende Chaos aus der Schlussphase beim 1:4 gegen den MSV Duisburg wiederholte sich nicht. Und vielleicht, aber nur vielleicht, wäre unter gewissen Umständen sogar ein Sieg möglich gewesen. Wenn Luca Schnellbacher nach 74 Minuten nicht den Pfosten, sondern zum 2:1 ins Tor getroffen hätte. Oder der SCP in der Schlussphase in Überzahl mit dann „breiter Brust“ den Siegtreffer mit mehr Risiko gesucht hätte.

Im Nachhinein wäre eine „letzte Attacke“ am Betzenberg nicht so falsch gewesen, weil zwar der Rückstand zu den Kölnern verkleinert wurde, andererseits am Sonntag Chemnitz mit 3:0 gegen den Halleschen FC gewann. Von sechs auf sieben Punkte ist der Rückstand auf das rettende Ufer nun angewachsen. Ein dickes Brett.

Rodrigues Pires verletzt

Trainer Sascha Hildmann hatte seine Startelf umgebaut. In der Abwehr kam Oliver Steurer erstmals von Beginn an zum Einsatz. In der Mittelfeldzentrale besetzte der SCP-Coach die Doppel-Sechs komplett neu. Der zuletzt erkrankte Fridolin Wagner war einsatzbereit, ihm zur Seite wurde diesmal Kevin Rodrigues Pires gestellt. Der Mann mit der Nummer zehn sollte für spielerische Impulse bei Kontern sorgen, die Möglichkeit bestand in der ersten Stunde praktisch nie. Zudem verletzte sich Rodrigues Pires kurz nach der Pause an der Schulter und musste ausgetauscht werden. Vierter „Neuling“ war Maurice Litka, dessen offensive Akzente bei der defensiven Ausrichtung hinten anstehen mussten. Offiziell war das ein 5-4-1-System, in der Wirklichkeit durfte das durchaus als Neunerblock in der Verteidigung eingeordnet werden.

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Nein, Hildmann war so ehrlich zu erkennen, dass die Preußen solitär betrachtet mit dem Punkt gut bedient waren. Das Heimspiel gegen Würzburg am Freitag muss nun gewonnen werden, koste es, was es wolle.

1. FC Kaiserslautern – SC Preußen Münster

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  • Luca Schnellbacher bejubelt seinen Führungstreffer.

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  • Alexander Rossipal wird von zwei Lauterern bedrängt.

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  • An alter Wirkungsstätte auf dem Betzenberg: SCP-Coach Sascha Hildmann,

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  • Maurice Litka im Zweikampf mit Kevin Kraus.

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  • Lucas Cueto behauptet sich gegen zwei Lauterer.

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  • Sehen Sie im Folgenden zahlreiche weitere Fotos der Partie.

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Tatsächlich schickte Hildmann seine Schützlinge in einer Art 1-9-1-System aufs Feld. Fünf Abwehrspieler mit dem Auftrag möglichst alle Lauterer Angriffe letztlich im Keim zu ersticken. Davor vier Mittelfeldspieler mit der gleichen Mission – es klaffte oft ein riesiges Loch zum stürmenden Alleinunterhalter Luca Schnellbacher. Die Preußen gaben praktisch große Teile des Mittelfelds preis, um nicht in Schwierigkeiten zu geraten oder eine teuflische Falle zu tappen.

„Das war der Plan, den haben wir überragend umgesetzt“, sagte Verteidiger Oliver Steurer stellvertretend für die Maurerinnung mit dem Adler auf dem Arbeitskleid. Sportchef Malte Metzelder atmete durch: „Am Ende des Tages sind wir mit dem Punkt zufrieden. Gegen den Ball war das sehr gut, in schwierigen Phasen haben wir uns gut verhalten.“

FCK-Trainer Schommers sprach allein von „neun großen Chancen vor der Pause“. Nun gut, es waren derer vier, und wirklich prekär wurde es nur in der Nachspielzeit, als Jan Löhmannsröben und Lucas Cueto für den geschlagenen Max Schulze Niehues vor der Torlinie klärten. Hildmanns Replik: „Genau deshalb haben wir mit einer Fünfer- und nicht einer Viererreihe gespielt, um das abwehren zu können.“ Der SCP hatte effektiv durch Schnellbacher (21.) das 1:0 erzielt, sich auch nicht vom „Matchplan“ nach dem 1:1 durch Christian Kühlwetter (27.) abbringen lassen.

Pyrotechnik-Alarm

Beim Zweitliga-Punktspiel des Hamburger SV war das kontrollierte Abbrennen von Pyrotechnik ausnahmsweise gestattet. Die mitgereisten Fans des SC Preußen hatten diese Erlaubnis am Betzenberg nicht. Wenige Augenblicke vor dem Anpfiff gab es Rauchentwicklung aus dem Gäste-Block im Fritz-Walter-Stadion zu vermelden, einige Leuchtfackeln und Böller wurden gezündet. In dieser Saison wurde der SCP bislang zweimal durch das DFB-Sportgericht dafür belangt und musste 3150 Euro zahlen. Das Verfahren für Vorfälle aus dem Heimspiel gegen Magdeburg steht noch aus, nun kommen neue „Zündeleien“ dazu. Billiger wird es nicht.

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Auch nach dem Wechsel hatten die „Roten Teufel“ deutlich häufiger den Ball, aber bis auf eine Großchance für Kühlwetter (49.) und einen Lattenklatscher von Florian Pick (54.) sowie Hendrick Zucks Fehlschuss aus vier Metern (68.) wenig mehr zu bieten als der SCP durch Lucas Cuetos (73.) Kopfball und Schnellbachers Aluminiumtreffer (74.). Nicht auszudenken, wenn Münster nach der Roten Karte für Ciftci (78./Notbremse an Schnellbacher) noch das Siegtor gelungen wäre. Schommers hätte die Welt nicht mehr verstanden.

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