Fußball: Regionalliga West
Preußen-Eigengewächse stechen in Lippstadt hervor

Lippstadt -

Die Talente aus dem eigenen Stall bestachen beim 4:0 des SC Preußen beim SV Lippstadt besonders. Nicolai Remberg und Dominik Klann waren neben Doppeltorschütze Alexander Langlitz die Gewinner des Tages. Die Hausaufgaben sind erledigt, nun folgen heiße Wochen für die Münsteraner.

Sonntag, 15.11.2020, 14:22 Uhr aktualisiert: 15.11.2020, 15:37 Uhr
Herausragend: Nicolai Remberg (oben links), hier vor Cinar Sansar
Die Preußen jubelten viermal in Lippstadt Foto: Jürgen Peperhowe

Im Brustton der Überzeugung erklärte Sascha Hildmann im August, dass er in Kaiserslautern bewiesen habe, Talente entwickeln zu können. Gut drei Monate später zeigt sich, dass der Trainer von Preußen Münster nicht zu viel versprochen hat. Beim trotz sieben Ausfällen überaus souveränen 4:0 (2:0) beim SV Lippstadt überzeugten mit Nicolai Remberg und Dominik Klann zwei Jungs aus dem eigenen Stall in Top-Form und rissen die Kollegen mit. Nicht zum ersten Mal in dieser Saison.

Um vorne dran zu bleiben und einigermaßen genüsslich der Konkurrenz beim Nachholspiel-Marathon zusehen zu können, war der Erfolg beim nun zwölfmal sieglosen Außenseiter essenziell und auch eingeplant. Ein paar taktische und personelle Änderungen fruchteten zudem. „Mir hat die Mentalität vorne drin gut gefallen“, sagte Hildmann über das Sturmduo Remberg/Osman Atilgan. Erstmals hatte er auf ein 4-4-2 gesetzt, damit trotz bis zur Mittellinie abwartender Haltung viel Pressingdruck erzeugt und eine ganze Reihe an Umschaltaktionen mit dem erhofften Raum heraufbeschworen. Plan aufgegangen. Die Aufgabenteilung mit Doppeltorschütze Alexander Langlitz vorne und Julian Schauerte auf angestammter Stelle hinten rechts funktionierte auch.

 

15. Spieltag, Saison 2020/21: SV Lippstadt – Preußen Münster

1/16
  • Preußens Nicolai Remberg schießt mit voller Wucht.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Jubel nach dem frühen 1:0 durch Osman Atilgan.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Coach Sascha Hildmann weist den Weg.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • SCP-Keeper Marko Dedovic klärt vor Gerrit Kaiser.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Action vor dem Tor des SV Lippstadt.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Naod Mekonnen im Duell mit Jan Lukas Liehr.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Torjubel mit Alexander Langlitz und Osman Atilgan.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Dominik Klann und Dardan Karimani im Zweikampf.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Sehen Sie im Folgenden weitere Fotos von der Partie in Lippstadt.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  •  

    Foto: Jürgen Peperhowe
  •  

    Foto: Jürgen Peperhowe
  •  

    Foto: Jürgen Peperhowe
  •  

    Foto: Jürgen Peperhowe
  •  

    Foto: Jürgen Peperhowe
  •  

    Foto: Jürgen Peperhowe
  •  

    Foto: Jürgen Peperhowe

 

Sieben Ausfälle, vier Neue in der Startelf

Aufgrund von sieben Ausfällen musste der Preußen-Kader diesmal ziemlich umgekrempelt werden. Neu in die Startelf rückten neben Keeper-Debütant Marko Dedovic (für den kranken Max Schulze Niehues) auch Naod Mekonnen, sowie die beiden Angreifer Osman Atilgan und Nicolai Remberg, die Benedikt Zahn auf die Bank verdrängten. Okan Erdogan rutschte von der Sechserposition in die Innenverteidigung, wo Marcel Hoffmeier verletzt fehlte. Hinten rechts machte Lukas Frenkert Platz für Julian Schauerte, der nach langer Zeit so mal wieder auf seiner Stammposition zum Einsatz kam. Alexander Langlitz blieb vorn. Die Bank füllten die U-23-Akteure Sven Rüschenschmidt und Steffen Westphal als Ersatztorwart auf.

...

„Es war ein richtig guter Auftritt. Die ersten 30 Minuten waren genau so, wie wir sie uns vorgenommen hatten“, so der Coach. „Wir hatten gerade zu Beginn einige Ballgewinne und hätten sogar einen Tick früher führen können.“ Die Tore – durchaus vorzeigbar. Remberg bediente Joel Grodowski, dessen Steckpass ideal Atilgan erreichte. Der zuvor mehrfach gescholtene Neuzugang blieb freistehend eiskalt (8.). Dann drang der erfrischend umsichtige Klann (Hildmann: „Über ihn müssen wir gar nicht reden, oder?“) in den Sechzehner ein und wurde von Cinar Sansar plump gelegt. Langlitz, vierter Elfmeterschütze der Saison und dabei gelassen selbstbewusst, traf vom Punkt (12.). Als die Überlegenheit nach der Pause kurz stockte, weil der SCP gerade auf den Außenverteidigerposten einige Bälle verlor und Grodowski zweimal zu verspielt auf seinen linken Fuß hoffte statt den rechten Fuß zu nehmen (50., 54.), gab’s einen kurzen Anpfiff von Hildmann. Rembergs Traumpass veredelte der pfeilschnelle Angreifer kurz darauf dann wie gewünscht (59.). „Message angekommen. Damit war der Stecker gezogen“, sagte Hildmann. Langlitz setzte nach Niklas Heidemanns flacher Hereingabe noch einen drauf (81.).

Punktgleich mit dem BVB

Die Geschichte der Spielausfälle in der Regionalliga West wurde auch am Samstag weitergeschrieben. Die Partie von Borussia Dortmund II gegen RW Oberhausen, die am Sonntag stattfinden sollte, fiel wegen eines Corona-Falls bei den Schwarz-Gelben aus. Die Preußen sind damit punktgleich mit dem Aufstiegsfavoriten, haben aber schon satte drei Spiele mehr absolviert. Alemannia Aachen hat aktuell sogar sechs Spiele Rückstand.

...

Über weitere riesige Chancen für Atilgan (19.) nach scharfer Langlitz-Hereingabe, Simon Scherder per Kopf nach Atilgan-Chip (26.) und Ousman Touray nach Langlitz-Querpass (86.) sprach hinterher keiner mehr. Der SCP machte wenig verkehrt. Willensstarke, aber harmlose Lippstädter hatten genau eine heiße Szene. Beim Kopfball von Valentin Henneke, den Debütant Marko Dedovic klasse parierte (47.), hätte das Spiel aber kippen können. So blieb der Gast zum zweiten Mal hintereinander ohne Gegentor. „Dass wir nach der Pause noch mal 15 Minuten unter Druck geraten würden, war mir klar“, sagte Hildmann.

Langlitz entdeckt Stürmerblut wieder

Alexander Langlitz hat sich mit seiner neuen Rolle auf der offensiven rechten Außenbahn schnell angefreundet. „Die letzten acht Jahre habe ich ja hinten in der Viererkette gespielt. Aber früher war ich auch mal Stürmer“, erzählte der 29-Jährige. Ein cooler Strafstoß, ein müheloser Treffer zum 4:0, viele gute Anspiele und ganz viel Wucht und Power verbuchte er. „Letzte Woche lief es ja noch nicht so bei uns allen. Aber glänzen kann ich eh nur, wenn ich gut eingesetzt werde. Ich sehe die Spiele auf jeden Fall jetzt anders.“

...

Alles in allem war es ein sehr runder und sachlicher Auftritt nahezu ohne Makel. Von einer Notbesetzung konnte keine Rede sein. „Die Mannschaft war unfassbar jung, aber sehr unaufgeregt. Jeder hat gesehen, was die Jungs für ein Herz haben“, sagte Hildmann. Die unteren Tabellenregionen haben die Preußen mit acht Siegen nun fast in Gänze erfolgreich abgearbeitet. In den sieben Partien bis Weihnachten und bis zum Hinrundenabschluss geht es jetzt ans Eingemachte. Die Traditionsvereine Fortuna Köln, RW Oberhausen und Alemannia Aachen warten ebenso wie die U-23-Teams von Fortuna Düsseldorf, Borussia Mönchengladbach, Schalke 04 sowie der FC Wegberg-Beeck. In den nächsten fünf Wochen kann sich schon entscheiden, wohin die Reise der Münsteraner geht.

Livestream bricht zusammen

Harte Zeiten für Preußen-Fans: Ins Stadion dürfen sie aktuell und auf Sicht nicht – und dann stürzt auch noch wie am Samstag der durchaus teure (5 Euro pro Spiel aufwärts) Livestream von Soccerwatch nach der Pause ab. Zuvor hatte das Bild geruckelt, gestanden und war sechs bis acht Minuten hinter der Realzeit. Der Aufschrei war nicht nur in den sozialen Medien groß. Der bemitleidenswerte Kommentator vor dem heimischen Laptop trug auch nicht gerade zur Besänftigung bei und las aus einem Liveticker vor. Immerhin könnte es das Geld zurückgeben. Die bisherigen Übertragungen des Anbieters, mit dem auch der SCP zusammenarbeitet, waren auch selten Glanzstücke.

...
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7678902?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686137%2F2686215%2F
Nachrichten-Ticker