Fußball: 3. Liga
Preußen Münster hat vor Spiel in Chemnitz Land in Sicht

Münster -

Welcher Tag ist heute? „Keine Ahnung“, sagt Sascha Hildmann, „aber morgen ist Spieltag.“ Heute, am Montag also, ist demnach Reisetag. Die wilde Jagd durch die Republik und durch die Saison geht für den Drittligisten Preußen Münster weiter. Am Dienstag nach Chemnitz, Samstag wird Braunschweig angesteuert – und beide Male drei Punkte gegen den drohenden Abstieg.

Montag, 15.06.2020, 16:12 Uhr aktualisiert: 15.06.2020, 17:13 Uhr
Seit Anfang September 2019 taucht das Preußen-U-Boot unter der Wasseroberfläche, doch seit einer Woche ist das rettende Ufer zumindest wieder in Sicht, die Preußen sind bereit, endlich wieder aufzutauchen.
Seit Anfang September 2019 taucht das Preußen-U-Boot unter der Wasseroberfläche, doch seit einer Woche ist das rettende Ufer zumindest wieder in Sicht, die Preußen sind bereit, endlich wieder aufzutauchen. Foto: Lisa Stetzkamp

Am 28. September des vergangenen Jahres strömten 7632 Zuschauer ins Preußenstadion, darunter sicher auch einige Fans des deutschen Rekordmeisters, die über die „kleinen“ Bayern zumindest einen Hauch vom „großen“ Fußball in der westfälischen Provinz erleben wollten. Die Bayern lieferten dann auch prompt und versenkten die Preußen erbarmungslos mit 4:1. Der SCP tauchte nach diesem zehnten Spieltag ab in den Tabellenkeller und seither nicht wieder auf. In der Folge wurden für Münster nur noch die Platzierungen 18 und 19 notiert, Rang 16 und damit das rettende Ufer blieben außer Reichweite und gerieten zwischenzeitlich mit sieben Zählern Abstand sogar aus den Augen – nie jedoch aus dem Sinn. Neun Monate und 22 Spieltage später sind die Preußen immer noch zwei Plätze vom Klassenerhalt entfernt, der Rückstand ist mit nur noch zwei Zählern allerdings wieder überschaubar – und in Chemnitz winkt am Dienstag zumindest schon wieder Platz 17.

Nur noch Endspiele

Alles reine Theorie, entscheidend – daran hat sich seit der aktiven Zeit von Adi Preißler nichts geändert – bleibt auf dem Platz. Von Schicksalsspielen will Preußen-Coach Sascha Hildmann dann auch nichts hören – zumindest will er die Partie in Chemnitz nicht höher bewerten als beispielsweise die folgende am Samstag in Braunschweig. „Natürlich können wir am Dienstag einen großen Sprung machen, aber am Wochenende gibt es wieder drei Punkte.“ Und an diesem Rhythmus wird sich in den kommenden Wochen auch nichts ändern. „Welcher Wochentag gerade ist, weiß ich gar nicht. Ich kann nur sagen, ob Spieltag ist oder nicht“, sagte Hildmann kurz vor der Busfahrt am Montagnachmittag gen Osten. Die wilde Hatz durch die Saison und durch die Republik geht ungebremst voran und hinterlässt Spuren. „Wenn man sieht, wie sich aktuell bei allen Vereinen die Verletzungen häufen, muss man sich wirklich fragen, ob das ein verantwortlicher Umgang ist“, so Hildmann.

Der Gegner im Check: Chemnitzer FC

Ausgangslage: Mit einem Wort: dramatisch. Beide Teams stehen unter dem Strich, Chemnitz zwei Punkte vor den Preußen, aber sehr entgegenkommend im rasenden Sinkflug. Der CFC kommt im Krisenmodus kaum zum Durchatmen: Tabellenletzter in der „Corona-Bilanz“ mit nur einem Sieg in fünf Partien, die letzten vier gingen allesamt verloren. Mit zwei Treffern in fünf Partien war zuletzt keine Mannschaft ungefährlicher.

Personal: Trotz aktueller Torflaute hat der CFC mit Philipp Hosiner einen der Top-Torschützen der Liga in seinen Reihen. Der Österreicher traf bereits 16 Mal, zuletzt allerdings im Februar – in Kaiserslautern scheiterte er jetzt sogar vom Elfmeterpunkt.

Trainer: Seit September 2019 hat Patrick Glöckner das Kommando im Stadion an der Gellertstraße. Der 44-Jährige war in der abgelaufenen Spielzeit Trainer der Kölner Viktoria und löste in Chemnitz David Bergner ab.

Kuriosum: CFC-Keeper Jakub Jakubov hat sowohl die tschechische als auch die slowakische Staatsbürgerschaft, steht allerdings im Tor der deutschen Nationalmannschaft – zumindest zwei Folgen lang in der Netflix-Serie „Dogs of Berlin“.

Corona-Standpunkt: Landkarte und Tabelle zeugen von nachbarschaftlicher Geschlossenheit. Halle, Magdeburg, Chemnitz und Zwickau kämpfen gegen den Abstieg, Jena ist schon durch. Alle hatten sich zunächst vehement gegen eine Fortsetzung der Saison gestemmt – Chemnitz schwenkte dann aber überraschend um.

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Die Preußen haben noch Glück im Unglück, aktuell fällt „nur“ Philipp Hoffmann aus, der sich am Samstag nach wenigen Minuten eine Kapselverletzung zugezogen hatte. Ausmaß und Folge der Verletzung sind noch nicht letztinstanzlich geklärt, allemal steht auch sein Einsatz am Samstag in Braunschweig auf der Kippe. Fehlen wird in Chemnitz nach seiner fünften Gelben Karte auch Jan Löhmannsröben, der zuletzt als emotionaler Anführer robust und fast unverzichtbar voranging. Nicht, dass nicht auch der Winterneuzugang eine Verschnaufpause gut gebrauchen könnte, fehlen wird er seinem Team dennoch: „Wir werden ihn natürlich ersetzen können, aber er ist schon ein wichtiger Mann in der Kette.“ Doch aktuell gibt es ausschließlich wichtige Männer bei den Preußen. „Wir müssen dafür sorgen, dass wir niemanden verheizen. Das ist meine wichtigste Aufgabe“, so Hildmann.

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Liveticker vom Spiel ab 18 Uhr

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