Fußball: 3. Liga
Preußen Münster spielt frühestens im Mai wieder

Münster -

Lange Zwangspause: In der 3. Liga ruht der Ball für die kommenden sechs Wochen. Damit reagierten die Clubs deutlich drastischer auf die Coronavirus-Krise als die Deutsche Fußball Liga.

Montag, 16.03.2020, 21:42 Uhr aktualisiert: 17.03.2020, 09:08 Uhr
Fußball im Preußenstadion? Das kann dauern, wie hier im Zweikampf zwischen Okan Erdogan und Timo Gebhart.
Fußball im Preußenstadion? Das kann dauern, wie hier im Zweikampf zwischen Okan Erdogan und Timo Gebhart. Foto: imago-images

Es war nicht zu erwarten, dass die 3. Liga die große Revolution in Angriff nehmen würde. Wenige Stunden, nachdem die DFL und der DFB gemeinsam alle Profipartien der 1. und 2. Bundesliga bis mindestens zum 2. April vertagt hatten, folgte nicht der „Tabubruch“ einer Saisonabsage durch die 3. Liga. Wie auch? Die wirtschaftlich durchaus als angeschlagen anzusehende „Pleiteliga“ kann sich einen Alleingang nicht wirklich erlauben, zu sehr hängt die Spielklasse am Tropf von DFB, TV-Geldern, Spieltags-einnahmen und Sponsoren. Der Spielbetrieb wird allerdings bis zum 30. April eingefrorenen, und damit müssen vom 28. bis 35. Spieltag Partien nachgeholt werden.

„An erster Stelle stehen die Gesundheit und die Solidarität“, erklärte DFB-Vizepräsident Peter Frymuth nach der Mammut-Telefonkonferenz der DFB-Entscheider und den Vertretern von 20 Fußball-Drittligisten. Von Solidarpakt, Rettungsschirm oder Hilfsfonds für die darbenden Drittligisten war keine Rede in der offiziellen Stellungnahme. Ja, man wolle die Saison zu einem guten Ende bringen. Nein, mit „Blick auf die sich ständig ändernde Faktenlage“ sei keine richtig Prognose möglich. Die 3. Liga befindet sich im verspäteten Winterschlaf kurz vor Frühlingsbeginn.

Zwickau forderte sofortige Absage der Saison

Schon vor der Telefonkonferenz am Nachmittag hatte SCP-Geschäftsführer Bernd Niewöhner vermutet, dass die großen Probleme der 3. Liga vor allem verschoben, nicht aber definitiv abgearbeitet werden würden. Dafür geht es auch in Liga drei um zu viel Geld. Wie ein Damoklesschwert schwebt auch über dieser Branche das Thema „Schadenersatzforderung“. Zu viele rechtliche Schlachten drohen, wenn die Saison abgesagt wird und Mannschaften möglicherweise am „grünen Tisch“ absteigen, andere dadurch die Klasse erhalten und dritte Teams nicht aufsteigen dürfen. Es ist kompliziert. Man könnte sagen, ein Teufelskreis. Die Meinungen gingen auseinander, klar, wieso auch nicht. Der FSV Zwickau, wenige Punkte vor dem SC Preußen, aber auch auf einem Abstiegsplatz positioniert, forderte die sofortige Absage der Saison – und Bestandsschutzwahrung für die bisherigen Drittligisten. Zwickau und Münster blieben dann drin.

Anders der FC Ingolstadt, der sich, vor allem fremdfinanziert von Audi, finanziell vermutlich weniger Sorgen als andere machen müsste – der FCI würde auch Geisterspiele austragen. Oder plädiert aus bayerischem Gerechtigkeitssinn dafür, die Tabelle nach der Hinrunde anzuwenden und die Saison dann für beendet zu erklären. Dann hätte jeder gegen jeden gespielt, wäre doch irgendwie fair – Ingolstadt würde dann als Tabellenzweiter aufsteigen, Münster als Drittletzter absteigen.

Viele offene Fragen, wenig Antworten

Der Hallesche FC, dessen Präsident Jens Rauschenbach an Covid-19 erkrankt ist, plädierte nach der bisherigen „Salamitaktik des Verbands“ für ein abruptes Saisonende. „Wir sehen zum Abbruch der Saison in der 3. Liga keine Alternative.“ Halle war mal Aufstiegsanwärter, torkelte aber in den letzten Wochen mitten rein in den Abstiegskampf mit einem Punkt Vorsprung vor der „verbotenen Zone“ – rein sportlich betrachtet täte dem HFC das Ende der Spielzeit jetzt nicht wirklich weh.

Und der SCP? Die Nachwuchsteams von U 12 bis U 23 haben den Trainingsbetrieb eingestellt. Profi-Cheftrainer Sascha Hildmann dürfte auch bald dran sein. SCP-Geschäftsführer Bernd Niewöhner sagt zumindest: „Dafür gibt es gute Apps, die Spieler können Hausaufgaben bekommen.“

Und noch das: Die Sportanlagen werden geschlossen, Ausweichangebote gibt es nicht. Auch beim SCP geht es auf kurz oder lang um Kurzarbeit-Regelungen für die Profis, um Sponsoren, die bei ausgefallenen Heimspielen auch nichts für ihr Investment erhalten haben, um Dauerkartenbesitzer, die keine Begegnungen im ehrwürdigen Preußenstadion sehen dürfen. Es gibt ein Meer von offenen Fragen. Antworten wenig.

Maßnahmen der NRW-Landesregierung

1/13
  • Die Bundesregierung und die Länder haben sich am Sonntag (22. März) auf weitere Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie geeinigt. Die Einschränkungen gelten zunächst bis zum 20. April.

    Foto: dpa
  • Schulen und Kitas geschlossen

    Bereits seit Montag (16.3.) sind die Schulen in NRW geschlossen. Die Lehrer blieben im Dienst, zur Vorbereitung von Abschlussarbeiten etwa oder um digitale Unterrichtsformen durchzuführen.

    Ebenso dürfen Kinder bis zum schulpflichtigen Alter seit Montag nicht mehr in Kitas gebracht werden. Kinder sollten nicht bei Großeltern untergebracht werden.

    Für die Kinder des Personals, das zur Bewältigung der Krise notwendig sei, gibt es besondere Betreuungsangebote.

    Foto: Caroline Seidel
  • Geschäfte und Läden werden geschlossen.

    In Nordrhein-Westfalen sind seit Mittwoch (18.3.) alle Geschäfte und Läden geschlossen, die nicht der täglichen Grundversorgung dienen. Supermärkte, Wochenmärkte, Apotheken, Drogerien, Baumärkte, Großmärkte, Lieferdienste, Apotheken, Zeitschriftenhandel und Friseure zum Beispiel bleiben auf. Lebensmittel dürfen sonntags verkauft werden. Aber alle großen Supermarktketten wollen vorerst bei ihren Öffnungszeiten bleiben und nicht sonntags öffnen.

    Foto: dpa
  • Spielplätze

    Alle Spiel- und Bolzplätze sind gesperrt. "Bitte jetzt nicht auf irgendwelche Wiesen ausweichen", mahnte NRW-Familienminister Stamp.

    Foto: dpa
  • Gastronomie

    Restaurants,Bars, Cafés, Kneipen und Amüsier-Etablissements müssen ganz schließen. Nur Lieferung oder Abholung sind noch möglich.

    Foto: dpa
  • Tourismus

    Hotels dürfen keine Touristen mehr beherbergen. Reisebusreisen sind verboten.

    Foto: dpa
  • ÖPNV wird eingeschränkt:

    Der öffentliche Personennahverkehr in NRW wird wegen der Corona-Krise eingeschränkt. Bahn und Busse fahren vielerorts nur noch nach dem Ferien-Fahrplan. Es wird empfohlen, nur noch in dringenden Fällen den öffentlichen Nahverkehr zu nutzen. Fahrkarten-Kontrollen werden nicht mehr durchgeführt.

    Die Stadtwerke Münster bitten  alle Fahrgäste, in den Stadtbussen bis auf Weiteres nur die hinteren Türen für den Ein- und Ausstieg zu nutzen. Die erste Tür direkt bei der Fahrerin oder beim Fahrer bleibt vorsorglich geschlossen, im Bus werden keine Tickets mehr verkauft.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Freizeit

    Per Erlass der Landesregierung sind Veranstaltungen grundsätzlich untersagt, dazu gehören auch alle Konzerte oder Aufführungen.

    Kultureinrichtungen wie Ausstellungen und Kinos sind geschlossen. Auch Tier- und Freizeitparks müssen den Betrieb einstellen, gleiches gilt für Sportanlagen.

    Foto: Matthias Ahlke2
  • Sportbetrieb eingestellt

    Keine Spiele, kein Training. Auch Fitnessstudios und Schwimmbäder dürfen nicht mehr öffnen. Der Sport in NRW steht komplett still.

    Foto: imago-images
  • Gottesdienste abgesagt:

    Es dürfen ab sofort keine Gottesdienste mehr abgehalten werden. Alle religiösen Veranstaltungen müssen bis auf Weiteres abgesagt werden.

    Foto: Oliver Werner
  • Sommersemester-Start an NRW-Hochschulen verschoben:

    Wegen der Ausbreitung des Coronavirus wird auch der Start des Sommersemesters an den nordrhein-westfälischen Hochschulen vorerst bis zum 20. April, dem Ende der Osterferien, verschoben.

    Ursprünglich sollte das Sommersemester an den Fachhochschulen am 23. März und an den Universitäten am 6. April beginnen.

    Foto: Sebastian Gollnow
  • Operationen verschieben:

    Alle nicht zwingend nötigen Operationen in NRW sollen wegen der Coronakrise auf absehbare Zeit verschoben werden. Das sagte Ministerpräsident Armin Laschet (CDU). 

    Foto: Georg Wendt
  • Keine Besuche mehr in Pflege- und Altenheimen in NRW:

    Wegen der Ausbreitung des Coronavirus dürfen Alten- und Pflegeheime in NRW grundsätzlich nicht mehr besucht werden. Besuche seien nur in dringenden Ausnahmefällen möglich, sagte Ministerpräsident Armin Laschet bei einer Pressekonferenz in Düsseldorf.

    Foto: Klaus-Dietmar Gabbert
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7330224?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686137%2F2686215%2F
Nachrichten-Ticker