Fußball: 3. Liga
Harmlose Preußen setzen auf Kampfmodus statt Schneckenhaus

Chemnitz -

War es das schon für die Preußen? Die Spieler wollten nach der 0:1-Schlappe in Chemnitz partout nicht den Kopf in den Sand stecken. Doch die derzeitige Harmlosigkeit im Angriff, die eine bemerkenswerte Effektivität in den ersten Wochen nach dem Re-Start abgelöst hat, spricht nicht für eine Aufholjagd.

Mittwoch, 17.06.2020, 15:44 Uhr aktualisiert: 17.06.2020, 16:36 Uhr
Die Preußen laufen in der Tabelle wieder der Musik hinterher. So wie hier Alexander Rossipal (l.) und Oliver Steurer dem Chemnitzer Philipp Hosiner im Dienstagsspiel.
Die Preußen laufen in der Tabelle wieder der Musik hinterher. So wie hier Alexander Rossipal (l.) und Oliver Steurer dem Chemnitzer Philipp Hosiner im Dienstagsspiel. Foto: Stefan Graupner

Um das Wunder Klassenerhalt aufzugeben, wäre es zu früh gewesen. Auch wenn das späte 0:1 im Kellerduell beim Chemnitzer FC tragischer als durch das Eigentor des bis dato so starken Simon Scherder in der Schlussminute kaum hätte zustande kommen können. Auch wenn die Gesichter fast aller Spieler Fassungslosigkeit ausdrückten. Sie waren extrem niedergeschlagen, zogen sich aber vor den fünf verbleibenden Partien nicht ins Schneckenhaus zurück.

Zum dritten Mal in den jüngsten vier Auswärtsspielen kassierten die Adler spät den entscheidenden Treffer zur Niederlage. Zuvor war das in Köln (allerdings vor der Zwangspause) und München passiert. Drei Punkte gingen so flöten. Solche Tiefschläge müssen erst mal verdaut werden. In den ersten beiden Fällen gelang das mit anschließenden Heimsiegen, diesmal muss es in der Fremde beim formstarken Tabellenzweiten Eintracht Braunschweig (Samstag, 14 Uhr) gelingen, um überhaupt auf Tuchfühlung zum rettenden Ufer zu bleiben.

Hildmann schaut nach vorn

Trainer Sascha Hildmann blickte nach vorn: „Wir dürfen uns nicht lange damit aufhalten. Es war ein klarer Rückschlag, aber wir werden uns straffen.“ Aufrichten, eher mental als physisch, das ist bis Samstag die Aufgabe des 48-Jährigen. „Jeder, der unsere Spiele seit dem Re-Start gesehen hat, weiß, was wir draufhaben. Daran können wir uns hochziehen.“

Die Rechnung, warum es in den jüngsten drei Spielen für den Drittletzten der Tabelle nicht mehr wie in der englischen Woche davor lief, ist relativ einfach. In den Partien gegen Halle, Bayern II und Unterhaching war beinahe jede Chance drin. Seitdem aber erspielte sich der SCP kaum mehr Gelegenheiten und ließ diese ganz wenigen dann auch noch sausen. Die große Effektivität ist weg, doch gerade die ist notwendig, wenn der Fokus vor allem auf einer kompakten Deckung liegt. 350 Minuten ohne Tor deuten an, wo es klemmt.

Gnadenloses Programm

Der Wille mag zwar da sein, doch vorne fehlen Mut, Risikobereitschaft, Wucht. Dazu kommt, dass das gnadenlose Programm den nahezu ohne Vorbereitung wieder aufs Feld gelockten Preußen mehr und mehr Kräfte zu entziehen scheint, auch wenn es vielen Gegnern kaum anders geht.

„Wir waren nicht von Anfang an da, es fehlte Durchsetzungskraft“, bestätigte Kapitän Julian Schauerte, der ein Remis aber als „gerecht“ empfunden hätte. Chemnitz, schon „optisch überlegen“, wie der eingewechselte Fridolin Wagner einräumte, war aber gerade vor der Pause die leicht bessere zweier vorsichtiger Mannschaften.

"15 Punkte zu vergeben"

Stürmer Marco Königs, der wenig zu seiner „schwierigen“ persönlichen Rolle als oftmals einsame Solospitze sagen wollte, schaltete gleich nach Abpfiff in den Kampfmodus: „15 Punkte sind noch zu vergeben. Totgesagt wurden wir schon öfter. Aber wir werden wiederkommen.“ Er erinnerte an Siege gegen andere Aufstiegskandidaten wie Uerdingen, Rostock und Haching: „Warum nicht in Braunschweig gewinnen?“

Die gleiche Forderung stellte auch Okan Erdogan. „Da müssen wir einfach“, sagte der 22-Jährige, der als zentraler Abwehrmann Jan Löhmannsröben gut vertrat. Das späte Eigentor am Dienstag musste aber auch er noch verdauen. „Ein Kullerball, der zweimal abgefälscht wurde. Das ging trotzdem so schnell.“ Eine Szene, die die Preußen nun ganz schnell aus den Kleidern schütteln müssen.

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