Fußball: 3. Liga
Preußen kassieren bei Viktoria Köln die schlimmste aller Niederlagen

Münster -

Diese eine Szene, der überflüssige Tritt von Fridolin Wagner gegen Marcel Gottschling. Rot, Unterzahl, zwei Gegentore waren die Konsequenz. 1:2 unterlag Preußen Münster im Kellerduell bei Viktoria Köln. Trainer Sascha Hildmann war aber nur kurz konsterniert.

Sonntag, 08.03.2020, 16:28 Uhr aktualisiert: 09.03.2020, 09:01 Uhr
Mike Wunderlich (r.) bejubelt sein Tor, Simon Scherder kann es nicht glauben.
Mike Wunderlich (r.) bejubelt sein Tor, Simon Scherder kann es nicht glauben. Foto: Jürgen Peperhowe

Vielleicht einen Meter hinter seinem Gegenspieler Marcel Gottschling lief Fridolin Wagner, Tatort nah am Mittelkreis, Vollsprint, letzte Kraft. Doch er kam nicht mehr ran, nicht einen Zentimeter, nicht in die Nähe des Balles, der Kölner war fast schon weg, die Gefahr für den SCP-Abwehrblock überschaubar. Wagners Tackling von der Seite gehörte in die Kategorie „vollkommen überflüssig“, sicherlich auch der Müdigkeit geschuldet, zweifelsohne wollte er den Gegenspieler einfach nur stoppen, dabei rutschte ihm diese fatale Grätsche raus, eine kaum zu verstehende Notbremse im Mittelfeld – seiner Mannschaft leistete er einen Bärendienst. Schiedsrichter Michael Bacher, der später knifflige Entscheidungen nicht pro SCP traf, blieb da nichts anderes übrig: Rote Karte. Alles wurde anders. Die Statik der Partie, Münster verlor die Balance, Köln bekam Oberwasser und fertigte die Preußen ab.

Nur Schnellbacher neu im Team

Nur einen Wechsel nahm SCP-Trainer Sascha Hildmann diesmal vor. Für Seref Özcan begann Luca Schnellbacher vorne links. Nach seiner fünften Gelben Karte kehrte Heinz Mörschel ins Aufgebot zurück, Joel Grodowski musste weichen. Nächste Woche gegen Halle muss Fridolin Wagner rotgesperrt zuschauen. Mörschel und der diesmal erneut im Kader fehlende Nico Brandenburger sind die Optionen.

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Wagner, der 77 Minuten lang das Zeug hatte zum überragenden Mittelfeldspieler der Partie gekürt zu werden, wurde zum Buhmann. An dieser Aktion lässt sich ganz viel festmachen. Münsters souveräne Vorstellung, untermauert mit einer chicen 1:0-Führung, mutierte in ein unansehnliches 1:2 (0:0). Wer auch immer zu den 3147 Zuschauern gehörte, keiner hatte bis zur 77. Minute mehr einen Cent auf den Sieg von Viktoria Köln gesetzt – bis zu dem Platzverweis für Wagner. Gastgeber Köln nutzte dieses Geschenk, weil mit Albert Bunjaku und Mike Wunderlich auch noch zwei Typen auf dem Platz standen, die diese Konstellation gnadenlos zu ihren Gunsten ausschlachtete. Vor allem Wagner und der mit fünf teils gewaltigen Torchancen bedachte Luca Schnellbacher konnten diese X-Faktor-Rolle für die Preußen nicht ausfüllen.

Viktoria Köln – SC Preußen Münster

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  • Luca Schnellbacher wirft sich voll rein.

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  • Gute Stimmung im Block der mitgereisten Preußen-Anhänger.

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  • Preußen Ex-Coach Pavel Dotchev begrüßt den amtierenden SCP-Trainer Sascha Hildmann.

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  • Luca Schnellbacher klärt vor Kölns Albert Bunjaku.

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  • Hier bekommt es Bunjaku mit Fridolin Wagner zu tun.

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  • Alexander Rossipal im Duell mit Marcel Gottschling.

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  • Fridolin Wagner kämpft mit Albert Bunjaku um den Ball.

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  • Sehen Sie im Folgenden zahlreiche weitere Bilder vom Spiel in Köln.

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Fußball verrückt? Und tatsächlich hätte man Spaß haben können an dieser Partie. Wäre da nicht die überragende Bedeutung für den SCP gewesen. Ein Dreier im Sportpark Höhenberg wäre in Gold aufgewogen worden, die Niederlage warf das Team von Trainer Sascha Hildmann wieder zurück. Wobei der Coach, der im siebten Punktspiel seine zweite Niederlage kassierte, davon nichts wissen wollte: „Nichts ist passiert, wir haben weiter fünf Punkte Rückstand, es sind noch elf Spiele.“ Klassenerhalt, klare Sache für Hildmann, das schaffen die Preußen.

Gute Unterstützung aus Münster

Starke Performance der Preußen-Fans am Rhein: Deutlich über 1000 Anhänger waren der Mannschaft zum Kellerduell in den Sportpark Höhenberg gefolgt. Die Gegengerade war fast komplett gefüllt. Vor dem Anstoß gab es schon lauten Applaus, auch hinterher folgten aufmunternde Worte. Allerdings wurden auch mehrfach Rauchtöpfe gezündet. Im Frust gab es am Ende Sprechchöre gegen Dietmar Hopp.

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Pragmatismus pur, unterfüttert mehr oder weniger durch die Sonntagsresultate. Die Konkurrenz aus Zwickau (2:4 in Uerdingen) und Halle (spätes 1:1 gegen Ingolstadt) spielte dem SCP etwas in die Karten. Der Rückstand auf den HFC kann am Samstag auf drei Zähler verkleinert werden. Hildmann glaubt weiter felsenfest an sein Team, den Klassenerhalt, die Wende auf den letzten Drücker. In Köln war vieles gut aus seinem Blickwinkel. „Bis zum Platzverweis habe ich gedacht, dass wir niemals als Verlierer vom Feld gehen würden.“ Münsters kompakter Deckungsverbund funktionierte, Köln hatte kaum Chancen, derer fünf allein Schnellbacher (2., 16., 23., 56. und 69.). Rechnet man die von Marco Königs (29.) und Alexander Rossipal (69.) dazu, hätte das sicherlich für mehr als nur das galante Schlenzer-Führungstor von Kevin Rodrigues Pires (49.) reichen müssen.

Trauriger Torschütze statt Matchwinner

Für Kevin Rodrigues Pires hätte es der perfekte Nachmittag werden können. Der Mittelfeldspieler, der in Köln aufwuchs, hatte viele Freunde und Familienmitglieder im Stadion begrüßt und dann noch höchstselbst das 1:0 erzielt. Nach seiner Auswechslung und der Roten Karte gegen Fridolin Wagner kurz darauf aber kippte die Partie komplett. „Drei Punkte wären natürlich viel schöner gewesen als ein Tor“, sagte der 28-Jährige. „Wir waren ja 75 Minuten lang dominant, haben kaum Chancen zugelassen, auch wenn Viktoria mehr Ballbesitz hatte.“ Rodrigues Pires, der seine Leistungen in den vergangenen Wochen stabilisiert hat, folgerte richtig: „Wenn wir das 2:0 machen, fahren wir das Ding sicher nach Hause. Die Chancen waren da.“

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Die Preußen forderten zudem noch zweimal Elfmeter, weil Lucas Cueto sich von Gottschling gefoult sah (80.) und Ex-Preuße Dominik Lanius einen Schuss von Marco Königs an die Hand bekam (89.). Bacher pfiff nicht, wie er auch vor der Pause nach einem Tackling von Julian Schauerte an Wunderlich auf Strafstoß verzichtet hatte (42.).
Zudem: Jan Löhmannsröben beging vor dem 1:2 ein etwas überhastetes Foulspiel an Wunderlich. Für den Kölner war es die perfekte Freistoßposition, da wollte er hin, zu genau diesem Standard an dieser Stelle – sein Schuss ein Gedicht oben links ins Tor.
Nein, das war Fußball, 75 starke Minuten genügen in Liga drei nicht. Und Wagner wird sich einiges anhören müssen. Weniger von seinen Teamkollegen, die versuchten, ihn in Schutz zu nehmen. Aber Trainer Hildmann redete hier nicht lange um den heißen Brei herum: „Natürlich werden wir über diese Szene reden. Es wird ein Monolog werden.“

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