Fußball: Regionalliga West
Preußen Münster noch nicht bereit für den Gipfelsturm

Im Dreivierteltakt schunkelt der SC Preußen Münster durch die Fußball-Regionalliga. Nach drei Siegen und drei Schritten vorwärts, ging es am Mittwoch wieder einen Schritt zurück. Schade drum, war doch die Spitze in Sichtweite. Nach dem 0:2 bei Fortuna Köln reift in Münster die Erkenntnis, dass die junge Mannschaft vielleicht noch nicht reif ist für den Gipfelsturm.

Donnerstag, 26.11.2020, 15:47 Uhr aktualisiert: 26.11.2020, 21:40 Uhr
Frust pur nach der 0:2-Niederlage im Kölner Südstadion – eine empfindliche Euphoriebremse für den SC Preußen Münster.
Frust pur nach der 0:2-Niederlage im Kölner Südstadion – eine empfindliche Euphoriebremse für den SC Preußen Münster. Foto: Jürgen Peperhowe

MünsterIn der Kölner Südstadt wurde am Dienstag offiziell der Glühweinwanderweg eröffnet. Aus gegebenem Anlass endete diese feuchtfröhliche, kölsche Corona-Variante des Weihnachtsmarktes am Mittwoch für einige hoch zufriedene „Wanderer“ am Jean-Löring-Sportpark, besser bekannt als Südstadion, oder – postalisch korrekt – am Vorgebirgstor 2. Eine Adresse, die perfekt die Topographie der Fußball-Regionalliga West beschreibt. Denn während sich der Ligagipfel in weiter Ferne majestätisch zwischen Essen und Dortmund erhebt, wird im weiten NRW-Umland eben nur Liga-Mittelmaß zelebriert – und auch die ambitionierte Seilschaft aus der westfälischen Tiefebene hat offenkundig (noch) nicht die richtige Ausrüstung für einen ernsthaften Gipfelsturm beisammen.

Nicht trittsicher unterwegs

Der SC Preußen Münster wäre vor diesem 17. Spieltag das Team gewesen, das den Anschluss an das Führungsduo hätte halten können und müssen, doch sowohl das Ergebnis (0:2) als auch die dazugehörige Vorstellung auf dem Platz zeigten überdeutlich, dass die jungen Wilden um Trainer Sascha Hildmann noch nicht wirklich trittsicher unterwegs sind. Während sich die Fortunen nach dem Abpfiff von den wackeren Wandersleuten am Stadionzaun feiern ließen, hatte Hildmann seine Jungs zu einem Kreis der Frustrierten formiert – die Köpfe gesenkt, die Stimmung gedrückt. Diese Niederlage gegen einen bestenfalls soliden Gegner war ein herber Rückschlag für die zuletzt von neun Punkten aus drei Partien befeuerte Euphorie in Münster.

Doppelsechs orientierungslos

Die gleiche Besetzung, die am Samstag zuvor eine starke Fortunen-Zweite aus Düsseldorf in einer überzeugenden und reifen Vorstellung bezwungen hatte, fand am Mittwoch 45 Minuten lang so gar nicht in die Spur. Die junge Doppelsechs mit Dominik Klann und Naod Mekonnen wirkte orientierungslos und verloren, Nicolai Remberg, Osman Atilgan und Joel Grodowski rannten sich in der Offensive die Fersen wund, brachten die Füße aber kaum an den Ball. Und weil auch die Routiniers aus der Defensive das Spiel nach vorn nicht in Form brachten, maßen sich die Ballbesitzzeiten der Preußen meist im einstelligen Sekundenbereich. Eine Zweikampfstatistik erübrigte sich mangels sachdienlicher Hinweise auf gewonnene Duelle.

Kritik am Schiedsrichter

Bei seiner Spurensuche fahndete Hildmann im Anschluss und im ersten Frust verzeihlicherweise auch kurz bei Schiedsrichter Jonas Windeln und dessen ausbleibendem Pfiff nach sechs Minuten, als Remberg im Kölner Strafraum zu Fall kam. Eine Situation, die mangels Zeitlupe nicht mehr final zu klären ist, die aber, wie Hildmann dann auch einräumte, nicht die maue Vorstellung des Teams kaschieren, geschweige denn entschuldigen konnte. „Der eine oder andere Spieler ist heute nicht an seine Topform gekommen“, lautete dann die nüchterne und korrekte Einordnung.

Qualität von der Bank

Immerhin konnte der SCP-Coach von der Bank spürbar Qualität einwechseln, und mit Jules Schwadorf die Spiel-Symmetrie im zweiten Durchgang deutlich verschieben: „Jules hat dann die Steckpässe erspielt, die uns bis dahin fehlten. Wir wissen, dass er diese Qualität besitzt. Gut, dass er jetzt wieder fit wird“, sagte Hildmann.

Kader zu klein

Aktuell ist der einsatzbereite Kader der Preußen sehr klein, die Chance, sich wie im Fall Schwadorf stark zu wechseln, eher die Ausnahme. Verschnaufpausen für die aufstrebenden jungen Wilden sind aktuell kaum zu gewährleisten. „Fit werden“ heißt daher auch die Maßgabe für die anderen verletzten und schmerzlich vermissten Leistungsträger.

Ho Ho Ho: Hoffen auf Holtby und Hoffmeier

Am Wochenende muss beim nächsten Heimspiel gegen den FC Wegberg­­ Beeck wohl noch einmal der aktuelle Miniatur-Kader herhalten, doch pünktlich zum Nikolaus-Abend darf Hildmann zumindest auf ein bescheidenes „Ho-Ho“ hoffen, denn die noch verletzten Marcel Hoffmeier und ­Joshua Holtby werden in der kommenden Woche zurück im Training erwartet. Dann sollte es für die Preußen aus der Talsohle im Kölner Vorgebirge langsam wieder bergan gehen.

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