Fußball: Regionalliga
Glücklicher Schwadorf rettet Preußen Sieg über Ahlen

Münster -

Jules Schwadorf bescherte dem SC Preußen Münster einen Last-Minute-Sieg, der 28-Jährige verwandelte eine Foulelfmeter in der 89. Minute zum 1:0 über RW Ahlen. Zwei Verletzungen warfen den Torschützen in dieser Saison bereits zurück, ein „paar Körner fehlen noch“, dann will Schwadorf beim SCP zur Stammkraft werden.

Sonntag, 08.11.2020, 18:56 Uhr aktualisiert: 09.11.2020, 11:21 Uhr
Nicolai Remberg (links) wird von Rene Linder gefoult, den anschließenden Elfmeter verwandelt Jules Schwadorf zum 1:0-Endstand.
Nicolai Remberg (links) wird von Rene Linder gefoult, den anschließenden Elfmeter verwandelt Jules Schwadorf zum 1:0-Endstand. Foto: Jürgen Peperhowe

Jules Schwadorf strahlte von einem zum anderen Ohr. Die letzten Tage und Wochen dürften sich gut anfühlen. Mitte Oktober kam Tochter Hannah zur Welt. Das sei wunderbar gewesen. Und daheim genießt er einen Luxus. „Vor Spielen darf ich durchschlafen“, sagt er. So war er hellwach, als der SC Preußen Münster auf dem besten Weg war, sich gegen Schlusslicht und Aufsteiger RW Ahlen zu blamieren. Denn ein torloses Remis, zudem noch ein schmeichelhaftes, wäre genau das gewesen. Als Schiedsrichter Lars Bramkamp, der in den 88 Minuten davor für einige Unruhe auf und neben dem Platz auf beiden Seiten gesorgt hatte, auf den Elfmeterpunkt zeigte, war Schwadorf gleich zur Stelle.

„Mir war klar, dass ich den Elfmeter schießen würde“, sagte Schwadorf, wählte einen kurzen Anlauf, verlud den guten RWA-Tormann Rafael Hester und hatte dem SCP doch noch drei Punkte durch den 1:0 (0:0)-Heimsieg gesichert. Damit zog der 28-Jährige einen positiven Schlussstrich unter einen wenig unterhaltsamen Auftritt der Preußen, die für sich selbst den Anspruch erhoben haben, eine Spitzenelf zu sein. „Ich denke, ich kann Elfmeter“, erklärte der Ex-Wiesbadener zufrieden. Außerhalb des Platzes ist er ein freundlicher, positiver Typ. Auf dem Spielfeld kann er auch mal Gift und Galle spucken. Dem SCP fehlt diese Aggressivität ab und an, auch deshalb wurde in Köln (0:1), Essen (0:1) und Dortmund (0:2) verloren.

Jules Schwadorf hat in Münster bereits eine Achterbahnfahrt hinter sich. In Rödinghausen zum Saisonauftakt traf er zum Ausgleich, dann zog er sich eine Schulterverletzung zu, kehrte zu schnell zurück, um dann wenig später mit einer Muskelverletzung auszufallen. Setzte sich seine Malaise aus Wiesbaden aus der Vorsaison fort, wo er kaum zum spielen kam?

„Ein paar Körner fehlen noch“

In Münster hat Schwadorf bereits angedeutet, dass er ein X-Faktor-Akteur in der Offensive werden kann, mit seiner Art kann er den Gegner „aufmischen“, seine beiden Saisontore sorgten jeweils für Ertrag. „Ich bin wieder auf einem guten Weg, noch fehlen mir ein paar Körner. Wichtig ist aber, dass wir solche Spiele gewinnen“, sagte er. Und eilte dann bald auch wieder heim. Hannah wartet, Torerfolg hin oder her, da wird er auch beim Windeln wechseln gefordert sein. Das macht ihm derzeit so viel Spaß wie Elfmeterschießen.

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Und sonst so? Der SCP zeigte seine schwächste Saisonleistung, weil das über weite Strecken ein hilfloser Auftritt gegen die massive Verteidigung der Gäste war. Münster hatte zwei, drei nennenswerte Chancen, spät in der zweiten Hälfte wurde dem SCP ein Strafstoß versagt, als Schlussmann Hester Julian Schauerte von den Beinen holte. Die Hausherren hatten Glück bei Chancen von Luca Steinfeldt oder Rene Linder. Als Sven Höveler nach einer Notbremse an Joel Grodowski vom Platz flog, wurde es nicht besser.

„Haben viel falsch gemacht“

„Wir haben viel falsch gemacht“, befand SCP-Coach Sascha Hildmann. Klar, er lobte sein Team auch dafür, bis zur letzten Sekunden gekämpft zu haben und das erst zum zweiten Mal in dieser Spielzeit kein Gegentor hingenommen werden musste. Aber seine taktischen Winkelzüge fruchteten nicht. Die Bedeutung des verletzten Joshua Holtby als Dreh- und Angelpunkt in der offensiven Mittelfeldzentrale wurde deutlich. Um Ahlens Fünfer-Abwehrkette sprengen zu können, hätten die Gastgeber Fußball spielen müssen. Das gelang nicht, vieles blieb Stückwerk, sehr viele Dinge waren unpräzise und ungenau.

Wechsel mit Wirkung

Aber, auch das sei zu Ehrenrettung gesagt, Hildmanns Wechsel hellten die Lage etwas auf. Justin Möbius – Tendenz steigend. Nicolai Remberg – holte den Elfmeter raus. Man konnte sogar Osman Atilgan für den Augenblick vergeben, als er eigensinnig nach einem Konter in der 90. Minute das 2:0 „verdaddelte“ – Hildmann wird das noch thematisieren. Ein Schwadorf am Ende reichte – passt.

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