Fußball: 3. Liga
Krisengewinner Kaiserslautern?

Münster -

In der Drittligatabelle rührt sich derzeit nichts, gerechnet wird dennoch bei allen 20 Clubs. Mit Einnahmeverlusten, Schulden und Fehlbeträgen an allen Ecken und Kanten. Die Preußen freuen sich sehr über den Einsatz ihrer Fans und jeden Euro, den die „Supporters“ zusammentragen, der 1. FC Kaiserslautern dagegen hat einen anderen Verbündeten: den DFB.

Freitag, 03.04.2020, 18:46 Uhr aktualisiert: 05.04.2020, 17:18 Uhr
Der Dank ist 1906-fach: Spieler, Mitarbeiter und der Präsident verneigen sich vor den „Preußen-Supporters“
Der Dank ist 1906-fach: Spieler, Mitarbeiter und der Präsident verneigen sich vor den „Preußen-Supporters“ Foto: privat

In der 3. Liga ruht der Spielbetrieb, bereits mit sieben Spieltagen ist die Spielklasse im Hintertreffen. Offiziell geht erst mal bis zum 30. April nichts mehr. Die Vereine stehen somit in der Warteschleife: Geht es weiter? Vielleicht mit Geisterspielen? Wird die Saison abgebrochen? Gibt es dann Auf- und Abstiege? Und dies sind nur vier Fragen aus einem vermutlich gewaltigen Katalog an offenen Themen. Auch das Thema Lizenzierung ploppt auf, alle Clubs haben die Unterlagen beim DFB eingereicht, die Entscheidungen über Spielberechtigungen sind vertagt – vielmehr hat der Verband nun eine Hintertür aufgemacht, die möglicherweise den 1. FC Kaiserslautern zum Klassenerhalt und zur finanziellen Gesundung genügen könnte.

Kaiserslautern tief in den roten Zahlen

Aktuell steht der viermalige Deutsche Meister auf einem Nichtabstiegsplatz, auf Rang 14. Nun plagen den Club aber Verbindlichkeiten von 20 Millionen Euro und eine durch die Corona-Krise auf zwölf Millionen Euro angewachsene Liquiditätslücke. Eigentlich wäre der Club aus der Pfalz erster Kandidat auf eine Nicht-Erteilung der Drittliga-Lizenz. Über das Szenario einer Insolvenz im Sommer berichtete gerade der „Kicker“.

Als der DFB aber zu Wochenbeginn eine Lockerung der Lizenzierungsbedingungen für die 1. und 2. Bundesliga ankündigte, stand dabei ein Passus zur Disposition, der seit Freitag auch Auswirkungen auf die Drittligisten hat: Bei Eröffnung eines Insolvenzverfahren in dieser Zeit, also bis zum 30. Juni 2021, würden nicht die üblichen Punktabzüge fällig werden. Im Falle einer Planinsolvenz würde der FCK demnach nicht mit einem Neun-Punkte-Abzug bestraft werden – was sonst der Fall wäre. Diese Zähler nicht abschreiben zu müssen, bedeutet für Kaiserslautern aktuell eben Platz 14 – sonst wäre der Club bei Punktabzügen Sitznachbar des SCP auf einem Abstiegsrang.

Schuldenschnitt wäre die Rettung

Die Planinsolvenz ohne DFB-Strafmaß würde den chronisch verschuldeten Verein in die Lage versetzen, einen Schuldenschnitt machen zu können, Spielerverträge zu konservieren, praktisch neu anzufangen. Auch neue Investoren müssten nicht zur Schuldentilgung beitragen, sondern könnten in einen Club mit Perspektive einzahlen. Und der FCK gilt in der Region als system-relevant, er hat eine überragende Bedeutung für die Stadt und das Umland.

Fraglos öffnen die Aussagen des DFB genau solchen Clubs die Tür. Ballast abzuwerfen dank der Krise wäre aber auch ein klarer Wettbewerbsvorteil. Schön für Kaiserslautern, schlecht für alle anderen Konkurrenten im Abstiegskampf.

Preußen-Supporters sammeln 30 000 Euro

Die Preußen haben derweil in der Vorwoche Kurzarbeit angemeldet. Mit ihrer gelungenen Aktion „Preußen-Supporters“ haben sie innerhalb einer Woche über 1000 Sympathisanten für ein Invest in die Profi-Abteilung gewinnen können, deutlich über 30 000 Euro wurden generiert. Im Vergleich zu den möglichen Planinsolvenz-Ambitionen der Lauterer ist das bemerkenswert, aber halt eine andere Dimension.

„Dieses Verhalten fände ich unpassend, ich habe wenig Verständnis dafür“, sagt auch Preußens kaufmännischer Geschäftsführer Bernd Niewöhner. Interpretiert man ihn richtig, dann würde der Mitkonkurrent im Abstiegskampf die Gunst der Stunde nutzen. Kaiserslautern als Krisengewinnler.

Noch keine Vision für die Zukunft

Die Preußen wissen wie alle anderen nicht, wie und wann es weitergeht. Geisterspielen, die in der 1. und 2. Bundesliga durchaus lukrativ für die Vereine werden können, fehlen in der 3. Liga die wirtschaftliche Wucht. Ja, die vierte und letzte TV-Rate steht noch aus, aber für die Vereine dürften Geisterspiele nur weitere Kosten bringen. Die wichtigen Zuschauereinnahmen – der SCP dürfte beim aktuellen Schnitt von 6551 Besuchern bei noch fünf ausstehenden Heimspielen mit mindestens 33 000 Zuschauern rechnen – fehlen komplett. Der FSV Zwickau rechnete derweil vor, dass ihm bei einer Fortsetzung der Saison ohne Besucher 540 000 Euro an Einnahmen entgehen würden. Die Sachsen haben durchschnittlich rund 1000 Zuschauer weniger als der SCP.

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