Fußball: 3. Liga
Preußen-Coach Hildmann brennt und sorgt sich zugleich vor dem Trainingsstart

Münster -

Nach einer irre langen Zwangspause geht es – vorerst ohne echtes Mannschaftstraining – weiter für Preußen Münster. In Kleingruppen wird ab Mittwoch gearbeitet. Trainer Sascha Hildmann brennt zwar, wie er sagt, doch die Skepsis überwiegt bei ihm angesichts der Bedingungen.

Dienstag, 12.05.2020, 20:38 Uhr aktualisiert: 13.05.2020, 19:18 Uhr
Augen zu und durch: SCP-Coach Sascha Hildmann
Augen zu und durch: SCP-Coach Sascha Hildmann Foto: Jürgen Peperhowe

66 Tage später sieht man sich wieder. So lange wurde beim SC Preußen Münster nicht mehr trainiert, das Auslaufen nach dem Auswärtsspiel bei Viktoria Köln (1:2) Anfang März war die letzte Teameinheit des Fußball-Drittligisten. Am Montag kehrte Sascha Hildmann aus Kaiserslautern, hier wohnt er mit seiner Familie, aus dem „Corona-Exil“ zurück, am Dienstag wurden weitere Details festgezurrt, damit die Preußen am Mittwoch die Übungsform in Kleingruppen wieder aufnehmen können.

Hildmanns Erwartungshaltung ist ambivalent. „Ich freue mich sehr auf Münster, auf meine Spieler, auf Fußball, auf die Arbeit“, sagt er, er wolle unbedingt wieder auf den Platz, und Fußballlehrer zu sein ist seine Arbeit und Passion.

„Verantwortungslos“

Auf der anderen Seite steht das für ihn geschrieben: „Wenn ich sehe, was auf uns zukommt mit elf Spielen in fünf Wochen ... über neun Wochen waren wir komplett raus. Und momentan weiß ich nichts von einem Start des Mannschaftstrainings.“ Er findet die massive Verdichtung des vermutlich am 26. Mai beginnenden Spielplans – der SCP erwartet den Halleschen FC – „verantwortungslos“. Und er sagt auch: „Nach über acht Wochen Pause müssten wir mindestens fünf Wochen trainieren, um ein gutes Level der Wettbewerbsfähigkeit zu erreichen.“ Zumindest eins weiß er, dass kein Spieler verletzt oder erkrankt ist.

Am Mittwoch geht es im fast schon hermetisch abgeriegelten Trainingsgelände der Preußen los. Täglich zweimal soll trainiert werden, die Belastungssteuerung wird angepasst. Eine Trainingseinheit besteht aus drei Blöcken, in denen jeweils fünf Spieler in einer Trainingshälfte üben. So der Plan. Athletiktrainer Tim Geidies führt zudem einen Fitnesstest durch, ein Laktattest macht aktuell weniger Sinn. Hildmann wird wohl sowieso sofort erkennen, ob einer seiner Kadetten „geschlampt“ hat oder nicht.

Viktoria weit voraus

Münster wirft den Motor an, Viktoria Köln, und damit die Konkurrenz, drängelt schon auf die Überholspur. Das Team von Ex-Preußen-Trainer Pavel Dotchev ist seit Dienstag im Mannschaftstraining. Der Verein hat bereits zwei Testreihen ohne Befund hinter sich und legt jetzt voll los. Beim SCP fehlt der Hygienebeauftragte, der die entsprechenden Testreihen durchführen kann. Denn erst im Anschluss bei entsprechend negativer Lage an Befunden darf das Teamtraining beginnen. Auch erst dann darf der SCP in das sogenannte Quarantäne-Trainingslager über eine Woche. Wer das bezahlt? Vermutlich der SCP selbst. Pikanterie am Rande: In den letzten Jahren war es für den SCP ein finanzieller Kraftakt, zumindest ein verlängertes Wochenende als Übungscamp in seinem Etat zu platzieren. Jetzt aber heißt es vor dem Re-Start: ab ins Trainingslager für eine Woche.

Trainer Hildmann hat seine Zweifel, ob das alles so richtig ist, ob das ein fairer Wettbewerb ist und wie versucht wird, „die Saison durchzuprügeln“. Aber die Frage nach der Motivation stellt sich nicht, eher nach einer zusätzlichen Ordnungskraft mit Feuerlöscher beim ersten Auftritt der Preußen in einem Geisterspiel. Hildmann: „Wenn es losgeht, werde ich brennen.“

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